CDU-Widerstand gegen Homo-Ehe "So schreckt man Wähler in den Großstädten ab"

Hamburgs früherer Bürgermeister Ole von Beust spricht sich für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften aus - und wünscht, dass auch seine Partei das tut. Schließlich seien langfristige Partnerschaften im Grunde konservativ.

Ole von Beust (Archivbild von 2010): "Es gibt nichts Konservativeres als die Ehe"
dpa

Ole von Beust (Archivbild von 2010): "Es gibt nichts Konservativeres als die Ehe"


Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat den Widerstand seiner Partei gegen die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften kritisiert. "Es gibt nichts Konservativeres als die Ehe", sagte er der "Berliner Zeitung" (Samstag). "Mir hat noch keiner rational begründen können, warum es gegen konservative Prinzipien sein soll, wenn gleichgeschlechtliche Menschen feste Bindungen eingehen und genauso privilegiert werden wie Verheiratete." Im "Hamburger Abendblatt" (Samstag) meinte Beust: "Wer sich langfristig zu einem Partner bekennt, der handelt doch im Grunde konservativ."

Die CDU-Spitze vermute eine starke konservative Gruppierung, die sie mit einer offensiven Gleichstellungspolitik vergraulen würde, sagte Beust der "Berliner Zeitung" weiter. Sie übersehe dabei, dass das selbst für die bürgerliche Klientel gar kein Thema sei. Die Ablehnung der Homo-Ehe könne die CDU Stimmen kosten. "Wähler in den Großstädten schreckt man mit so einer Politik ab. Für sie ist die Haltung zu dem Thema ein Indiz für die Offenheit einer Partei. Das macht es für viele sehr schwer, die CDU zu wählen."

Beust hält es für einen Fehler, dass die Union erst auf ein Verfassungsgerichtsurteil zur steuerlichen Gleichstellung warten will, das im Frühjahr oder Sommer erwartet wird. "Die Fragen über Großstadtkompetenz und was eine moderne Partei auszeichnen muss, haben wir dann mitten im Wahlkampf. Und das ist schädlicher, als wenn man sich jetzt einen Ruck gegeben hätte", sagte er der "Berliner Zeitung". "Ein klarer Beschluss der Exekutive ist besser, als sich alles vom Gericht vorschreiben zu lassen", ergänzte er im "Hamburger Abendblatt".

Auf eine rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen dringen SPD, Grüne und die Linke, aber auch die FDP. Der Bundesrat beschloss vor gut einer Woche einen entsprechenden Gesetzentwurf. In den Unionsparteien ist die Frage umstritten, mehrheitlich wird eine volle Gleichstellung aber abgelehnt. Allerdings stärkte das Bundesverfassungsgericht in den vergangenen Monaten wiederholt die Rechtsstellung eingetragener Lebenspartnerschaften.

Beust hatte sich erst nach seinem Rücktritt als Bürgermeister mit einem jungen Lebensgefährten an seiner Seite in der Öffentlichkeit gezeigt - und sein spätes Coming-out bereut.

wbr/dpa/AFP

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