Berlin - Ein Jahr nach Einführung des Bildungspakets für Kinder aus ärmeren Familien ziehen Opposition und Sozialverbände eine kritische Bilanz: Das Angebot sei "viel zu kompliziert und bürokratisch", sagte SPD-Vizechefin Manuela Schwesig der "Rhein-Zeitung". "Nun frisst die Bürokratie die gute Idee auf."
Das Bildungs- und Teilhabepaket für rund 2,5 Millionen arme Kinder war vor gut einem Jahr im Zuge der Hartz-IV-Reform vereinbart worden. Es soll Kindern von Langzeitarbeitslosen, Niedrigverdienern und Wohngeldempfängern etwa die Teilnahme an Schulmittagessen, Lernförderung und Klassenfahrten ermöglichen. Nach jüngsten Umfragen haben mittlerweile deutlich mehr als 50 Prozent der Berechtigten Leistungen aus dem Paket beantragt.
Schwesig verlangte, das Antrags- und Bewilligungsverfahren "massiv abzuspecken". Das Geld müsste direkt an Kitas, Ganztagsschulen, Verbände und Vereine gehen, damit sie "unkompliziert Angebote für Kinder machen können".
Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf, das Scheitern des Bildungspakets für Kinder aus Hartz-IV-Familien einzugestehen. "Es macht überhaupt keinen Sinn, Erfolge herbeizureden, wo keine Erfolge sind", sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Schneider bezeichnete es als "desaströs", dass ein Jahr nach Start des Bildungspakets nur ein Fünftel der Gelder für Schulbedarf, Mittagessen oder Gutscheine, für Vereinsmitgliedschaften oder Musikunterricht abgerufen worden seien. "Dieser ganze Gesetzesmurks ist an Ineffizienz und Verwaltungsaufwand nicht zu überbieten."
Von der Leyen will am Freitagmittag ihre Bilanz zum Thema Bildungspaket vorlegen.
heb/AFP/dpa
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