Regierungspläne: Verbraucher sollen mit Milliarden für Offshore-Windparks haften

Von Jörg Schindler

Mehrere Windparks stehen bereits vor deutschen Küsten, viele sollen folgen - doch am Stromnetz hängen die Offshore-Giganten immer noch nicht. Deshalb werden nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Milliardenentschädigungen fällig. Zahlen müssen laut Regierungsplänen die privaten Stromkunden.

Windpark vor Borkum: Höhere Kosten für Bürger durch Umlage der HaftungZur Großansicht
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Windpark vor Borkum: Höhere Kosten für Bürger durch Umlage der Haftung

Berlin - Für die Erzeugung von Windenergie auf hoher See werden die deutschen Verbraucher deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen als bislang geplant. Nach wochenlangem Geschacher haben sich Union und FDP auf ein Gesetz geeinigt, mit dem der stockende Ausbau von Offshore-Projekten wieder angekurbelt werden soll.

Der Gesetzentwurf, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, entlastet die Industrie und belastet stattdessen die privaten Stromkunden mit weit über zwei Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren. Der Bundestag soll am kommenden Freitag über das Gesetz abstimmen.

Nach Plänen der Bundesregierung sollen Windparks in Nord- und Ostsee perspektivisch so viel Strom erzeugen wie etwa sechs Atomkraftwerke. In den vergangenen Monaten ist der Ausbau der Offshore-Projekte jedoch beinahe zum Erliegen gekommen. Der Netzbetreiber Tennet hat für inzwischen sieben Nordsee-Windparks eine um bis zu zwei Jahre verzögerte Netzanbindung einräumen müssen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) einigten sich deshalb im Sommer auf eine gesetzliche Entschädigungsregel. Windparkbetreiber sollen demnach Schadensersatz erhalten, sobald ihre Anlage betriebsbereit, aber nicht ans Netz angeschlossen ist. Zahlen soll bis zu einer bestimmten Summe der Netzbetreiber Tennet. Alle darüber hinausgehenden Kosten werden über eine Umlage auf die privaten Stromkunden abgewälzt.

Über die Höhe des Selbstbehalts von Tennet hatte es massiven Streit in der Bundesregierung gegeben. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) setzte zunächst durch, das Tennet für jedem Schadensfall mit 100 Millionen Euro geradezustehen habe. Der Netzbetreiber kritisierte daraufhin, unter diesen Umständen sei ein vernünftiger Ausbau nicht zu stemmen. Tennet-Chef Lex Hartman prophezeite gar den "Tod" der Offshore-Windenergie.

Regierung reduziert Haftung für Industrie drastisch

Die Drohungen haben ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Im mehrmals veränderten Gesetzentwurf von Union und FDP, der am Mittwoch in den Bundestagsausschüssen behandelt wird, heißt es nun, Tennet habe in Fällen einfacher Fahrlässigkeit nur noch mit maximal 17,5 Millionen Euro zu haften. Bei grober Fahrlässigkeit sollen es bis zu 100 Millionen Euro sein. Insgesamt wird die jährliche Haftungssumme für Tennet jedoch nie höher als 110 Millionen Euro sein.

Den großen Rest werden die Verbraucher stemmen müssen. Nach internen Berechnungen sind das zum jetzigen Zeitpunkt für die kommenden zwei Jahre deutlich mehr als eineinhalb Milliarden Euro. Schon jetzt allerdings zeichnen sich für weitere der bislang 25 genehmigten Offshore-Windparks in der Nordsee Verzögerungen des Netzanschlusses ab. Im Wirtschaftsministerium kalkuliert man daher bereits, dass die Verbraucher bis 2015 weit mehr als zwei Milliarden Euro zahlen könnten.

"Alle Industriebetriebe sind wieder einmal fast vollständig befreit", sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer. "Stattdessen müsste der Bund hier finanzielle Verantwortung übernehmen, denn er verantwortet auch das Desaster."

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insgesamt 490 Beiträge
günter1934 28.11.2012
Zitat aus dem Artikel: Nach Plänen der Bundesregierung sollen Windparks in Nord- und Ostsee perspektivisch so viel Strom erzeugen wie etwa sechs Atomkraftwerke. Das ist natürlich, wie immer, falsch. Richtig heisst der [...]
Zitat von sysopMehrere Windparks stehen bereits vor deutschen Küsten, viele sollen folgen - doch am Stromnetz hängen die Offshore-Giganten immer noch nicht. Deshalb werden nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Milliarden-Entschädigungen fällig. Haften müssen laut Regierungsplänen die Steuerzahler. Offshore-Windenergie: Regierung plant Milliarden-Belastung für Bürger - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/offshore-windenergie-regierung-plant-milliarden-belastung-fuer-buerger-a-869669.html)
Zitat aus dem Artikel: Nach Plänen der Bundesregierung sollen Windparks in Nord- und Ostsee perspektivisch so viel Strom erzeugen wie etwa sechs Atomkraftwerke. Das ist natürlich, wie immer, falsch. Richtig heisst der Satz: Nach Plänen der Bundesregierung sollen Windparks in Nord- und Ostsee *ab und zu* so viel Strom erzeugen wie etwa sechs Atomkraftwerke. Und für so einen Unsinn soll der Verbraucher bluten.
mdietric 28.11.2012
Lieber Bundestag, bitte einfach durchwinken. Gleich im Paket mit den Abermillarden fuer sie siechen Griechen. Und am besten den absurden EU Haushalt auch noch. Dazu noch 17 Millarden fuer die russischen Oligarchen, die ihr Geld [...]
Lieber Bundestag, bitte einfach durchwinken. Gleich im Paket mit den Abermillarden fuer sie siechen Griechen. Und am besten den absurden EU Haushalt auch noch. Dazu noch 17 Millarden fuer die russischen Oligarchen, die ihr Geld bei den griechischen Zyprioten versenkt haben. Halleluja, Freitag wird ein guter Tag!
thiede11 28.11.2012
PV, selbst kleinste Anlagen, erzeugen schon heute günstiger Strom als die Offshore-Windkraft! Dieses Projekt der schwarzgelben Regierung dient alleine dazu den Atomausstieg für die Atomkonzerne zu kompensieren. Deshalb sorgt man [...]
PV, selbst kleinste Anlagen, erzeugen schon heute günstiger Strom als die Offshore-Windkraft! Dieses Projekt der schwarzgelben Regierung dient alleine dazu den Atomausstieg für die Atomkonzerne zu kompensieren. Deshalb sorgt man für künftige Gewinne für die Atomkonzerne. Windkraft an Land ist deutlich günstiger, an der Küste kann für ein Drittel der Kosten, in Süddtl für die Hälfte der Kosten Windstrom erzeugt werden. Auch aktuelle WKA im Binnenland können ohne Höhenbeschränkung auf 4000 Volllaststunden im Jahr kommen u. unterscheiden sich da nicht mehr viel von WKA im Meer. PVA direkt beim Verbraucher ersparen zudem einen teuren Stromnetzausbau.
peter_der_meter 28.11.2012
Ein weiterer Schachzug der Energiegiganten der gegen die Energiewende und das Allgemeinwohl gerichtet ist. Wenn man bedenkt dass sich der Strompreis den der Kunde zahlt zu einem drittel aus den Ereugungskosten, und zu einem [...]
Ein weiterer Schachzug der Energiegiganten der gegen die Energiewende und das Allgemeinwohl gerichtet ist. Wenn man bedenkt dass sich der Strompreis den der Kunde zahlt zu einem drittel aus den Ereugungskosten, und zu einem drittel aus den angeblich anfallenden Kosten fürs Stromnetz zusammensetzen, dann nenne ich das Wucher. Der Betrieb aller Kraftwerke, Windparks und Whatever soll genausoviel Kosten wie die Netze? Die Netze gehören verstaatlicht, alles andere ist Wahnsinn!
peter_der_meter 28.11.2012
Ein weiterer Schachzug der Energiegiganten der gegen die Energiewende und das Allgemeinwohl gerichtet ist. Wenn man bedenkt dass sich der Strompreis den der Kunde zahlt zu einem drittel aus den Ereugungskosten, und zu einem [...]
Ein weiterer Schachzug der Energiegiganten der gegen die Energiewende und das Allgemeinwohl gerichtet ist. Wenn man bedenkt dass sich der Strompreis den der Kunde zahlt zu einem drittel aus den Ereugungskosten, und zu einem drittel aus den angeblich anfallenden Kosten fürs Stromnetz zusammensetzen, dann nenne ich das Wucher. Der Betrieb aller Kraftwerke, Windparks und Whatever soll genausoviel Kosten wie die Netze? Die Netze gehören verstaatlicht, alles andere ist Wahnsinn!
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  • Mittwoch, 28.11.2012 – 09:13 Uhr
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