Linke Sammlungsbewegung "Aufstehen" hat laut Lafontaine bisher 50.000 Unterstützer

"Wir haben mit einem solchen Zustrom nicht unbedingt gerechnet": Vor knapp einer Woche ist die Website der neuen linken Sammlungsbewegung online gegangen - und Oskar Lafontaine zeigt sich zufrieden.

Lafontaine und Wagenknecht (2014)
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Lafontaine und Wagenknecht (2014)


Die linke Sammlungsbewegung "Aufstehen" hat in ihren ersten Tagen mehr als 50.000 Anmeldungen von Unterstützern bekommen. "Wir sind sehr zufrieden. Wir haben mit einem solchen Zustrom nicht unbedingt gerechnet", sagte der frühere Linke-Vorsitzende Oskar Lafontaine. Die Bewegung wurde von seiner Ehefrau Sahra Wagenknecht gegründet, sie ist Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag.

"Aufstehen" wolle vor allem "die ansprechen, die seit vielen Jahren enttäuscht sind, die sich von der Politik nicht mehr vertreten sehen", sagte Lafontaine nun. Dazu gehörten auch jene, die "manchmal dann aus Protest auch die AfD gewählt haben", sagte Lafontaine. Diese Protestwähler wolle man zurückgewinnen.

Es gebe für die Mitglieder der Sammlungsbewegung keine Gesinnungsprüfung, sagte er weiter: "Aber wer sich bei uns anmeldet, muss sich zu unseren Zielen bekennen. Wenn einer vom Saulus zum Paulus wird, dann ist das ja gerade das Ziel der Bewegung."

Die Internetseite von "Aufstehen" war am Samstag online gegangen. Der "Start der Bewegung" wurde für den 4. September angekündigt.

Wagenknecht hatte dem SPIEGEL über ihr Projekt gesagt: "Unser Ziel sind natürlich andere politische Mehrheiten und eine neue Regierung mit sozialer Agenda." Ein Schlüssel dafür sei die SPD. Solange diese ihre Agenda-2010-Politik fortsetze, werde sie weiter schrumpfen. "Das verringert die Chance auf eine linke Machtoption", sagte Wagenknecht. Sie zeigte sich zuversichtlich: "Wenn der Druck groß genug ist, werden die Parteien, auch im Eigeninteresse, ihre Listen für unsere Ideen und Mitstreiter öffnen." Ein Interview mit Wagenknecht über die Sammlungsbewegung können Sie hier nachlesen.

Video: Oskar Lafontaine im Interview (SPIEGEL TV 2013)

SPIEGEL TV

aar/dpa

insgesamt 152 Beiträge
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straksine65 09.08.2018
1. Der Fachmann staunt, der Laie ....
So. Mein allmorgendlicher Ruf für meine Kinder soll jetzt also zum Weckruf aller Abgehängten werden. Die einen stehen jetzt erst auf, während die anderen schon en marche sind. Selten hat jemand das eigene Versagen so lautstark rausposaunt wie die Herrschaften Wagenknecht und Lafontaine. Sind die beiden nicht seit Jahrzehnten in der Politik? Was haben Sie denn in der ganzen Zeit gemacht? Dass Herr Lafontaine immer nur nach dem Esel sucht, der seinen Karren ziehen wird, ist altbekannt. Aber warum jetzt und warum so laut? Es ist doch zu durchsichtig. In der eigenen Partei die querulierenden Außenseiter, ruft Frau Wagenknecht jetzt „So. Jetzt spiel ich nicht mehr mit!“ und stapft beleidigt aus dem Sandkasten linker Realpolitik und hüpft hoch auf den immer mehr vor sich hin holpernden Karren von Monsieur Macron. Fragt sich nur, wer diesmal der Esel ist, der ziehen will...
kirschlorber 09.08.2018
2. Es wird schade
All die Nahleses und Gabriels werden dagegen arbeiten. Aus Angst vor Schröder und Müntefering und all den Betonköpfen. Bei den Grünen wird es ähnlich. Ein Trittin ist nicht mehr fähig zum Umdenken. Vorwärts in den Untergang. Das ist sehr schade.
dachhase 09.08.2018
3. Sarah Wagenknecht kann noch so viele Bewegungen gründen
solange Eigeninteresse der Parteien das Triebmittel ist, werden die Wähler wohl nicht mitmachen. Den beiden Spaltern kann man die Fakten in der Schüssel vorsetzen, sie werden es nicht verstehen. Und damit es nicht falsch rüberkommt: Ich gehöre zum eher linken Potential. Zum Abgeben meiner Stimme links von der SPD hat das Angebot aber nie gereicht.
schokohase123 09.08.2018
4. Links überholen?
Seit der ersten Meldung darüber hat es dieses Geschmäckle... Der beinahe verschlafene Versuch, es den "rechtsblaubraunen" auf der "linksgrünversifften" Seite des Spektrums nachzuäffen. Doch braucht der deutsche Wähler wirklich noch einen weitere Anlaufstelle, die den Zulauf zu etablierten Parteien noch zusätzlich verringert? Oder den Weggang fördert?
dannyandy 09.08.2018
5. "Aufstehen" mit wem?
Die Idee einer "linken" Sammelbewegung ist zwar nicht neu, aber durchaus nötig und konsequent! Dennoch stellt sich die Frage: Mit wem? Rein rechnerisch stehen hier etwa 18% SPD, 15% Grüne und 10% Linke gegen etwa 30% CDU/CSU, 15% AfD + 8% FDP, wobei die Kretschmänner bei den Grünen wahrlich nicht "links" sind. Die einzige Chance und Hoffnung besteht in der Mobilisierung der Nicht-Wähler.... Ich bewundere den Optimismus und zweifle stark an der Realisierbarkeit neuer "linker" Mehrheiten! Die AfD wird sich auf die Dauer nicht in Wohlgefallen auflösen und das Thema Migration wird weiterhin auf falsche Weise polarisieren!
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