Linke: Lafontaine schließt Kampfkandidatur gegen Bartsch aus

Oskar Lafontaine hat seine Bedingungen für eine Rückkehr an die Linken-Spitze präzisiert. Er will keine Kampfkandidatur gegen Dietmar Bartsch - und verlangt damit den Verzicht seines Gegenspielers. Doch der will das Feld nicht räumen.

DPA

Berlin - Im Machtkampf bei der Linken schließt der frühere Vorsitzende Oskar Lafontaine eine Kampfkandidatur um den Parteivorsitz gegen Fraktionsvize Dietmar Bartsch aus. "Es ist klar, dass eine Kampfkandidatur ausscheidet", sagte Lafontaine am Dienstag vor einem Spitzentreffen zum Führungsstreit der Partei in Berlin. "Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere." Seine Bedingung läuft auf die Forderung hinaus, dass sein parteiinterner Gegenspieler Dietmar Bartsch auf die bereits angekündigte Kandidatur für den Parteivorsitz verzichtet.

Im Ringen um den Parteivorsitz gibt es damit nun drei Möglichkeiten. Entweder Lafontaine verzichtet auf eine Kandidatur und überlässt das Feld Bartsch, der seinen Hut bereits vor einem halben Jahr in den Ring geworfen hatte. Oder Bartsch ordnet sich in einer neuen Parteiführung unter und wird beispielsweise Bundesgeschäftsführer. Am Montag hatte Bartsch das allerdings bereits ausgeschlossen. Als dritte Option bliebe übrig, dass beide verzichten und ein anderer Kandidat gesucht wird.

Die Linke ist derzeit zerstritten über ein mögliches Comeback des Ex-Parteichefs. Vor allem die ostdeutschen Landesverbände wehren sich gegen eine Rückkehr des 68-Jährigen an die Parteispitze.

Lafontaine hatte am Montag klargemacht, dass er bereit sei, in die Doppelspitze der Partei zurückzukehren. "Ich gehe noch einmal in die Verantwortung, wenn die Partei mich wirklich will und wenn das personelle Umfeld stimmt", sagte Lafontaine der "Süddeutschen Zeitung". Am Dienstag erklärte er, die Linke sei in einer schwierigen Situation. "Die Partei muss wieder zweistellig werden, das muss das Ziel sein."

Bartsch hat am Montag erneut angekündigt, an seiner Kandidatur für den Parteitag in Göttingen festzuhalten. Er gilt als Widersacher von Lafontaine und soll nach den Plänen des Saarländers lediglich Parteivize werden. Vor gut zwei Jahren hatte der 68-Jährige, damals noch Parteichef, ihn aus dem Amt des Bundesgeschäftsführers gedrängt, weil er eine gezielte Intrige von Bartsch witterte.

Die Linke muss auf ihrem Parteitag am 2. und 3. Juni eine neue Führung mit zwei Vorsitzenden wählen. Eine Kandidatin für die Doppelspitze gibt es bisher noch nicht.

Der Führungsstreit bei den Linken hat sich auch wegen der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verschärft, bei der die Partei jeweils mit gut zwei Prozent gescheitert war. Der Spott aus anderen Parteien lässt nicht lange auf sich warten. So witzelte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann: "Lafontaine möchte nicht nur der erste, sondern auch der letzte Parteivorsitzende der Linkspartei werden." Die Chancen stünden gut, dass Lafontaine die Linkspartei nicht nur gegründet habe, sondern auch zu Grunde richte.

ler/dpa/AFP

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insgesamt 68 Beiträge
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1. Hurra auf die Linke
johann_krautmann 15.05.2012
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Spaltung und Auflösung.
2. Geht gar nicht.
frunabulax 15.05.2012
Was sind denn das für Wahlen denen man sich nur ohne Gegenkandidaten stellt? Ein seltsames Gebaren. Lafontaine ist ein kluger Kopf leider mit erheblichen persönlichen Defiziten. Hoffentlich bleibt Herr Bartsch standhaft.
3. Oskar
u.loose 15.05.2012
sollte in Anbetracht seines Alters am besten in den Ruhestand wechseln und sich mit seiner Sarah noch ein paar nette Abende machen - sprich, die sollte er gleich mitnehmen (;-)
4. haha
lebenslang 15.05.2012
schön zu sehen wie eine partei die alles anders machen wollte zum paradebeispiel dafür wird wie man es bereits seit ewigen zeiten schlecht und schmerzhaft macht.
5. Wie bitte - "Kampfkandidatur" ?!
gyro_gearloose 15.05.2012
Zitat von sysopEr will keine Kampfkandidatur gegen Dietmar Bartsch - und verlangt damit den Verzicht seines Gegenspielers.
Eine "Wahl" mit nur einem Kandidaten ist keine Wahl, denn es gibt ja keine Wahlmöglichkeit! PS: Gilt natürlich für alle Parteien bzw. "Wahlen"!
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