Offener Brief Schröder verspricht Konsequenzen nach Erfurter Massaker

Als Reaktion auf das Blutbad von Erfurt hat Gerhard Schröder ein entschlossenes Handeln des Staates angekündigt. Gewaltdarstellungen in elektronischen Medien müssten reduziert werden, heißt es in einem offenen Brief des Kanzlers an die Bevölkerung.


Berlin - Das entsetzliche Verbrechen von Erfurt bedürfe einer gründlichen Analyse, betonte Schröder. Gewaltdarstellungen in elektronischen Medien müssten eingedämmt werden. "Wir werden deshalb die Bestimmungen des Jugendschutzes überprüfen." Sowohl die privaten als auch die öffentlich-rechtlichen TV-Sender wollten in Zusammenarbeit mit der Politik "wirklich hart arbeiten", um eine Wiederholung des Amoklaufs zu verhindern, "so weit das menschenmöglich ist", schrieb Schröder, der das Thema am Donnerstagabend mit Medienvertretern beraten hatte. "Das sind wir den Opfern von Erfurt schuldig."

Nach dem Amoklauf, der Deutschland in Schock versetzt habe, "fragen wir uns: Wie konnte so etwas geschehen? Und was müssen wir tun, damit so etwas nie wieder passiert?" An der Suche nach Antworten müsse die gesamte Gesellschaft beteiligt werden: "Eltern in der Erziehung ihrer Kinder, Pädagogen im Unterrichten ihrer Schülerinnen und Schüler und diese selbst in ihrem Umgang miteinander."

Er glaube, dass der Amoklauf "den Umgang unserer gesamten Gesellschaft mit gewaltdarstellenden Medien aller Art grundlegend ändern könnte". Zwar werde wohl niemals ein unmittelbarer wissenschaftlicher Beweis für einen direkten Zusammenhang von Taten wie dieser und der Darstellung von Gewalt vorliegen. "Aber ist das überhaupt notwendig?" Es dürfe nicht sein, dass junge Menschen heutzutage in den elektronischen Medien derart viel Gewalt unter dem Begriff "Unterhaltung" angeboten bekämen. Er denke, dies habe sehr wohl Einfluss auf die Seele eines Jugendlichen.

Bei seinem Treffen mit den Intendanten der Fernsehanstalten und privaten Sendern habe er die Einrichtung eines Runden Tischs angeregt. Dabei gehe es niemandem um vordergründige Schuldzuweisungen, sondern allein um die Frage, was könnten die Verantwortlichen in allen Teilen der Gesellschaft tun, um eine Wiederholung auszuschließen.



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