Nürnberg Neonazis posieren mit Fackeln auf ehemaligem Reichsparteitagsgelände

Rechtsextreme haben in Nürnberg das ehemalige Reichsparteitagsgelände für eine Propagandaaktion missbraucht. Die Polizei war vor Ort - und schätzte die Lage offenbar falsch ein.

Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände
DPA

Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände


Mitglieder einer rechtsextremen Gruppe haben in Nürnberg auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände einen Fackelzug abgehalten. Später verbreiteten sie ein Propaganda-Video im Netz, in dem auch die erste Strophe des Deutschlandlieds zu hören ist.

Die Polizei bestätigte, die Männer wenige Hundert Meter vom Reichsparteitagsgelände aufgehalten zu haben - dort befindet sich eine Unterkunft für Asylbewerber. Die Versammlung sei nicht angemeldet gewesen, die Beamten hätten die insgesamt 18 Teilnehmer kontrolliert und ihre Identität festgestellt. Anschließend sprachen sie den Männern einen Platzverweis im Umkreis von 200 Metern aus, wohl um die Bewohner der Unterkunft zu schützen - und ließen sie gehen.

Doch die Männer zogen weiter zum Reichsparteitagsgelände. Das Video zeigt, wie sie dort mit Fackeln auf der Haupttribüne posieren. Die Polizei erklärte, die Situation "nicht ausreichend erkannt" zu haben. Man "bedauere", dass die Gruppe den Ort für "Propagandazwecke missbrauchte". Die Aktion der Neonazis fand laut Polizei am 23. Februar statt, wurde aber erst jetzt durch das zuletzt veröffentlichte Video bekannt.

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) verurteilte den Aufmarsch der Rechtsextremen scharf. Die Aktion sei widerlich, inakzeptabel und von niemandem in irgendeiner Form genehmigt worden, so Maly. "Es ist eine Erscheinung, die uns alarmieren muss - in ganz Deutschland und natürlich speziell auch in Nürnberg, dass mit solchen Symbolen an solchen Orten gearbeitet wird", sagte Maly. Die Staatsanwaltschaft prüfe derzeit, ob der Tatbestand der Volksverhetzung vorliege.

In der NS-Zeit fanden in Nürnberg viele Propagandaveranstaltungen der Nationalsozialisten statt. Unter anderem ließ Adolf Hitler sogenannte Reichsparteitage inszenieren, bei denen auch nächtliche Fackelzüge auf dem Programm standen.

lmd/dpa



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