Nazi-Jäger Gauck zeichnet Beate und Serge Klarsfeld aus

Der Bundespräsident setzt ein Zeichen: Joachim Gauck verleiht Beate und Serge Klarsfeld einen der höchsten Orden der Bundesrepublik. Damit würdigt er ihren Kampf für die Aufklärung von NS-Verbrechen und gegen Antisemitismus.

Serge und Beate Klarsfeld (im Juli 2014 in Paris): Jahrzehntelanger Kampf gegen frühere Nazis
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Serge und Beate Klarsfeld (im Juli 2014 in Paris): Jahrzehntelanger Kampf gegen frühere Nazis

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Es hat lange gedauert. Immer wieder waren Serge und Beate Klarsfeld für das Bundesverdienstkreuz ins Gespräch gebracht worden. Nun hat Bundespräsident Joachim Gauck die Urkunde unterzeichnet, mit denen das in Frankreich lebende Ehepaar geehrt werden soll, wie SPIEGEL ONLINE am Mittwoch vom Bundespräsidialamt bestätigt wurde.

Demnach wird dem Ehepaar Klarsfeld das "Verdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" verliehen - er ist einer der höchsten Orden und wird nur an zehn Prozent der insgesamt vom Bundespräsidenten ausgezeichneten Persönlichkeiten vergeben.

Das Ehepaar erhalte den Orden wegen der von ihm geleisteten Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen sowie seines Einsatzes gegen Antisemitismus und politische Unterdrückung, hieß es zur Begründung aus dem Präsidialamt. Die Übergabe werde in Paris durch die deutsche Botschafterin erfolgen.

Beate Klarsfeld ohrfeigte Kanzler Kiesinger

Beate Klarsfeld war im März 2012 bei der Wahl des Bundespräsidenten, bei der schließlich Gauck zum Staatsoberhaupt gewählt wurde, als Kandidatin der Linken in die Bundesversammlung entsandt worden. Die Journalistin erhielt damals 126 Stimmen und sprach von einem symbolischen Akt. Sie freue sich darüber, überhaupt für das höchste Staatsamt in ihrem Heimatland im Rennen gewesen zu sein. "Dass ich heute hier stehe und Kandidatin bin, auch wenn ich nicht gewinnen werde, ist immerhin eine Anerkennung für die viele Arbeit, die ich seit so vielen Jahren leiste", so Klarsfeld damals.

In anderen Ländern wurde die Journalistin bereits mit Preisen für ihr Engagement bei der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen überhäuft. So verlieh ihr Frankreichs damaliger Präsident Nicolas Sarkozy den französischen Verdienstorden, aus Israel kam einst sogar der Vorschlag für den Friedensnobelpreis.

Klarsfeld war vor allem auf Seiten von CDU/CSU eine umstrittene Person, hatte sie sich doch am 7. November 1968 Zutritt zum CDU-Bundesparteitag in der West-Berliner Kongresshalle verschafft und dem damaligen Kanzler Kurt Georg Kiesinger eine Ohrfeige verpasst. Kiesinger (CDU), damals Kanzler der ersten Großen Koalition in der Bundesrepublik, war NSDAP-Mitglied gewesen. Mit dieser öffentlichkeitswirksamen Aktion wurde Klarsfeld, die sich mit ihrem Mann jahrzehntelang gegen NS-Verbrecher engagierte, auf einen Schlag berühmt - auch über Deutschlands Grenzen hinaus.

Ihren größten Erfolg beim Kampf gegen frühere Nazi-Verbrecher erzielte das Ehepaar, als der frühere Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, von Bolivien an Frankreich ausgeliefert, dort vor Gericht gestellt und 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Barbie verstarb 1991 im Gefängnis an Krebs.

Beate Klarsfeld war 1939 als Auguste Künzel zur Welt gekommen, wuchs in Berlin auf und lebte ab 1960 in Frankreich. Sie kam als Au-Pair-Mädchen nach Paris, lernte dort auf dem Weg zur Sprachschule ihren zukünftigen Ehemann kennen. "Er hat mir die Augen geöffnet", sagte sie einst über ihren Partner. Serge Klarsfeld war als jüdisches Kind 1943 im südfranzösischen Nizza knapp den deutschen Besatzungstruppen entkommen. Sein Vater, Arno Klarsfeld, wurde von den Nazis nach Auschwitz deportiert und ermordet.



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