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Pannen-Pressekonferenz: Schäuble findet endlich einen neuen Sprecher

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Der Vorgänger wurde von Wolfgang Schäuble bei einer Pressekonferenz bloßgestellt. Nach monatelanger Suche hat der Bundesfinanzminister jetzt einen Nachfolger für Michael Offer gefunden. Die Wahl fiel auf den Pressechef der deutschen EU-Vertretung in Brüssel, Martin Kotthaus.

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AFP

Schäuble: Der neue Sprecher kommt aus Brüssel

Wer lange sucht, wird endlich fündig: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble macht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Martin Kotthaus, derzeit Pressechef in der deutschen Vertretung bei der EU, zu seinem Sprecher. Der 47-jährige Diplomat soll die Nachfolge von Michael Offer antreten, den der CDU-Politiker auf einer Pressekonferenz öffentlich gedemütigt hatte.

Der Posten von Schäubles Sprecher war Anfang November frei geworden: Schäuble hatte Offer bei einer Pressekonferenz zu Zahlen und Folgen der Steuerschätzung vor der versammelten Hauptstadtpresse vorgeführt, weil er die entsprechenden Statistiken nicht für die Journalisten auf Papier aufbereitet hatte. Der Videomitschnitt der Pressekonferenz wurde unter dem Titel "Reden Sie nicht, Offer", hunderttausendfach im Internet verbreitet. Schäuble war damals von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einbestellt worden, die sein Verhalten rügte. Rücktrittsgerüchte machten die Runde. Offer quittierte schließlich den Dienst.

Mit seinem Auftritt empfahl sich Schäuble nicht als neuer Chef. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Suche nach einem Nachfolger für Offer. Journalisten von Wirtschaftszeitungen sprachen mit Schäuble genauso wie Lobbyisten größerer Verbände. Nicht nur Schäubles Temperament, das bei der Pressekonferenz sichtbar wurde, schreckte viele ab. Auch die Frage, wie lange der gesundheitlich angeschlagene Minister noch im Amt bleiben würde, galt manchem als Hindernis.

Schäuble reagierte schon früh gereizt auf Nachfragen, wann er denn endlich einen neuen Pressechef präsentieren könne. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" beschied er Ende November denkbar knapp: "Machen Sie sich keine Sorgen über die Funktionsfähigkeit meines Hauses."

Dass die Wahl des überzeugten Europäers Schäuble jetzt auf Kotthaus fiel, dürfte gerade angesichts der Euro-Krise kein Zufall sein. Als Pressechef in der ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU ist Kotthaus mit EU-Themen vertraut. In den vergangenen Jahren verging kaum ein europäisches Spitzentreffen, ohne dass Kotthaus danach die deutsche Position in ein möglichst vorteilhaftes Licht rückte.

Auch das Spitzenpersonal der Regierung kennt Kotthaus aus Brüssel. Am Donnerstagvormittag zum Beispiel war er mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bei den Beratungen über mögliche Sanktionen für Libyen unterwegs. Ein Plus für Kotthaus im Finanzressort dürfte zudem sein, dass ihm die Privatwirtschaft nicht fremd ist. Nachdem er als Pressesprecher bei der deutschen Botschaft in Washington fungierte, wechselte er 1999 zum Verlag Gruner+ Jahr, wo er zunächst Assistent von Vorstand Gerd Schulte-Hillen war und später Leiter der Kommunikation.

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1. .
Rubeanus 10.03.2011
Es stellt sich schon die Frage, warum Herr Kotthaus einen vermutlich angenehmen Posten verlässt, um jetzt als Fußabtreter von Wolfgang Schäuble zu fungieren.
2. Würde jemand Herrn Dr. Schäuble noch einen Träne nachheulen?
Zwiebel, 10.03.2011
So wie sich die Referenzen von Kotthaus anhören, stellt sich die Frage, ob Deutschland nicht besser bedient wäre, wenn Schäuble als Pressesprecher fungiert und _Kotthaus_ den Job _als Bundesfinanzminister_ übernehmen würde. Schließlich hat Schäuble ja eindrücklich gezeigt, dass er aktuell in Bezug auf Menschenführung völlig überfordert ist und daher lässt dies ja auch Rückschlüsse auf seinen aktuellen Arbeitsstil zu. Es ist ohnehin schade, dass ein Politiker wie Schäuble in den letzten Jahren immer mehr in die Kritik gerät, weil er wohl den rechtzeitigen Ausstieg aus der Politik offensichtlich verpasst hat. Auf der anderen Seite ist es ja auch ein Spiegelbild unserer heutigen Zeit. Dr. Guttenberg ist nur noch Guttenberg ohne Dr. und vom Amt zurückgetreten (worden) und Dr. Schäuble hat seinen Titel und sein Amt, ist aber offenbar schon im Bereich Menschenführung derart überfordert, dass man den Mitschnitt seiner Entgleisung bei youtube selbst mit viel Humor nicht mehr so ganz tolerieren kann. Adieu Schäuble
3. Als ich die Überschrift las ,
sternfalke77, 10.03.2011
dachte ich zunächst , das Herr K.T.v.u.z. G. wieder einen Politjob hat . Denn mit Presse und Öffentlichkeitsarbeit kennt er sich ja hervorragend aus . Ebenso mit der Quellensuche zu dieser .
4. KTvuzG versus WS
Speissvogel 10.03.2011
@Zwiebel Wenn hier einem Blender wie KTvuzG der Vorzug vor einem pflichtbewussten, intelligenten Strategen wie W.S. gegeben wird, zeigt das leider den Mainstream in der Bevölkerung. Show statt Fundament, Boulevard statt Pflichtbewusstsein und Verantwortung - dieser Weg ist damit auch für Deutschland vorgezeichnet ! Ich bin fest davon überzeugt, das Deutschland ohne einen Finanzminister Schäuble nicht so gut aus der Finanzkrise heraus gekommen wäre. (... auch wenn ich die Krise für längst noch nicht ausgestanden halte ! ) Nicht das wir uns falsch verstehen, wie S. seinen Pressesprecher vor versammelter Hauptstadtpresse lächerlich gemacht hat, war unerträglich, aber vielleicht entschuldbar durch seine damalige schlechte gesundheitliche Verfassung. Der Rücktritt des Herrn O. ist absolut nachvollziehbar, zeigt aber auch, daß das Vertrauensverhältnis schon vorher gestört war. In der Situation der Pressekonferenz selbst, hätte ich mir von Herrn O. allerdings auch etwas mehr Rückgrat erwartet.
5. Na endlich
Bre-Men, 10.03.2011
Der Hunderttausendmark-Wolfgang muss doch schon fast geplatzt sein. Endlich können seine Trompeten wieder erschallen. Ein neuer Schallschlucker ist da, hurra!
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