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Studie über Integration: So leben Migranten in Deutschland

Bessan und Wasim aus Syrien im Unterricht: Bei der Lesekompetenz holen Migrantenkinder auf Zur Großansicht
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Bessan und Wasim aus Syrien im Unterricht: Bei der Lesekompetenz holen Migrantenkinder auf

Welche Chancen haben Migrantenkinder in der Schule? Wie weit kommen sie auf dem Arbeitsmarkt? Die OECD und die EU haben Daten aus mehreren Staaten verglichen. In den meisten Punkten schneidet Deutschland schlecht ab.

Der Bundestag diskutiert an diesem Donnerstag über eine Verschärfung des Asylrechts. Doch wie steht es wirklich um die Integration von Einwanderern in Deutschland? Eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der EU-Kommission könnte Aufschluss geben.

Der Titel der Untersuchung: "Indikatoren von Zuwanderung 2015". Ein überraschendes Ergebnis: Einwanderer konnten in Deutschland immer besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. In anderen Bereichen jedoch besteht noch großer Aufholbedarf.

Untersucht wurden Daten zur Bildung, Gesundheit, zu den Wohnverhältnissen sowie zur Einkommens- und Arbeitsmarktsituation von Zuwanderern und Zuwandererkindern. Verglichen wurden die Mitglieder der OECD, also nicht nur europäische Länder, sondern etwa auch die USA, Mexiko, Neuseeland oder Israel.

Das sind die zentralen Ergebnisse:

  • Beim Thema Bildung müsste Deutschland laut der Studie mehr für Kinder von Zuwanderern tun: Nur jeder Sechste verfügt über einen Hochschulabschluss oder Meisterbrief, bei den Unter-35-Jährigen ohne Migrationshintergrund ist es hingegen jeder Dritte. Im OECD-Vergleich liegt die Bundesrepublik damit hinten.
  • Bildung trotz schwieriger familiärer Verhältnisse? Für Migrantenkinder sieht es dabei deutlich schlechter aus als für Kinder deutscher Eltern. Nur vier Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind in der Schule leistungsstark, unter denjenigen ohne bringen es immerhin 13 Prozent zu guten Noten. Auch hier fällt die Bundesrepublik im Ländervergleich ab: 13 Prozent der Zuwandererkinder zählen in Europa zu den leistungsstärksten Schülern.
  • Gute schulische Leistungen trotz Migrationshintergrund: Bei der Lesekompetenz lagen Kinder von Einwanderern 2003 noch fast zweieinhalb Jahre hinter ihren Mitschülern ohne Migrationshintergrund. Diese Lücke hatte sich 2012 zu mehr als der Hälfte geschlossen.
  • Wer zwar in Deutschland geboren wurde, aber Kind von Migranten ist, hat Nachteile auf dem Arbeitsmarkt: Der Anteil arbeitsloser Migrantenkinder war 2013 mit 15 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei denjenigen, deren Eltern im Inland geboren sind. OECD-weit war diese Diskrepanz deutlich niedriger.
  • Schlechtere Chancen trotz guter Ausbildung: Selbst wenn Jugendliche mit Migrationshintergrund einen höheren Bildungsabschluss erreichen, finden sie nur schwierig einen Job. Die Beschäftigungsquote von Migrantenkindern mit Hochschulabschluss liegt sieben Prozentpunkte unter der von denjenigen ohne Migrationshintergrund. Bei den Niedrigqualifizierten gibt es hingegen keine Differenz. Zu demselben Ergebnis war im vergangenen Jahr bereits der zehnte Regierungsbericht über die "Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland" gekommen.
  • Daraus folgt laut OECD-Studie: 28 Prozent aller hoch qualifizierten erwerbstätigen Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind überqualifiziert für ihre Jobs.
  • Vor allem im öffentlichen Sektor sind Jugendliche mit Migrationshintergrund stark unterrepräsentiert: EU-weit arbeitet dort jeder Fünfte, in Deutschland sind es gerade einmal sieben Prozent. Das ist laut der Studie besonders kritisch, da dieser Bereich in anderen Ländern als starker Motor für Integration funktioniert.
  • Wohlstand oder Armut? In Europa besitzen Migranten viel seltener ihre Wohnungen oder Häuser als Nicht-Migranten. In Deutschland ist diese Differenz im OECD-Vergleich am geringsten.

Zu einer etwas optimistischeren Einschätzung war Anfang Juni der Brüsseler Thinktank "Migration Policy Group" gelangt. Demnach verzeichnet Deutschland immerhin einige Erfolge in der Integrationspolitik. So war die Bundesrepublik in die Top Ten der besten Integrationsländer aufgestiegen und erreichte von 100 möglichen Punkten 61.

  • Spanien-Marokko, Griechenland-Türkei, Ungarn-Serbien: Orte entlang dieser drei Grenzen zeigen, mit welch rabiaten Methoden sich Europa gegen Arme und Schutzsuchende abschottet. SPIEGEL-Reporter Maximilian Popp und Fotograf Carlos Spottorno reisten zu Schutzzäunen und in Auffanglager, sie begleiteten Patrouillen auf See und trafen Flüchtlinge, die alles riskieren für eine Zukunft in Europa.
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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
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1. Problemstellung
darthmax 02.07.2015
sprechen wir jetzt von Immigranten, von Flüchtlingen, von geduldeten Asylbewerbern, die nicht abgeschoben werden, von anerkannten Asylanten, von Gastarbeitern, die geblieben sind: es ist nicht leicht zu wissen was ein Migrant ist. Die Umstände dürften in allen Vergleichsländern auch unterschiedlich sein, daher taucht ein solcher Vergleich in der Regel nur für die Tonne, siehe auch die Einschätzung des Brüsselers Think tank ( Panzer ?).
2. wiedereinmal
TangoGolf 02.07.2015
sind die Ergebnisse dieser Studie nur bedingt aussagekräftig, solange man nicht nach Herkunftsland aufgeschlüsselt. Zudem muss folgendes bei Deutschland beachtet werden: Deutschland ist zwar das zweitbeliebteste Einwanderungsland (nach der USA). Das Bildungsniveau der Zuwanderer ist in Deutschland jedoch am geringsten (in den USA am höchsten).
3. Vielleicht...
fatherted98 02.07.2015
Zitat von TangoGolfsind die Ergebnisse dieser Studie nur bedingt aussagekräftig, solange man nicht nach Herkunftsland aufgeschlüsselt. Zudem muss folgendes bei Deutschland beachtet werden: Deutschland ist zwar das zweitbeliebteste Einwanderungsland (nach der USA). Das Bildungsniveau der Zuwanderer ist in Deutschland jedoch am geringsten (in den USA am höchsten).
...hat das auch etwas mit der Einstellung der Menschen zu tun. Wer in die USA auswandert, will so schnell wie möglich US-Amerikaner werden...wer nach Deutschland kommt aber bei Leibe nicht Deutscher. Im Gegenteil....die grösste Gruppe der Migranten, die Kinder und Enkelkinder der ehemaligen Gastarbeiter, sehen sich auf keinen Fall als Deutsche, obwohl ihnen die Deutsche Staatsbürgerschaft nachgetragen wird und sie diese auch annehmen. Mit Deutschland identifiziert sich fast keiner. Das ist in den USA grundsätzlich anders. Hinzu kommt, dass die US-Einwanderer zum großen Teil aus Asien kommen...die Kinder dieser Bürger sind ungleich erfolgreicher als im Vergleich zum Beispiel die Kinder deutscher Migranten aus der Türkei oder dem nahen Osten oder Nord-Afrika. Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen...
4. In Europa..
realist4791 02.07.2015
besitzen Migranten viel seltener ihre Wohnungen oder Häuser als Nicht-Migranten. Liegt wahrscheinlich daran das, Wohneigentum entweder geerbt oder die finanziellen Mittel dafür über einige Generationen angespart wurde. Wenn man schlicht mit nichts ankommt dauert es nunmal 2-3 Generationen wenn es gut läuft.
5. logisch
spiegelleser861 02.07.2015
Wie #1 und #2 richtig sagen, müssten die Ergebnisse aufgeschlüsselt werden, um aussagekräftig zu sein. Wenn ein Migrant ohne jede Deutschkenntnisse hierher kommt, ist es doch klar, dass sowohl seine Kinder in der Schule schlechter abschneiden (solange sie nicht richtig deutsch können) als auch er selbst ohne Deutschkenntnisse und ohne spezifische Berufsausbildung einen schlechteren Job bekommt... Alles andere wäre auch schwer verständlich...
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