Oskar Lafontaine "Merkel ist dabei, Europa zu zerstören"

Kurz vor der saarländischen Landtagswahl schaltet Oskar Lafontaine auf Attacke: Der Ex-Linken-Chef wettert gegen Europas Krisenmanager und zieht gegen die Banken zu Felde - mit deftigem Vokabular.

Linken-Frontmann Lafontaine: Attacke gegen die Euro-Retter
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Linken-Frontmann Lafontaine: Attacke gegen die Euro-Retter


Berlin/Kiel - Oskar Lafontaine ist jetzt 68 Jahre alt. Doch ans Aufhören denkt der ehemalige Linke-Chef bekanntlich noch lange nicht. Weil im Saarland und in Schleswig-Holstein bald gewählt wird, scheint Lafontaine so langsam seine alte Betriebstemperatur erreicht zu haben.

Er ist mal wieder gegen fast alles.

Seine liebsten Angriffsziele: Die Euro-Rettung, die Banken, die Kanzlerin. Auf einer Tagung der Linken in Kiel machte Lafontaine am Donnerstag klar, wie viel er vom derzeitigen europäischen Krisenmanagement hält - nämlich nichts. "Merkel ist dabei, Europa zu zerstören, und zwar die Demokratie in Europa, aber auch den sozialen Zusammenhalt", warf er der Kanzlerin vor. Mit den Euro-Rettungsmaßnahmen habe sie etliche Milliarden Euro deutschen Geldes verspielt.

Die Maßnahmen gegen die Schuldenkrise hält Lafontaine nicht für nützlich, sondern für gemeingefährlich. "Diese Rettungsschirme sind in Wirklichkeit Streubomben gegen die soziale Gerechtigkeit", schimpfte er vor rund 200 Linke-Abgeordneten aus EU-Parlament, Bundestag und den Landesparlamenten. Dem Finanzsektor warf Lafontaine vor, die Demokratie weltweit abschaffen zu wollen. "Der Krieg der Banken gegen die Völker Europas muss gestoppt werden." Deftig, deftig. So kennt man ihn.

Immerhin: Ein paar Vorschläge, wie es anders gehen könnte, hatte er auch parat. Als Mittel gegen die Finanzkrise sehen die Linken in erster Linie eine europaweite Millionärssteuer. Außerdem müssten Staaten über eine öffentlich-rechtliche Bank Kredite bekommen, die sich wiederum Geld bei der Europäischen Zentralbank leiht, heißt es in einer Kieler Erklärung, die die Abgeordneten verabschiedeten. "Dann sind die Finanzmärkte abgeschafft und die Rating-Agenturen", so Lafontaine.

"Die SPD hat sich weit nach rechts bewegt"

Die Schuldenbremse für Bund und Länder und den beschlossenen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin in 25 der 27 EU-Staaten lehnen die Linken dagegen strikt ab. Die Parlamente würden von den Euro-Rettern als Hindernisse angesehen, die möglichst umgangen werden sollten, heißt es in der Kieler Erklärung. Als Zeichen ihres Protests entrollten die Linken unmittelbar neben der CDU-Landesgeschäftsstelle ein 14 Meter langes Plakat gegen die Finanzpolitik der schwarz-gelben Landesregierung in Kiel.

Lafontaine ist im Kampfmodus. Mit einem guten Ergebnis bei der Wahl im Saarland im März hoffe er der Nord-Linken für die Wahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai helfen zu können. "Die Sozialdemokratie hat sich so weit nach rechts bewegt, dass viel Platz ist für eine linke Partei sowohl in Schleswig-Holstein als auch im Saarland", so Lafontaine. Auch bei der anstehenden Bundestagswahl 2013 sei Zweistelligkeit weiter möglich. Dazu sei eine "Mannschaft nötig, die aufhört, gegen das eigene Tor zu spielen."

vme/dpa/dapd

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Seite 1
geistigmoralischewende 16.02.2012
1. Seine Analyse ist zutreffend
Zitat von sysopDPAWenige Wochen vor der saarländischen Landtagswahl schaltet Oskar Lafontaine auf Attacke: Der Ex-Linken-Chef wettert gegen Europas Krisenmanager und zieht gegen die Banken zu Felde - mit deftigem Vokabular. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815754,00.html
Merkel ist dabei Europa zu zerstören, damit die Banken gerettet werden.
Schmockse 16.02.2012
2. Ein zwiespältiger Mensch ist er ...
Zitat von sysopDPAWenige Wochen vor der saarländischen Landtagswahl schaltet Oskar Lafontaine auf Attacke: Der Ex-Linken-Chef wettert gegen Europas Krisenmanager und zieht gegen die Banken zu Felde - mit deftigem Vokabular. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815754,00.html
... eigentlich. Aber er kann die Sachen auf den Punkt bringen. Aber so ist die Geschichte dahinter zu sehen: Aber seine Worten werden wie so oft kein Gehör finden!
Asirdahan 16.02.2012
3. ohne
Zitat von sysopDPAWenige Wochen vor der saarländischen Landtagswahl schaltet Oskar Lafontaine auf Attacke: Der Ex-Linken-Chef wettert gegen Europas Krisenmanager und zieht gegen die Banken zu Felde - mit deftigem Vokabular. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815754,00.html
Man muss Lafontaine nicht mögen, aber zieht man einige Übertreibungen ab, scheint er recht zu haben. Ich sage scheint, weil einfach niemand weiß, was kommen wird, aber er hatte schon damals als Finanzminister recht mit dem Beitritt der DDR, obwohl das keiner hören wollte. Links oder nicht, der Mann hat Ahnung. Und es ist ja nicht so, dass alle Experten Merkel recht geben. Als Laie fragt man sich, welcher von den weit auseinander driftenden Meinungen man folgen kann. Eins ist sicher. Wenn es zu einer Krise kommt, egal wo, dann sind es bestimmt nicht die Wohlhabenden, die darunter leiden werden.
udokonz 16.02.2012
4. Lafontaine
Zitat von geistigmoralischewendeMerkel ist dabei Europa zu zerstören, damit die Banken gerettet werden.
Damals, nach der Wiedervereinigung wollte seine Wahrheiten auch niemand hören. Der Euro wird scheitern, und zwar gewaltig. Dann gnade dem kleinen Mann, denn der wird die Zeche zahlen
biwak 16.02.2012
5. Richtig, so geht Opposition!
Wenn Steinmeier was sagen will, klingt das immer so als wenn sich ein 35jähriger nicht traut, Mutti den Kauf eines Mofas zu beichten.
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