NS-Vergangenheit Auswärtiges Amt lässt Bilder aus Ahnengalerien entfernen

Das Auswärtige Amt zieht Konsequenzen aus der Studie zur Nazi-Vergangenheit der Behörde: In den deutschen Botschaften sollen künftig nur noch Diplomaten-Porträts aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hängen.

Auswärtiges Amt in Berlin: Runderlass für Ahnengalerien
DPA

Auswärtiges Amt in Berlin: Runderlass für Ahnengalerien


Berlin - In einer Studie hatten Historiker die NS-Verstrickung von Diplomaten im Auswärtigen Amt belegt. Nun zieht die Behörde Konsequenzen, um die Würdigung belasteter Mitarbeiter zu unterbinden. Künftig sollen in Deutschlands Auslandsvertretungen nur noch Botschafter-Porträts aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hängen. Das Außenministerium bestätigte am Dienstag Berichte über einen entsprechenden Runderlass.

Aus den jeweiligen Ahnengalerien der Botschaften sollen damit alle Porträts verschwinden, die Botschafter aus der Zeit vor 1951 zeigen. Dieser Erlass geht auf eine Arbeitsgruppe zurück, die Außenminister Guido Westerwelle (FDP) infolge der Historiker-Studie eingesetzt hatte.

In Ausnahmefällen sollen aber noch Botschafter aus früheren Jahren zu sehen sein. Falls Diplomaten, die seit 1951 auch für die Bundesrepublik im Dienst waren, eine NS-Vergangenheit haben, sollen deren Porträts aber ergänzende Erläuterungen bekommen. Die Arbeitsgruppe forderte die Botschaften zugleich auf, alle eigenen Veröffentlichungen mit Bezug auf die NS-Vergangenheit "kritisch zu überprüfen".

Die Studie war vom früheren Außenminister Joschka Fischer (Grüne) 2005 in Auftrag gegeben worden, nachdem es Streit um Nachrufe für Diplomaten mit NS-Vergangenheit gegeben hatte. Fischer wollte damit Klarheit über die Verstrickungen des Auswärtigen Amtes schaffen.

Laut der Studie war die Behörde während des Dritten Reiches viel stärker an der Verfolgung und Ermordung von Juden beteiligt als allgemein bekannt. "Das Auswärtige Amt war eine verbrecherische Organisation", fasste Kommissionsleiter Eckart Conze, Historiker aus Marburg, das zentrale Ergebnis zusammen. Zudem kam heraus, dass im Ministerium nach 1945 erheblicher Aufwand betrieben wurde, um die eigene Nazi-Vergangenheit zu vertuschen.

mmq/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
brux 23.11.2010
1. Nachfolgestaat?
Mit welcher Begründung wurden diese Portraits eigentlich aufgehängt? Schliesslich waren dies ja Diplomaten eines anderen Staates. Da kann man ja gleich den Bismarck an die Wände hängen.
aggroberliner36 23.11.2010
2. 65 Jahre danach
Einfach nur lächerlich, wie wärs damit endlich mal mit der Vergangenheit abzuschließen und in die ZUKUNFT zu schauen?!
suum.cuique 23.11.2010
3. hm
Zitat von bruxMit welcher Begründung wurden diese Portraits eigentlich aufgehängt? Schliesslich waren dies ja Diplomaten eines anderen Staates. Da kann man ja gleich den Bismarck an die Wände hängen.
ich kenne einen dt. Diplomaten, bei dem haengt der Masuren-Paule in seinem Arbeitszimmer....
chefchen, 23.11.2010
4. afaf
Zitat von sysopDas Auswärtige Amt zieht Konsequenzen aus der Studie zur Nazi-Vergangenheit der Behörde: In den deutschen Botschaften*sollen*künftig nur noch Diplomaten-Porträts aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hängen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,730780,00.html
Wieviel neues steht eigentlich in der tollen AA-Studie? Daß das AA in der jungen Bunderepublik viele Altnazis beschäftigte, war doch schon lange klar. Es ist ein überfälliger Schritt mehr als 65 Jahre nach Kriegsende.
Klo, 23.11.2010
5. ...
Zitat von sysopDas Auswärtige Amt zieht Konsequenzen aus der Studie zur Nazi-Vergangenheit der Behörde: In den deutschen Botschaften*sollen*künftig nur noch Diplomaten-Porträts aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hängen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,730780,00.html
Ich halte generell nichts von Ahnengalerien. Abhängen und verschrotten.
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