Pariser Vorstadt-Unruhen Türkische Gemeinde befürchtet Gewalt in Deutschland

Randalierende Jugendliche, brennende Autos – die Türkische Gemeinde in Deutschland warnt davor, dass sich derartige Szenen, die derzeit Frankreich in Atem halten, künftig auch hierzulande abspielen könnten. Viele Migranten fühlten sich ausgeschlossen.


Berlin - Die Bildungssituation und die Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt seien prekär, erklärte die Türkische Gemeinde in Deutschland heute. Die Arbeitslosigkeit unter Migranten sei doppelt so hoch wie bei der einheimischen Bevölkerung, die Ausbildungsbeteiligung seit Jahren rückgängig. "Wenn es in den nächsten Jahren so weitergeht, besteht ernsthaft die Gefahr, ähnliche Verhältnisse hier zu haben", erklärte der Vorsitzende Kenan Kolat. Viele Jugendliche nichtdeutscher Herkunft fühlten sich ausgeschlossen und könnten ihre Wut und ihren Hass auf ähnliche Weise zum Ausdruck bringen.

Kolat appellierte an die Bundesregierung und an die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Maßnahmen für die Eingliederung der Migrantenbevölkerung und zu Chancengleichheit zu intensivieren. Die Nichtdeutschen müssten das Gefühl des Dazugehörens bekommen. "Nur so wäre eine Identifikation mit der Bundesrepublik Deutschland möglich." Die Reformen am Sozialsystem müssten die Lage der benachteiligten Schichten besonders berücksichtigen, da die nichtdeutsche Bevölkerung überwiegend aus diesen Schichten stammten.



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