Ex-Innenminister Schily "Natürlich gibt es Probleme mit muslimischen Zuwanderern"

Otto Schily fordert die Politik zum Dialog mit Pegida-Anhängern auf. Im neuen SPIEGEL spricht der ehemalige Innenminister über die Schwierigkeiten, die es seiner Ansicht nach bei der Einwanderung von Muslimen gibt.

Otto Schily bei einer Veranstaltung in Berlin (Archivbild): "Natürlich gibt es Probleme mit muslimischen Zuwanderern"
DPA

Otto Schily bei einer Veranstaltung in Berlin (Archivbild): "Natürlich gibt es Probleme mit muslimischen Zuwanderern"


Hamburg - Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily hat als Reaktion auf Bewegungen wie Pegida gefordert, sich kritisch mit den Problemen von Einwanderung auseinanderzusetzen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 5/2015
19 Auschwitz-Überlebende berichten

"Natürlich gibt es Probleme mit muslimischen Zuwanderern in Deutschland", sagte Schily dem SPIEGEL (den aktuellen SPIEGEL lesen Sie hier). "Wenn sich in manchen deutschen Stadtteilen Parallelgesellschaften bilden, wenn manche Jungs aus türkischen Familien eine zum Teil frauenfeindliche Machokultur pflegen - dann müssen solche Probleme angesprochen werden."

Schily forderte die in Deutschland lebenden Muslime auf, sich gegen Fehlentwicklungen zu engagieren, die im Namen der eigenen Religion geschehen. "Ich würde mir wünschen, dass Muslime in Deutschland aufstehen, um dagegen zu demonstrieren", sagte Schily, "stattdessen flüchten sie sich gern in eine Opferrolle, wenn man versucht, einen kritischen Dialog zu führen."

Schily forderte, mit den Pegida-Demonstranten in Dresden das Gespräch zu suchen. Die Politik dürfe nicht sagen, "mit den Pegida-Leuten reden wir erst gar nicht, das sind Schmuddelkinder". Dies sei falsch.

Es gebe die Sorge bei den Bürgern, dass sich die kulturellen Koordinaten in Deutschland verschieben würden. "Dass sich solche Demonstrationen wie in Dresden zusammenfinden, liegt auch daran, dass die Menschen das Gefühl haben, die etablierte Politik ignoriere diese Sorge."

Das vollständige Interview finden Sie hier im neuen SPIEGEL.

Den digitalen SPIEGEL gibt es für das iPhone, iPad, Android und Windows 8 sowie als Web-App.

Mehr zum neuen Erscheinungstag des SPIEGEL lesen Sie hier.

rp/gor

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 307 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
veritas31 24.01.2015
1. Wieso nur Muslime, Schily?
Was ist mit jüdischen Parallelgesellschaften hmmm? Was ist mit Parallelgesellschaften der Russen hmmm? Was ist mit Parallelgesellschaften der Rockerbanden hmmm? Nur auf Muslimen herum zu hacken ist zu einfach und zu billig
women_1900 24.01.2015
2.
wie jetzt? Die ganze Zeit ist zu lesen, daß Muslime eine Minderheit von gerade einmal 5-6% in Deutschland wären. Wie kann es sein,daß eine so kleine Minderheit "Probleme" bereitet?? Schily hat anscheinend auch schon bemerkt, daß am 15. Februar Wahlen in Hamburg sind.
cruiser87 24.01.2015
3.
Schade, dass Otto Schily nichts mehr in der Politik zu sagen hat und sich nur noch selten zu Wort meldet. Wobei, wenn er noch in der Politik aktiv wäre hätte man ihn für solch deutlich Äußerungen schon längst zurückgepfiffen und auf die Finger geklopft. Leider werden viele unangenehme Probleme heute lieber ignoriert und totgeschwiegen.
new_eagle 24.01.2015
4. Danke Herr Schily
Sie haben vollkommen recht damit, dass es in manchen deutschen Stadtteilen Parallelgesellschaften gibt und diese stillschweigend geduldet werden, anstatt dagegen vorzugehen. Auch stimmt es dass weder die offizielle Politik dieses Problem sehen will noch die meisten in Deutschland lebenden Muslime. In meinem Stadtteil (einer westdeutschen Großstadt) laufen prozentual gesehen mehr Musliminnen mit Kopftüchern rum als in Istanbul. Fragt sich ob die das freiwillig tun oder von den Vätern, Brüdern oder Ehemännern dazu gezwungen werden.
mac4me 24.01.2015
5. Es wäre ja auch merkwürdig,
wenn eine ehemaliger Bundesinnenminister wirklichkeitsresistent wäre. Man ist ja schon dankbar dafür, wenn eine solche Stimme nicht in die rechte Ecke gestellt wird gemäß dem Prinzip, den Überbringer der schlechten Nachricht zu bestrafen. Selbstverständlich muß es eine solche Diskussion geben. Auch und gerade mit Pegida-Anhängern. Und selbstverständlich gibt es auch generelle Ausländerfeindlichkeit, es ist aber eine Unterstellung, dies von jedem zu behaupten, der nun einmal vorhandene Probleme beim Namen nennt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.