Partei in der Führungskrise SPD denkt über Rückkehr von Müntefering nach

Die rot-rot-grüne Koalition in Hessen ist gescheitert, Parteichef Beck umstritten: Deshalb überlegt die SPD laut "Bild"-Zeitung, ihre Wunderwaffe zu reaktivieren. Ex-Parteichef Franz Müntefering soll das Ruder wieder übernehmen - zumindest zeitweise.


Hamburg - Es wäre eine Überraschung, selbst für Vertraute: Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung haben gestern führende SPD-Parteigenossen per Telefon-Schaltkonferenz über das derzeitige Führungschaos in der Partei beraten. Der amtierende Parteichef Kurt Beck soll nicht zugeschaltet gewesen sein - dafür der Mann, der sich erst vor ein paar Monaten aus eben jenem Amt verabschiedet hatte: Ex-Parteichef und Ex-Vizekanzler Franz Müntefering.

Ex-Parteichef Müntefering: "Hat nicht kategorisch Nein gesagt"
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Ex-Parteichef Müntefering: "Hat nicht kategorisch Nein gesagt"

Die Runde habe unter anderem die Frage erörtert, ob Müntefering in der Notlage der SPD zumindest übergangsweise noch einmal als Vorsitzender zur Verfügung stehe. "Er hat nicht kategorisch Nein gesagt", hieß es in der "Bild". Müntefering hatte Anfang November seinen Rücktritt erklärt, um seiner schwer erkrankten Frau zur Seite zu stehen.

Der amtierende Parteichef Beck ist derzeit parteiintern umstritten, unter anderem weil die Pläne zur Regierungsbildung der SPD mit der Linken in Hessen gescheitert sind. Die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hatte gestern erklärt, sie werde nicht als Ministerpräsidentin kandidieren, da der Widerstand einer eigenen Abgeordneten ihre knappe Mehrheit gefährde. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Frank-Walter Steinmeier forderte eine Überprüfung der von Ypsilanti und Beck eingeleiteten Öffnung der SPD für die Linkspartei.

Tatsächlich hat das Theater um den von Beck betriebenen Linksschwenk die Partei und ihn persönlich Sympathien gekostet: Die SPD ist in Umfragen abgestürzt, eine Kanzlerkandidatur Becks halten Meinungsforscher inzwischen für nahezu aussichtslos. Das Vertrauen der Wähler ist dahin: Nur 15 Prozent der Deutschen halten den SPD-Chef laut dem neuestem ARD-Deutschlandtrend von Infratest-dimap für glaubwürdig.

Unterstützung erhielt Beck unterdessen vom rechten Seeheimer Kreis: "Beck hat einen Fehler gemacht - aber Fehler machen wir alle", sagte Sprecher Johannes Kahrs ebenfalls der "Bild"-Zeitung. "Ich habe Beck gewählt und ich werde es wieder tun. Ich stehe hinter ihm." Entschieden wird über die Personalie laut "Bild" angeblich schon morgen Abend.

sam/AFP/Reuters



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