Bundesratsinitiative SPD verschärft Kurs gegen Steuersünder-Banken

Banken, die bei der Steuerflucht helfen, sollen bluten: Die SPD-Länder konkretisieren nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen Pläne, um Geldhäusern die Lizenz zu entziehen. Das Vorhaben richtet sich vor allem gegen Schweizer Finanzinstitute - aber auch deutsche könnte es treffen.

Von

Bankenviertel in Zürich: Sozialdemokraten wollen Druck auf Geldinstitute erhöhen
REUTERS

Bankenviertel in Zürich: Sozialdemokraten wollen Druck auf Geldinstitute erhöhen


Berlin - Die SPD schlägt im Streit um die Bekämpfung von Steuerflucht eine härtere Gangart gegenüber Banken ein. In einem SPIEGEL ONLINE vorliegenden Entwurf für eine Bundesratsinitiative fordern die Sozialdemokraten eine Verschärfung des Kreditwesengesetzes, um Geldinstituten, die in Deutschland Steuerflucht begünstigen, leichter die Lizenz entziehen zu können.

Das Kreditwesengesetz, das die Bankenaufsicht regelt, soll demnach um zwei Tatbestände erweitert werden. Systematische Steuerhinterziehung oder eine Verweigerung der Kooperation mit den Steuerbehörden soll "explizit in den Gesetzestext des Kreditwesengesetzes als Grund für das Versagen oder Entziehen der Erlaubnis aufgenommen werden", heißt es in einem Entwurf, der zwischen den SPD-geführten Finanzministerien von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen abgestimmt ist.

Die Länder konkretisieren damit eine Initiative des niedersächsischen Spitzenkandidaten Stephan Weil von vergangener Woche. Das Papier ist Grundlage für ein Treffen aller SPD-Finanzminister am 16. Januar in Berlin. Im Falle eines Wahlsiegs in Niedersachsen wollen die Sozialdemokraten den Antrag im März in den Bundesrat einbringen und so die schwarz-gelbe Bundesregierung zu einem entschlosseneren Kurs gegenüber Steuerflüchtlingen drängen.

Weil hatte sich in seinem Vorstoß vor allem auf Schweizer Banken bezogen. Von einer Verschärfung des Kreditwesengesetzes wären jedoch alle hierzulande tätigen Banken betroffen. Die Bankenaufsicht in Deutschland habe die Aufgabe, Geschäftspraktiken zu verhindern, die erhebliche Nachteile für die Gesamtwirtschaft bedeuten könnten, heißt es in dem SPD-Papier: "Demzufolge sollten alle in Deutschland tätigen Banken verpflichtet werden, Steuerhinterziehung als Geschäftsmodell einer Bank auszuschließen und im Gegenteil mit den Finanzämtern zu kooperieren."

Zur Begründung verweisen die Sozialdemokraten auch auf die Folgen der Finanzkrise. Das Vertrauen der Bürger in die Banken könne nur mit Transparenz und Ehrlichkeit zurückgewonnen werden, heißt es. "Deswegen ist es notwendig, Banken, die gegen Recht und Gesetz verstoßen, die Geschäftsgrundlage in Deutschland zu entziehen. Sie müssen - wie jede Bürgerin und jeder Bürger, die in Deutschland nicht ehrlich Steuern zahlen - zur Rechenschaft gezogen werden."

Die Sozialdemokraten beklagen bereits seit Längerem, dass die Bekämpfung von Steuerflucht nicht ausreichend geregelt ist. Seit Monaten führen sie einen erbitterten Streit mit der Bundesregierung, wie mit Steuerflüchtlingen umzugehen ist. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte bis zuletzt ein Abkommen mit der Schweiz vorangetrieben. Die SPD ließ es jedoch im Dezember im Bundesrat scheitern, da das Abkommen aus ihrer Sicht Steuerflüchtlinge zu sehr schont. Die Genossen in den Ländern setzen bislang auf abschreckende Maßnahmen wie den Aufkauf von Steuer-CDs.

Die Initiative gegen Steuerflucht ist auch Teil der Kampagne von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Bereits als Finanzminister widmete sich dieser dem Thema, mitunter auch zum Leidwesen der Schweiz. Im Herbst stellte Steinbrück zudem seine Pläne zur Finanzmarktregulierung vor.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 282 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
geneamdahl 03.01.2013
1. Viel Glück
Das Problem sind nicht die Bürger welche ihr Geld in Sicherheit bringen, sondern der Abzockerstaat der seine Bürger ausnimmt wie eine Weihnachtsgans. Die SPD nutzt den Streit mit der Schweiz nur dazu, um von der Euro Problematik abzulenken. Mr. Steinbrück wird die Wahlen verlieren.
magsmanni 03.01.2013
2. Angriff ist die beste Verteidigung
Hat die SPD die Pferde schon gesattelt? Die Schweiz zittert vor Angst!
s_o_p_h_u_s 03.01.2013
3. Ach so!
"Das Vertrauen der Bürger in die Banken (und allem anderen) könne nur mit Transparenz und Ehrlichkeit zurückgewonnen werden" Wer im Glaushaus sitzt - liebe SPD!
Schlauschwätzer 03.01.2013
4. Lücke
Zitat von sysopREUTERSBanken, die bei der Steuerflucht helfen, sollen bluten: Die SPD-Länder konkretisieren Pläne, um Geldhäusern die Lizenz zu entziehen. Vorgesehen ist eine Verschärfung des Kreditwesengesetzes. Das Vorhaben richtet sich vor allem gegen Schweizer Finanzinstitute - aber auch deutsche könnte es treffen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/papier-spd-verschaerft-kurs-gegen-steuersuender-banken-a-875452.html
Der Artikel führt aus: Gilt das nicht führ jedes Unternehmen? Und wieso kommt man erst jetzt darauf?
s_o_p_h_u_s 03.01.2013
5. Ach so!
"Das Vertrauen der Bürger in die Banken (und allem anderen) könne nur mit Transparenz und Ehrlichkeit zurückgewonnen werden" Wer im Glaushaus sitzt - liebe SPD!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.