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Nuklearabfall: Röttgen will Atommüll aus Asse zurückholen

Eine endgültige Entscheidung über das marode Atommülllager Asse wird vertagt. Umweltminister Röttgen will die Abfälle aber möglichst schnell aus der Anlage holen und woanders endlagern. Der CDU-Politiker verhandelt laut einem Zeitungsbericht zudem mit der Industrie bereits über längere AKW-Laufzeiten.

Radlader in Asse: Gutachten empfiehlt Räumung Zur Großansicht
dpa

Radlader in Asse: Gutachten empfiehlt Räumung

Braunschweig - Umweltminister Norbert Röttgen will den in Asse lagernden Atommüll untersuchen lassen und dann eine endgültige Entscheidung treffen. Die Abfälle aus der maroden Anlage in Niedersachsen sollen aber rasch an einem anderen Ort endgelagert werden. "Nach jetzigem Erkenntnisstand und im Hinblick auf die Langzeitsicherheit erscheint die vollständige Rückholung als die bevorzugte Variante für die Stilllegung von Asse", sagte der CDU-Politiker der "Braunschweiger Zeitung".

Es müssten aber zunächst "einige Einlagerungskammern geöffnet und probeweise Abfallgebinde untersucht werden", wird der Minister weiter zitiert. Bisher seien die Kenntnisse zum Zustand der Abfälle mangelhaft, dies erschwere eine klare Entscheidung zu einer Stilllegungsoption. Außerdem fehle noch ein umfassende Notfallkonzept.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt nach Angaben des "Kölner Stadt-Anzeigers", den gesamten Atommüll aus der einsturzgefährdeten Schachtanlage herauszuholen. Anschließend sollen demnach die rund 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll im Schacht Konrad, einem stillgelegten Eisenerz-Bergwerk in Salzgitter, endgelagert werden. Das gehe aus dem Gutachten des BfS hervor, das am Freitag bekanntgegeben werden soll und der Zeitung vorliege.

Die Rückholung des Atommülls stelle "die einzige sicher umsetzbare" Alternative dar, heißt es laut dem Bericht in der 225-seitigen Expertise. Die Behörde rate der Politik zu größter Eile, angesichts des "prekären Zustands der Grube" Asse. Mit den Arbeiten solle "schnellstmöglich" begonnen werden. Die Behörde rechnet mit einem Zeitaufwand von etwa zehn Jahren.

Verhandlungen über längere AKW-Laufzeiten

Röttgen (CDU) hat schon Anfang Januar mit ersten Gesprächen mit den Energieversorgern (EVU) zur Verlängerung der Atomlaufzeiten begonnen. Die Gespräche seien wesentlicher Bestandteil der Erarbeitung eines energiepolitischen Gesamtkonzeptes, sagte Röttgens Sprecherin der "Financial Times Deutschland". Über den Inhalt der Gespräche sei Stillschweigen vereinbart worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die geplanten längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke bekräftigt, für Beschlüsse im Rahmen eines Energiekonzepts aber Zeit bis Oktober verlangt. Offen hatte sie in einem Interview mit dem "Handelsblatt" gelassen, ob die nach dem geltenden Atomgesetz im Frühjahr erforderliche Abschaltung des Reaktors Neckarwestheim I (Baden-Württemberg) noch gestoppt werden kann. Der Reaktor soll als erstes der noch verbliebenen 17 Atomkraftwerke vom Netz gehen.

Am 21. Januar sind die zuständigen Vorstandsmitglieder der Energiekonzerne E.on, RWE, Vattenfall und EnBW zu einer ersten Gesprächsrunde ins Kanzleramt geladen. Daran nehmen unter Leitung von Amtschef Roland Pofalla (CDU) hohe Beamte der Regierung teil.

Der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) hat eine Mitsprache der Länder bei den Verhandlungen zur Laufzeitverlängerung verlangt. Die Länder hätten schließlich die Atomaufsicht und auch die Kompetenz, sagte Söder der "Financial Times Deutschland". Zudem sollten die Länder an den Zusatzgewinnen beteiligt werden, die die Kraftwerksbetreiber im Gegenzug für die Laufzeitverlängerung abgeben müssen. Die zusätzlichen Einnahmen sollen nach Vorstellung Söders streng zweckgebunden verwendet werden. Die Ökodividende müsse vor allem in die Erforschung erneuerbarer Energien fließen.

als/APN/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 149 Beiträge
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1. Atomkraft: Lügen und Betrügen
scharnhorst24 15.01.2010
Nun ist sie raus, die Nachricht, dass es wohl nichts ist, mit Endlagern die 1 Millionen Jahre sicher sind - wie es in den 1970er Jahre suggeriert wurde. Wie ein Mantra wird diese Botschaft von der Atomwirtschaft bis heute wiederholt. Nichts ist. Wir Bürger werden seit Jahrzehnten in der Frage der "Endlagerung" belogen. Insbesondere von der CDU. Es reicht. Von den Milliarden-Folgekosten einmal abgesehen, geht es um unsere Gesundheit! Und in dieser Frage kann es keinen Kompromiss geben. Wohin mit dem hochgefährlichen Strahle-Müll?Weltweit gibt es bis heute kein Endlager für nukleare Abflälle. Es ist dringend an der Zeit eine neue Anti-Atomkraft-Bewegung zu starten!
2. woander?
canUCme, 15.01.2010
Wo denn woanders lagern? Es gibt kein sicheres Endlager für radioaktiven Müll in Deutschland. Und die Leute, die die maroden Fässer aus der Asse herausholen sollen, sind wirklich nicht zu beneiden. Da sind Unfälle und Kontaminationen vorprogrammiert.
3. Endlager?
tpmk, 15.01.2010
Das Unternehmen kostet ein paar Milliarden,gefaehrdet die daran beteiligten Arbeiter, und in 40 Jahren wird das neue Endlager dann seinem Namen selbstverstaendlich auch nicht gerecht und alles beginnt von Neuem.Wann wird endlich begriffen,dass es fuer strahlendes Material,das tausende Jahre toedlich ist, auf dem Planeten kein Endlager gibt?
4. Super!
Sphynx, 15.01.2010
Wenn dann in 30 Jahren, durch welche Umstände auch immer Salzgitter genauso aussieht wie Asse heute, werden wir den Atommüll erneut durch Deutschland transportieren... Und die Politik diskutiert ernsthaft über eine Verlängerung der Laufzeit von Atommeilern - ohne Worte.
5. Etwas Rückgrat bitte.
solarfighter, 15.01.2010
Zitat von sysopEine endgültige Entscheidung über das marode Atommüll-Lager Asse wird vertagt. Umweltminister Röttgen will die Abfälle aber möglichst schnell aus der Anlage holen und woanders endlagern. Der CDU-Politiker verhandelt laut einem Zeitungsbericht zudem mit der Industrie bereits über längere AKW-Laufzeiten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672051,00.html
Das ist die Akzeptanz des Scheiterns des Endlagerungskonzept Salzstock. Wenn dieser Politiker etwas Rückgrat hätte, würde er dieses Scheitern auch eingestehen und Gorleben als Endlager endgültig ausschließen. Das Bedeutet aber, dass die Suche nach einem Endlager für stark radioaktive Abfälle wieder offen ist. Also mal schön in den Betreiber-BL schauen, ob man den Kram nicht „Vor Ort“ endlagern kann. Da gibt es in Bayern und BW sicher Möglichkeiten. Das ist unter den obigen Rahmenbedingungen völlig inakzeptabel und sollte entsprechend strafbewehrt werden. Man sollte dabei nie vergessen, das der Müll zurzeit teilweise in einfachen Lagerhallen zwischengelagert wird.
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