Terror-Verdacht in Hessen Videofund deutet auf islamistischen Hintergrund hin

Neue Erkenntnisse zum vermutlich geplanten Bombenanschlag auf ein Radrennen bei Frankfurt: Ein Videofund deutet auf einen islamistischen Hintergrund des festgenommenen Ehepaars aus Oberursel hin.


Wenige Tage nach dem wohl im letzten Moment vereitelten Terroranschlag in Hessen erhärtet sich der Verdacht eines islamistischen Hintergrunds. Ermittler haben auf einem Computer des festgenommenen Ehepaars aus Oberursel bei Frankfurt Gewaltvideos gefunden. Diese seien dem islamistischen Extremismus zuzuordnen, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts in Wiesbaden. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Der Computer sei in der Wohnung der türkischstämmigen Eheleute sichergestellt worden.

Das Paar war in der Nacht zum Donnerstag von einem Spezialeinsatzkommando in Oberursel im Taunus festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. In der Wohnung fanden Ermittler eine Rohrbombe, Munition, Teile eines Sturmgewehrs G3 und eine Übungsgranate für eine Panzerfaust. Vermutlich hatten die beiden das für den 1. Mai geplante Radrennen "Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn" im Visier, das dann kurzfristig abgesagt wurde.

Nach Angaben des LKA-Sprechers werden derzeit sichergestellte Papiere und elektronische Datenträger aus der Wohnung ausgewertet. Dabei werde vor allem nach Hinweisen zu möglichen Mittätern gesucht: "Das wird noch Tage oder sogar Wochen dauern."

Die Suche entlang der Rennstrecke ist inzwischen beendet. Dort hatten Beamte den Angaben zufolge nach weiteren Bomben Ausschau gehalten, aber nichts gefunden.

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Terror-Ermittlungen in Hessen: Waffenfund in Oberursel

Der beschuldigte Mann, Halil D., sei in den vergangenen Tagen auf Parkplätzen und im Wald entlang der Rennstrecke von Oberursel auf den Feldberg beobachtet worden, sagte der Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Albrecht Schreiber. Deshalb habe sich die Polizei zum Zugriff entschlossen. Zwar sei ein geplantes Anschlagsziel weiterhin nicht bekannt. "Allerdings gab es deutliche Überschneidungen vom Streckenverlauf des Radrennens und Bewegungsprofil der festgenommen Personen", hieß es einer Mitteilung des LKA.

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es eine sehr aktive salafistische Szene. Am Frankfurter Flughafen ereignete sich 2011 der bislang einzige islamistische Terroranschlag in Deutschland. Dabei ermordete ein 22-jähriger Islamist mit Wurzeln im Kosovo zwei US-Soldaten und verwundete zwei Soldaten lebensgefährlich.

Was ist bislang bekannt zu Halil D.?

Der Verdächtige Halil D. ist bereits in der Vergangenheit auffällig geworden: Polizeipräsident Stefan Müller sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag von Körperverletzung, Bedrohung sowie Verstoß gegen das Waffengesetz.

Halil D. soll zudem mittelbar Kontakte zu dem ebenfalls aus Hessen stammenden Adem Y. gehabt haben, einem der Mitverschwörer der sogenannten Sauerland-Gruppe. "Der Beschuldigte unterhielt Verbindungen zur Extremisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet", sagte Staatsanwalt Schreiber.

Zuletzt kamen Fahnder dem Paar auf die Spur, weil es Ende März in einem Frankfurter Baumarkt unter falschen Namen einen ungewöhnlichen Einkauf tätigte: drei Liter Wasserstoffperoxid - eine große Menge einer Chemikalie, die zum Bau von Bomben verwendet werden kann. Der Kauf von Wasserstoffperoxid ab einer bestimmten Menge ist meldepflichtig. Der Baumarkt habe die Polizei informiert, teilte die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit.


Zusammengefasst: In Oberursel in Hessen nahm die Polizei ein verdächtiges Paar fest - wegen der möglichen Vorbereitung eines Bombenanschlags. In der Wohnung der Verdächtigen wurde jetzt ein Video gefunden, das auf einen islamistischen Hintergrund hindeutet.

ric/dpa



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
Kinkerlitzchen 02.05.2015
1. Schöner Ermittlungserfolg, aber...
...niemand sollte, wie bspw. in der Phoenix-Runde einfch mal pro forma geschehen, nun diesen Ermittlungserfolg den Geheimdiensten zuschreiben. Es war der Baumarkt, der die Polizei informierte. Ansonsten wirkt das bekannte Täterprofil wie meist in solcen Fällen. Bekannter Gewalttäter sucht Begründung dafür Menschen zu ermorden. Und findet sie in der aktuellen politischen Situation. "Rationalisieren" nennt sich das.
dominiks 02.05.2015
2.
Zitat von Kinkerlitzchen...niemand sollte, wie bspw. in der Phoenix-Runde einfch mal pro forma geschehen, nun diesen Ermittlungserfolg den Geheimdiensten zuschreiben. Es war der Baumarkt, der die Polizei informierte. Ansonsten wirkt das bekannte Täterprofil wie meist in solcen Fällen. Bekannter Gewalttäter sucht Begründung dafür Menschen zu ermorden. Und findet sie in der aktuellen politischen Situation. "Rationalisieren" nennt sich das.
In vielen Fällen sind es aber eben keine "bekannten Gewalttäter", sondern äußerlich gut integrierte Studenten.
WwdW 02.05.2015
3. Wasserstoffperoxid
Es gibt auch Anwendungen davon bei der man große Mengen braucht und es hat nichts mit Bombenbau zu tun. Da tritt dann jedesmal ein Sonderkommando die Türen ein und demoliert die Einrichtung, wenn man Wasserstoffperoxid kauft um Tonbrocken aufzuschliessen wenn man an Mikrofossilien kommen möchte ... Das ist wie anlassbezogene Vorratsdatenspeicherung ... Unbescholtene Bürger geraten ins Visier der Geheimdienste/Überwachungbehörden, etc.
Forums-Geschwurbel 02.05.2015
4.
Zitat von Kinkerlitzchen...niemand sollte, wie bspw. in der Phoenix-Runde einfch mal pro forma geschehen, nun diesen Ermittlungserfolg den Geheimdiensten zuschreiben. Es war der Baumarkt, der die Polizei informierte. Ansonsten wirkt das bekannte Täterprofil wie meist in solcen Fällen. Bekannter Gewalttäter sucht Begründung dafür Menschen zu ermorden. Und findet sie in der aktuellen politischen Situation. "Rationalisieren" nennt sich das.
... und es waren sämtliche Handies, die sich zu dieser Zeit in der betreffenden Funkzelle um den Baumarkt überprüft wurden, die letzlich zum Täterpaar führte. Methoden, wie sie auch von den Diensten genutzt werden. Diesmal war's halt die Polizei ....
lies.das 02.05.2015
5.
Zitat von Kinkerlitzchen...niemand sollte, wie bspw. in der Phoenix-Runde einfch mal pro forma geschehen, nun diesen Ermittlungserfolg den Geheimdiensten zuschreiben. Es war der Baumarkt, der die Polizei informierte. Ansonsten wirkt das bekannte Täterprofil wie meist in solcen Fällen. Bekannter Gewalttäter sucht Begründung dafür Menschen zu ermorden. Und findet sie in der aktuellen politischen Situation. "Rationalisieren" nennt sich das.
Woher wissen Sie denn, ob die Baumarktmeldung ausgereicht hat, um eine Durchsuchung auszulösen? Ach, Sie vermuten es nur?
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