Oberbürgermeister-Wahl FDP-Mann Hilbert regiert in Dresden

Seit vier Monaten ist Dirk Hilbert bereits kommissarisch Oberbürgermeister von Dresden, nun übernimmt er das Amt ganz. 54,2 Prozent der Wähler stimmten für den FDP-Politiker. Die Pegida-Kandidatin war nicht wieder angetreten.

FDP-Politiker Hilbert: "Dresden zu einer Vorzeigestadt der Integration und Beschäftigung von Flüchtlingen und Zuwanderern machen"
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FDP-Politiker Hilbert: "Dresden zu einer Vorzeigestadt der Integration und Beschäftigung von Flüchtlingen und Zuwanderern machen"


Entscheidung im zweiten Wahlgang: Der FDP-Politiker Dirk Hilbert hat die Oberbürgermeisterwahl in Dresden gewonnen. Der 43-Jährige, der bereits seit vier Monaten die vorzeitig aus dem Amt geschiedene Oberbürgermeisterin Helma Orosz vertritt, kam auf 54,2 Prozent der Stimmen. Er setzte sich gegen die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange durch, die 44 Prozent erreichte. Die SPD-Politikerin wurde von der rot-rot-grünen Stadtratsmehrheit unterstützt.

Hilbert sprach von einem fulminanten Ergebnis. Eines seiner Ziele: Er wolle das durch die islamkritische Pegida-Bewegung entstandene Bild der Elbestadt wieder geraderücken. "Ich möchte Dresden zu einer Vorzeigestadt der Integration und Beschäftigung von Flüchtlingen und Zuwanderern machen."

Bei der sommerlichen Hitze gaben 42,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab - das waren weniger als im ersten Wahlgang, aber deutlich mehr als 2008, als bei der letzten OB-Wahl nur 33,94 Prozent der Wahlberechtigten abstimmten. Ebenfalls angetreten war ein_e Kandidat_in der Satirepartei Die Partei, Lars Stosch alias Lara Liqueur. Auf ihn_sie entfielen 1,8 Prozent.

Im ersten Wahlgang hatte noch Stange mit 36 Prozent der Stimmen vor Hilbert (31,4 Prozent) das beste Ergebnis eingefahren. In der zweiten Runde gelang es dem 43-Jährigen offenbar, die Stimmen aus dem bürgerlichen Lager auf sich zu vereinen. Die Pegida-Kandidatin Tatjana Festerling war zur zweiten Wahlrunde nicht wieder angetreten. Im ersten Durchgang hatte sie fast zehn Prozent der Stimmen erhalten.

Auch Orosz war im Juni 2008 erst im zweiten Wahlgang erfolgreich gewesen. Damals erhielt sie 64,04 Prozent der Stimmen. Bis zu ihrem Ausscheiden Ende Februar war sie dieletzte CDU-Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern.

brk/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
01099 05.07.2015
1.
Super! Jetzt haben wir in Dresden einen Bürgermeister von PEGIDA's Gnaden. Es ist traurig. Fast noch trauriger als die Wahlbeteiligung. Kann man da noch von einer Wahl sprechen, wenn nicht einmal die Hälfte der Menschen noch den Weg an die Urne findet? Ich finde das - nicht nur als Dresdner - mehr als bedenklich.
alarich41 05.07.2015
2. Die CDU fehlt im Artikel
Der Autor hat 'vergessen' zu erwähnen, dass im ersten Wahlgang auch ein CDU Minister angetreten ist, der diesmal zur Unterstützung von Herbig aufgerufen hatte. Also kein Oberbürgermeister Dank Pegida, sondern mit Hilfe der CDU. War das Absicht des Schreibers?
rainerdavidw.früh 06.07.2015
3. Guggeda!
Ach, Herr/Frau 01090 kennt alle Wähler persönlich? Oder woher wissen Sie, dass Pegida den Wahlsieger unterstützt hat? Ist schon ärgerlich, da unterstützt die rot/rot/grüne "Mehrheit" die linke Kandidatin und das blöde Volk setzt sich einfach drüber hinweg, menschenverachtend und undemokratisch! Was waren das doch noch für schöne Zeiten, als solche Besetzungsfragen einfach und unkompliziert in der örtlichen SED-Zentrale ohne den Störfaktor Volk entschieden wurden...
Kampfdenker 06.07.2015
4.
Denkwürdig allerdings,dass die Pegida empfohlen hat,den FDP -Mann zu wählen, weil es ihr wichtiger erschien,eine rot-rot-grüne Dame zu verhindern.- Ein Akt politischer Weitsicht,den man nun gerade aus der Ecke am wenigsten vermutet hätte.
sepp08 06.07.2015
5.
Zitat von 01099Super! Jetzt haben wir in Dresden einen Bürgermeister von PEGIDA's Gnaden. Es ist traurig. Fast noch trauriger als die Wahlbeteiligung. Kann man da noch von einer Wahl sprechen, wenn nicht einmal die Hälfte der Menschen noch den Weg an die Urne findet? Ich finde das - nicht nur als Dresdner - mehr als bedenklich.
Schauen Sie die OB-Wahl in Mannheim an. Man muss ja froh sein, wenn noch jemand zum Wählen geht. Bei dieser Politik, ob auf Kommunaler, Land- oder Bundesebene hat doch der Bürger die Nase voll, was hier zum Besten gegeben wird.
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