Panne mit Regierungs-Airbus Ich bin dann mal weg

Bundesfinanzminister Olaf Scholz ließ nach einer Flugzeugpanne seine Mitarbeiter auf Bali im Stich. Nur seine engsten und ranghöchsten Mitarbeiter durften ihn nach Hause begleiten.

Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" auf dem Flughafen von Nusa Dua, Bali
DPA

Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" auf dem Flughafen von Nusa Dua, Bali

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der sich gern als Kümmerer in allen Lebenslagen geriert, hat sich am Samstag weniger vorbildlich verhalten. Als feststand, dass seine Regierungsmaschine wegen, wie es hieß, "Nagerbefall", nicht abheben konnte, ließ er als erstes für sich und seine mitgereisten Staatssekretäre Jörg Kukies und Wolfgang Schmidt Heimflüge auf Linienmaschinen buchen. Danach brachten sich die mitgereisten Mitglieder seines Leitungsstabs in Sicherheit und alle Fachbeamten oberhalb der Referatsleiter.

Olaf Scholz auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank
MADE NAGI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Olaf Scholz auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank


In der Aufbruchshektik vergaß Scholz auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann über seine vorzeitige Abreise zu unterrichten. Der Notenbankchef wartete vergeblich auf den Finanzminister für die gemeinsame Abschlusspressekonferenz bei der Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Die bestritt Weidmann dann allein und wünschte dem zurückgebliebenen Journalistentross viel Erfolg beim Buchen der Heimflüge.

Die Pressebetreuung überließen Scholz und sein ebenfalls abgereister Sprecher Steffen Hebestreit der rangniedrigsten Mitarbeiterin der gesamten Delegation, die sie mit dem Auftrag zurückgelassen hatten, die Journalisten von der Berichterstattung über den Vorfall abzuhalten. Ihr gelang es, das gute Dutzend Journalisten auf den Heimweg zu bringen. Hebestreit rechtfertigte das Vorgehen auf Anfrage damit, dass die Reisestelle des Bundesfinanzministeriums "sehr eigenmächtig entschieden" habe.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann allein bei der Abschluss-PK
DPA

Bundesbankpräsident Jens Weidmann allein bei der Abschluss-PK

Dass es auch anders geht, bewies Bundeskanzlerin Angela Merkel vor acht Jahren. Damals strandete ein Regierungsflugzeug wegen eines Vulkanausbruchs erst in Lissabon, dann in Rom, anstatt in Berlin. Merkel verzichtete auf eine sofortigen Abflug mit Hubschrauber und blieb bei der Reisegruppe. Ihre Limousine begleitete den Bus, in dem der restliche Tross saß, über Land. "Wir bleiben zusammen, keiner wird zurückgelassen", sagte sie - und verpasste so einen Wahlkampfauftritt in Nordrhein-Westfalen.

Scholz ist nicht der erste SPD-Politiker, der auf Dienstreisen im Ausland mit dem Regierungs-Airbus "Konrad Adenauer" liegenblieb. Besonders hart traf es 2016 Frank-Walter Steinmeier, damals noch Außenminister. Dieser war auf dem Weg zum G7-Treffen im japanischen Hiroshima in der chinesischen Millionenmetropole Changsha gestrandet.

Nach Angaben des Piloten funktionierte damals ein kleiner Motor nicht mehr, der für die Spritversorgung erforderlich ist. Ein Ersatzteil gab es auf dem Flughafen nicht. Deshalb musste es von einem anderen chinesischen Flughafen besorgt werden.



insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
quark2@mailinator.com 14.10.2018
1.
Na die "rangniedrigste Mitarbeiterin" wird sich für den Beitrag herzlich bedanken, da ja nun jeder Leser annehmen muß, daß sie sich bei den Journalisten über ihr ungerechtes Los beklagt hat, was ihrem Auftrag, die Sache unter den Teppich zu kehren diametral widersprechen würde. So ein Mißtrauen kann leicht mal die Karriere demolieren. Eine echte Glanzleistung, lieber SPON, wirklich sehr emphatisch. Ansonsten: Wie vorgegangen wird, hängt zwar auch vom Menschen ab, vor allem aber davon, was der entsprechende Politiker will. Wenn Frau Merkel beispielsweise kein Interesse daran hatte, zu dem Wahlkampfauftritt zu gehen, Herr Scholz es aber für wichtig fand, schnell weiterzukommen ... Man sollte Menschen nicht verurteilen, ohne alle relevanten Informationen zu haben. Und wer für eine Ministerdelegation arbeitet sollte generell in der Lage sein, einen Flug nachhause zu buchen. Wird schließlich auch bezahlt. Wir sind doch nicht im Kindergarten.
jkbremen 14.10.2018
2. Ist doch blamabel
dass die überalterten Regierungsmaschinen immer wieder ausfallen. Eine führende Industrienation Deutschland kann sich offenbar für Ihre Regierungsmitglieder keine modernen Flieger leidten. Das ist einem guten Ruf als führende Industrienation abträglich.
jujo 14.10.2018
3. ...
Erstmal ich, dann ne Weile nichts und dann der Rest. Das ist oft ein Persönlichkeitsmerkmal von Leitenden. Das würde ich jetzt nicht auf eine Mitgliedschaft in einer poltischen Partei fokussieren. Da würden mir jede Menge Leute einfallen, auch im persönlichen Umfeld. Vielleicht gab es aber auch gewichtige Gründe die dem Autor des Artikels nicht bekannt waren. Auf Bali ist es jetzt sehr heiß :-)
FrankZimmermann 14.10.2018
4. Sinn?
"ließ er als erstes für sich und seine mitgereisten Staatssekretäre Jörg Kukies und Wolfgang Schmidt Heimflüge auf Linienmaschinen buchen. Danach brachte sich die mitgereisten Mitglieder seines Leitungsstabs in Sicherheit und alle Fachbeamten oberhalb der Referatsleiter." Was soll einem dieser Satz sagen? Und wovor brachten sie sich in Sicherheit? Vor den Nagetieren? Fragen über Fragen.
agreatwaytofly 14.10.2018
5. Luxus-Probleme
Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Dann müssen die Zurückgebliebenen hat selbst in ihrer Reisestelle anrufen und sich umbuchen lassen - das sollte leistbar sein. Ich gehe nicht davon aus, dass sie (wie für Normalsterbliche üblich) die Reisekosten vorstrecken und dann monatelang auf Erstattung warten müssen.
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