Oettinger-Debatte Kauder lobte Filbinger als Nazi-Gegner

Nicht nur Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger hat seinen Vorgänger Filbinger einen Nazi-Gegner genannt - vor Jahren tat dies auch Volker Kauder, Unions-Fraktionschef im Bundestag. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine" und weist auch einem CSU-Politiker ähnliche Zitate nach.


Berlin - Im Streit um Baden-Württembergs verstorbenen Ministerpräsidenten Hans Filbinger hatte Günther Oettinger (beide CDU) Empörung ausgelöst, weil er ihm bei der Trauerfeier attestierte: "Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes." Tatsächlich war Filbinger als Marinerichter in der Nazi-Zeit an mehreren Todesurteilen beteiligt. Jetzt recherchierte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", dass auch andere Spitzenpolitiker der Union Filbinger schon als Nazi-Gegner tituliert hatten.

Kauder (als baden-württembergischer CDU-Generalsekretär 2005): Ähnliche Sätze wie Oettinger
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Kauder (als baden-württembergischer CDU-Generalsekretär 2005): Ähnliche Sätze wie Oettinger

Unions-Fraktionschef Volker Kauder sagte dem Bericht zufolge am 23. Juni 1993, Filbinger sei ein "ausgewiesener Gegner des nationalsozialistischen Regimes" gewesen. Er sei "schon als Student auf die schwarze Liste der 'politisch Unzuverlässigen' gesetzt" worden. Die Attentäter vom 20. Juli hätten ihn für eine Mitarbeit nach einem geglückten Putsch vorgesehen wegen "seiner persönlichen Integrität und antinationalsozialistischen Haltung". Diese Aussagen folgen voll Filbingers eigener Rechtfertigungsstrategie. 1993 war Kauder CDU-Generalsekretär in Baden-Württemberg. In der aktuellen Krise um Oettinger hatte sich Kauder betont zurückgehalten, obwohl er aus dem gleichen CDU-Landesverband kommt.

Dem Bericht zufolge hatte außerdem Bayerns langjähriger Kultusminister Hans Maier (CSU) schon im Juni 1983 Filbinger attestiert, "von Anfang an Nazi-Gegner" gewesen zu sein.

Oettinger hatte sich von seinem Satz nach tagelanger Kritik unter anderem von Kanzlerin Merkel distanziert. Er selbst bedauert inzwischen sein Vorgehen in der Affäre - aber auch die Kritik von Angela Merkel an ihm: Auf das Telefonat mit der CDU-Chefin angesprochen, das deren Protest vorausging, sagte Oettinger der Zeitung, er halte sich vor, "die Kanzlerin nicht ausdrücklich gebeten zu haben, mir Bedenkzeit von einigen Stunden zu geben".

plö



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