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Opel-Krise: Merkels gelbe Geisterfahrt

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Die Kanzlerin will Opel helfen - doch gegen das Votum von Wirtschaftsminister Brüderle kann Angela Merkel keine Staatsgelder bereitstellen. Der CDU-Chefin droht nun eine peinliche Schlappe, und die Liberalen feiern nach zahlreichen Demütigungen wieder einen politischen Erfolg.

Merkel bei Opel (2009): Bei den Beschäftigten Hoffnungen geweckt Zur Großansicht
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Merkel bei Opel (2009): Bei den Beschäftigten Hoffnungen geweckt

Berlin - Der Termin steht: Am 28. Juni wird Kanzlerin Angela Merkel in Rüsselsheim Opel-Chef Nick Reilly treffen, trotz der jüngsten Turbulenzen. Der Ort könnte symbolischer nicht sein - das Oldtimer-Museum des Konzerns. Denn darum geht es in diesen Tagen auch: Wird Opel in Deutschland überleben? Oder wird man die letzten Modelle aus Rüsselsheim irgendwann nur noch in Ausstellungsräumen bestaunen?

Opel schien der geeignete Ort, um gute Nachrichten zu verkünden. Merkels Stippvisite Ende Juni dient einem Parteitreffen - die Vorsitzenden aller Unionsfraktionen kommen an diesem Tag in Rüsselsheim zusammen. Doch dass die Kanzlerin dann in Sachen Opel eine Erfolgsmeldung präsentiert, wird immer unwahrscheinlicher.

Denn in diesen Tagen, mitten in den schwarz-gelben Dauerturbulenzen, ist nichts mehr sicher. Die Entscheidung des liberalen Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle vom Mittwoch, dem Konzern keine Milliardenbürgschaft aus dem Deutschlandfonds zu geben, setzt Merkel unter Druck. Schon vor Monaten hat sie Opel zu ihrer Angelegenheit gemacht. Für ihren Einsatz ließ sie sich im vergangenen Jahr von den Opel-Arbeitern feiern. Geht der Autobauer nun pleite, wäre das für sie eine peinliche Niederlage.

Zwar verkündete Merkel am Mittwoch, in Sachen Opel sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Doch den ganz großen Konflikt mit Brüderle will sie offenbar nicht riskieren - zumindest vorerst schwenkt sie auf seine Linie ein. Am Donnerstag hat sich Merkel mit den Ministerpräsidenten der vier Länder mit Opel-Standorten getroffen. Nun sollen die Landeschefs helfen.

Brüderles Linie war hinlänglich bekannt

Alternativen werden gesucht - etwa ein Kredit der Europäischen Investitionsbank. Das Problem: Auch dafür müsste der Staat bürgen, am Ende wäre Brüderle wieder mit dabei - seine Zustimmung gilt als unwahrscheinlich. "An Brüderle kommt die Kanzlerin nicht vorbei", heißt es in Unionskreisen. Rheinland-Pfalzs Regierungschef Kurt Beck (SPD) sagt nach dem Treffen, Merkel habe keinen neuen Weg zur Unterstützung von Opel aufgezeigt: "Wir sind alle bitter enttäuscht."

Die Kanzlerin hat nicht viel anzubieten. Opel werde keine Bundeshilfen aus dem Deutschlandfonds erhalten, das Unternehmen könne jedoch wie alle anderen Autokonzerne auf Forschungsmittel des Bundes zurückgreifen, sagt sie nach dem Treffen mit den Ministerpräsidenten. Dies gelte etwa für die Entwicklung neuer Antriebstechnologien. "Weitergehende Zusagen konnte der Bund heute nicht machen", sagt Merkel.

Ihr Pech: Die FDP verfolgt in Sachen Opel von Anbeginn eine andere Linie, schon zu Oppositionszeiten. Brüderles Haltung war bekannt - hinlänglich. Bereits vor einer Woche, bei einem Treffen im Kanzleramt, hatte er seine Skepsis deutlich gemacht. Die Entscheidung des Lenkungsausschusses wurde vertagt, die Sparklausur sollte nicht überschattet werden. Nun zog Brüderle die praktische Konsequenz und präsentierte sich als Ordnungspolitiker. "Nach den Konjunkturprogrammen, von denen Opel doppelt profitiert hat, muss das Pendel wieder Richtung Markt schwingen", sagt er.

FDP-Politiker droht mit Nicht-Wahl von Wulff

Dafür wird Brüderle, der selbst in der FDP in letzter Zeit kaum Ansehen genossen hat, nun bei den Liberalen umso mehr gefeiert. "Die Entscheidung des Ministers ist eindeutig. Er ist auch zuständig, sie zählt. Und ich unterstütze sie auch mit großem Nachdruck", sagt Vizekanzler und FDP-Chef Guido Westerwelle.

Noch weiter geht Hans-Ulrich Rülke, der Fraktionschef der baden-württembergischen Liberalen. Er warnte die Union davor, die FDP im Streit um Opel weiter zu beschädigen. Der "Stuttgarter Zeitung" sagte Rülke, in einigen Landesverbänden habe sich viel Unmut aufgestaut. Dieser könnte sich bei der Bundespräsidentenwahl ein Ventil suchen. Mit anderen Worten: Sollte Merkel doch noch Hilfen für Opel locker machen, könnten manche Liberale gegen den Präsidentschaftskandidaten Christian Wulff (CDU) stimmen.

Es sei unerfreulich, dass die Union immer wieder Dinge, die gemeinsam vereinbart worden seien, infrage stelle, sagte Rülke. Unter Umständen sei es dann eine Kleinigkeit, die das Fass zum Überlaufen bringe. Es wäre gut möglich, dass Opel diese Kleinigkeit sei, warnte er.

Die Schuld an der Misere wird der Kanzlerin zugeschoben. "Angela Merkels Bekenntnis zum Sparpaket einerseits und ihre Zusage an General Motors andererseits - das passt schlecht", sagt FDP-Generalsekretär Christian Lindner zu SPIEGEL ONLINE. "Sie muss sehen, wie sie das nun zusammenbringt", sagt er. "Ein US-Konzern mit Milliardenreserven braucht keine Stütze vom deutschen Steuerzahler. Natürlich weiß das auch die Bundeskanzlerin", so der Liberale.

Verheerendes Signal an die Öffentlichkeit

In der Öffentlichkeit wirkt der Streit verheerend. Merkels Auftritt am Mittwochabend, die Tonlage, mit der sie da Brüderles Diktum salopp wegwischte - das letzte Wort sei "natürlich" noch nicht gesprochen, all das wird in der FDP wütend beobachtet. "So, wie sie es gemacht hat, war es eindeutig ein Affront", heißt es in Berlin. Sie hätte auch andere Worte finden können - kurzum diplomatischere.

Bei den Liberalen zeigt man sich überrascht, dass Merkel die Opel-Sache überhaupt so vehement an sich gezogen hat, obwohl sie doch auch wissen müsste, dass es rechtlich kaum Auswege gebe. "Möglicherweise handelt sie in der Hoffnung, dass sie zwar in eine Sackgasse geht, aber vielleicht ist da am Ende doch noch ein Ausweg", sagt ein Liberaler.

Schon in ruhigeren Zeiten wäre der Dissens ungewöhnlich gewesen, in diesen Tagen aber wird er zum Symptom der schwarz-gelben Beziehungskrise schlechthin. Der öffentliche Eindruck des Missklangs ist verheerend, das wissen die Beteiligten. Und doch können sie nicht anders. Denn es geht um viel mehr als um eine Sachentscheidung. Es geht um die Selbstachtung der Liberalen. Die haben seit Wochen miterleben müssen, wie ein Thema nach dem anderen abgeräumt wurde. Erst die Steuersenkung, dann die Gesundheitsprämie. Es steht 2:0 für die Union - Opel ist so etwas wie ein Konter der Liberalen. Sie haben den Anschlusstreffer erzielt. Mit Ankündigung, Brüderle hatte das Kanzleramt über seine Haltung informiert.

Bei der FDP hat man das Kapitel Opel abgeschlossen

Am Donnerstagmorgen können die FDPler im Thomas-Dehler-Haus in Berlin nachlesen, dass die Entscheidung des Ministers in den Medien Applaus findet. Sie sei nicht gut oder schlecht, sondern "einfach richtig", so die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Und selbst die "Süddeutsche Zeitung" attestiert Brüderle: "Er war stets gegen staatliche Bürgschaften für den Autobauer - zu Recht: Opel hatte lange vor der Krise Probleme."

Bei den Liberalen scheint man das Kapitel Opel nun abgeschlossen zu haben. Zwar steht das Bundeswirtschaftsministerium für die Länder weiter als Ansprechpartner zur Verfügung, auch soll Brüderle das Gespräch mit Opel nochmals suchen. Große Hoffnungen mache man sich aber nicht, heißt es aus einem der Länder. Und FDP-Chef und Vizekanzler Guido Westerwelle sagt: "Wenn die Bundesländer anders entscheiden, ist es nicht eine Angelegenheit der Bundesregierung."

Mit Material von dpa

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Forum - Autokonzern in der Krise - Was wird aus Opel?
insgesamt 552 Beiträge
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1. Merkel lässt Opelaner auf Staatshilfen hoffen
Hilfskraft 09.06.2010
Mein Gott! Kann diese Frau nicht einmal eine klare Linie vertreten? Immer läßt sie alle und jeden auf Gelder der Steuerzahler hoffen! Das ist doch nur noch krank! Brüderle hat es erklärt. Man konnte dem folgen. Es war für jeden Mittelgebildeten verständlich. Nur Madam ist mal wieder total überfordert. Ich hoffe bei ihr auf ein Entmündigungsverfahren. H.
2. Was für ein Drama....
Lupi, 09.06.2010
Mein Gott, dieser Laden, der sich Regierung nennt, kann sich beim täglichen Treffen bestimmt nicht mal auf ein "Guten Morgen" oder "Guten Tag" einigen...... man muss sich wirklich schämen, so was gewählt zu haben....
3.
Arthi, 09.06.2010
Zitat von sysopDer Wirtschaftsminister lehnt Staatshilfen ab - doch die Kanzlerin lässt Opel weiter hoffen. Was wird aus dem traditionsreichen Autohersteller? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern.
Bei den "normalen" Arbeitlosen sparen und "Luxusarbeitslose" bei Oplel sponsorn. Opel wird als Marke schon nicht verschwinden,nur weil ein paar "Luxusarbeitslose" gehen müssen.
4. Die unendliche Geschichte
alpenjonny 09.06.2010
Gruezi!Das Hüst und Hott der Kanzelrin in Sachen Opel ist mühsam, echt, keiner blickt da mehr durch. Brüderle will nicht, Madame Merkel vielleicht doch. Das Zittern der der Opelaner um ihren Arbeitsplatz geht weiter, und im Hintergrund reibt sich GM vergnügt die Hände. Hier eine versteckte Drohung, dort schwarz malen, um möglichst viel Kohle aus Berlin und den Bundesländern rauszupumpen.Schnustracks über den Atlantik mit der Euro-Pipeline überweisen,auf die Konten von GM. Das ganze Affentheater um Opel gleicht immer mehr einer Griechischen Tragödie mit vielen Akten. GM ist sowas von raffiniert, die sollte man glatt boykottieren, schliesslich führte GM die Jauche aus, und nicht Opel. Wie weiter mit Opel? Keinen blassen Schimmer, es geht wohl nicht nur mir so.
5. Verdacht
sangoire 09.06.2010
Langsam beschleicht mich der Verdacht und der Horror,das Frau Merkel nicht mit Geld umgehen kann.Sie vermerkelt es aus unseren Taschen in anderer Länder und reicher Leute Taschen. Leider war es aus der parteipolitschen Konstellation damals (GroKO,Vorwahlkampf) nicht möglich,dass der Staat sich da ganz rausgehalten hat.Das soll nicht bedeuten,dass der Staat keine wirtschaftspolitische Steuerungsfunktion übernehmen solle,sondern nur,dass Eingriffe zum Behufe einzelner Firmen problematisch sind. Für die Opelmitarbeiter ist es bedauerlich,dass die Welt Opel nicht mehr braucht und wir als Bundesbürger,wenn die Umfragen nicht trügen,auch nicht mehr dafür bezahlen wollen.
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Opel in Europa
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Opel-Standorte
Eisenach
Das jüngste Opel-Werk wurde 1992 im westlichen Thüringen eröffnet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem kleinen Corsa. Insgesamt bietet der Autobauer in Eisenach rund 1800 Menschen Arbeit.
Rüsselsheim
Das Stammwerk südwestlich von Frankfurt am Main ist das Herz der Adam Opel GmbH. Rund 750 Millionen Euro wurden 2002 in seine Modernisierung investiert. Die Beschäftigtenzahl liegt aktuell bei rund 15.500, davon sind etwa 5500 Mitarbeiter im internationalen Entwicklungszentrum angesiedelt, der Denkfabrik des Autobauers.

In Rüsselsheim läuft derzeit der Mittelklassewagen Insignia in den drei Versionen Limousine, Fließheck und Kombi vom Band. Im Durchschnitt werden täglich 720 Einheiten des neuen Zugpferds der Marke mit dem Blitz produziert. In der Anlaufphase befindet sich außerdem die Produktion des Insignia Sports Tour, von dem in Kürze pro Tag mehr als 80 Fahrzeuge in Rüsselsheim gebaut werden sollen.
Bochum
Das 1962 eröffnete Werk, einst Produktionsstätte des Opel Kadett, baut den Astra und den Kompakt-Van Zafira. Außerdem werden in Bochum Achsen und Getriebe hergestellt. Insgesamt arbeiten an diesem Standort etwa 5300 Menschen. Pro Jahr laufen etwa 240.000 Autos vom Band.
Kaiserslautern
In der Westpfalz stellt Opel Fahrzeugkomponenten für Karosserie, Chassis und Innenraum her. Die Powertrain GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Opel und Fiat, produziert dort Motoren. Der Standort spielt eine wichtige Rolle im weltweiten Fertigungsverbund von GM. Insgesamt sind dort 2360 Mitarbeiter im Komponentenwerk beschäftigt. Weitere 1130 Menschen fertigen Motoren an.
Europa
Opel-Autos werden außerdem in folgenden europäischen Werken produziert: Antwerpen/Belgien (Astra), Gleiwitz/Polen (Agila, Astra Classic, Zafira), Ellesmere Port/England (Astra), Luton/England (Vivaro) und Zaragoza/Spanien (Corsa, Meriva, Combo).
Das lange Ringen um Opel
Seit anderthalb Jahren verhandelt General Motors um die Zukunft seiner Europa-Tochter Opel - eine Chrolologie.
Wie alles begann
14. November 2008: Opel muss in Folge der Schieflage des Mutterkonzerns GM um die Unterstützung aus den USA fürchten und bittet als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen, nach Unternehmensangaben geht es um "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
17. Februar 2009: Nach einem Rekordverlust arbeitet General Motors Pläne für einen Jobkahlschlag aus. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern will 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA, viele in Deutschland.
27. Februar: Opel sieht seine einzige Rettung darin, sich weitgehend von GM abzukoppeln. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf jetzt 3,3 Milliarden Euro beziffert.
2. März: Opel-Manager legen der Bundesregierung einen Rettungsplan vor.
31. März: Kanzlerin Merkel stellt Unterstützung in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg.
Dreikampf um Opel
23. April: Fiat will Opel übernehmen - die Arbeitnehmer sprechen sich rasch dagegen aus.
28. April: Auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna meldet Interesse an und legt ein erstes Grobkonzept für Opel vor.
12. Mai: Es wird bekannt, dass auch der in Brüssel ansässige Finanzinvestor RHJ International ein Angebot prüft - damit gibt es nun drei Interessenten für Opel.
30. Mai: Die Grundsatzentscheidung für Magna fällt - in einer Nachtsitzung mit Bund, Ländern, GM und dem US-Finanzministerium. Damit ist der Weg frei für einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro an Opel sowie die zeitweilige Übernahme von Opel durch eine Treuhandgesellschaft (um den deutschen Autobauer vor den Folgen einer GM-Insolvenz zu schützen). Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stellt sich als einziger Politiker mit einer Rücktrittsdrohung dagegen und plädiert notfalls für eine Opel-Insolvenz.
1. Juni: GM geht in die Insolvenz.
GM denkt um
10. Juli: Steuermilliarden retten GM, der Konzern wird aus der Insolvenz entlassen. Nun mehrheitlich in Staatsbesitz, soll er wesentlich verkleinert überleben. Es fließen mehr als 50 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 36 Milliarden Euro) an Hilfsgeldern.
15. Juli: RHJ International stellt ein neues Übernahmeangebot vor. Die Bundesländer mit Opel-Standorten favorisieren Magna, weil der Zulieferer verspricht, weniger Stellen zu streichen.
19. August: Bund und Länder beschließen: Wenn GM sich für Magna entscheidet, wird Deutschland 4,5 Milliarden Euro an Kreditzusagen und Bürgschaften vorstrecken, ohne dass sich andere europäische Länder mit Standorten beteiligen müssen. GM wird unter Druck gesetzt, sich für Magna zu entscheiden.
25. August: Erneutes Opel-Spitzentreffen zwischen Bund, Ländern und GM in Berlin. Der US-Autokonzern prüft, seine Tochter selbst zu behalten.
2. September: RHJ International bessert sein Angebot erneut nach und fordert nun 600 Millionen Euro weniger Staatshilfen. Dennoch spricht sich die Bundesregierung erneut für Magna aus.
10. September: Der GM-Verwaltungsrat empfiehlt einen Verkauf von Opel an Magna.
14. September: Magna bestätigt, dass in Deutschland mehr als 4000 der rund 25.000 Stellen wegfallen werden. Aus Belgien, Großbritannien und Spanien gibt es Widerstand gegen Magna, weil deutsche Standorte bevorzugt würden. Die EU-Kommission kündigt eine "sehr sorgfältige" Prüfung der Milliardenbeihilfen an.
16. Oktober: EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes äußert schwere Bedenken gegen die 4,5 Milliarden Euro Staatsunterstützung. Die Hilfszusagen dürften nicht an einen Bieter gebunden werden - die Bundesregierung soll sich also keinen Kaufinteressenten aussuchen dürfen, der zum Beispiel deutsche Standorte schont.
Opel bleibt doch bei GM
3. November 2009: Der General-Motors-Verwaltungsrat stoppt nach monatelangem Verhandlungspoker überraschend den Verkauf seines deutschen Tochterunternehmens an den Autozulieferer Magna International und plant, selbst zu sanieren. Falls es keine Einigung mit den Beschäftigten gibt, schließt GM eine Opel-Insolvenz nicht aus.
4. November: Die Politik reagiert empört auf die Entscheidung von General Motors, die Tochtergesellschaft Opel zu behalten.
5. November: An allen deutschen Standorten machen die 25.000 Beschäftigten ihrer Wut über den US-Mutterkonzern Luft und legen zeitweise die Arbeit nieder. General Motors plant, nach Möglichkeit keine finanzielle Unterstützung des Staates für das deutsche Tochterunternehmen zu verlangen.
6. November: GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster verlässt den Konzern.
7. November: Nach dem geplatzten Opel-Deal stehen mögliche Staatshilfen für General Motors im Fokus.
9. November: Die EU-Kommission erwägt die Einberufung eines Ministertreffens zur Zukunft von Opel.
10. November: Der GM-Manager Nick Reilly wird übergangsweise Chef von Opel/Vauxhall. Opel-Chef Hans Demant bleibt Vorsitzender der Geschäftsleitung der deutschen GmbH.
11. November: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums braucht GM für die Sanierung des deutschen Autobauers Opel 3,3 Milliarden Euro.
13. November: General Motors will doch Staatshilfen zur Sanierung seiner Tochter Opel.
14. November: Der Opel-Mutterkonzern verlegt seine Europa-Zentrale bis Jahresende nach Rüsselsheim.
16. November: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gerät wegen seiner Ablehnung von Staatshilfen für Opel in die Kritik der Bundesländer.
Standortschließungen und Entlassungen
19. November: Opel dementiert Bericht über einen Verzicht von GM auf Standortschließungen.
23. November: Nach heftigem Streit über die Zukunft von Opel wollen die betroffenen EU-Länder künftig gemeinsam mit dem Mutterkonzern General Motors verhandeln.
24. November: Reilly kündigt den Erhalt der Standorte Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern an.
25. November: Auch Eisenach ist gerettet. Die Opel-Beschäftigten in Deutschland trifft die Hauptlast des Stellenabbaus bei der Sanierung des Autobauers: Etwa 4500 bis 5400 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden.
30. November: Der Autobauer Opel gehört wieder vollständig General Motors.
1. Dezember: General-Motors-Chef Fritz Henderson tritt nach acht Monaten im Amt zurück.
2. Dezember: Der als harter Sanierer bekannte GM-Verwaltungsratsvorsitzende Ed Whitacre übernimmt vorerst das Ruder beim US-Hersteller.
12. Dezember: Die GM-Europa-Zentrale zieht nicht nach Rüsselsheim um, sondern wird aufgelöst.
8. Januar 2010: Opel-Chef Hans Demant muss seinen Posten an der Spitze des Autobauers räumen.
15. Januar: Reilly übernimmt offiziell das Steuer bei Opel.
21. Januar: Das Opel-Werk in Antwerpen mit seinen 2400 Mitarbeitern wird noch 2010 geschlossen.
22. Januar: Der Opel-Betriebsrat ruft die europäischen Mitarbeiter zu Protesten gegen die angekündigte Werksschließung auf.
09. Februar: Opel-Konzernchef Reilly stellt den Sanierungsplan vor. Danach sollen in Europa 8300 Stellen wegfallen. Allein in Deutschland werden demnach 3911 Jobs gestrichen.
Ringen um Staatshilfe
2. März: Nach anhaltender Kritik verdreifacht GM seinen Beitrag zur Opel-Sanierung auf 1,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig verlangt der Autobauer nun weniger Hilfe von den Regierungen.
21. Mai: Das Opel-Management einigt sich mit den Beschäftigten auf einen Beitrag der Mitarbeiter zum Sanierungsplan.
25. Mai: Als erstes Bundesland sagt Thüringen Bürgschaften für Opel zu und appelliert an die Bundesregierung, nicht zurückzustehen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bleibt skeptisch.
9. Juni: Brüderle lehnt den Antrag auf eine Milliardenbürgschaft des Bundes ab.
10. Juni: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berät mit den Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten über andere Lösungen. Die Länder sollen nun Bürgschaftsanträge prüfen.
15. Juni: Die Opel-Länder sagen zwar eine zügige Bearbeitung möglicher Anträge zu, können sich aber nicht auf eine Aufteilung der Kosten einigen.
16. Juni: Opel und GM ziehen einen Schlussstrich. Auf Staatshilfen soll nun verzichtet und der Autobauer aus eigener Kraft saniert werden.

Fotostrecke
Opel im Überblick: Von der Nähmaschine bis zum Insignia
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