Bürgermeisterwahl Stuttgarter CDU setzt auf parteilosen Werbefachmann

Die CDU in Stuttgart schickt den PR-Veteranen Sebastian Turner in den Wahlkampf um den Posten des Oberbürgermeisters. Der parteilose Kandidat ist Mitgründer der renommierten Werbeagentur Scholz & Friends. Für die Christdemokraten soll er Rot-Grün Stimmen streitig machen.

Sebastian Turner in Stuttgart: Wechsel von der Werbung in die Politik
DPA

Sebastian Turner in Stuttgart: Wechsel von der Werbung in die Politik


Stuttgart - In der Werbewirtschaft hat er sich durch griffige Slogans einen Namen gemacht, nun soll Sebastian Turner Oberbürgermeister in Stuttgart werden: Die CDU in Stuttgart schickt den parteilosen Unternehmer in den Wahlkampf um die Nachfolge von Wolfgang Schuster (CDU). Turner wurde beim Nominierungsparteitag des CDU-Kreisverbands in der Landeshauptstadt mit zwei Dritteln der Stimmen gewählt. Er setzte sich gegen den früheren CDU-Sozialminister Andreas Renner durch.

Turner ist Mitgründer der Berliner Werbeagentur Scholz & Friends, die unter anderem Kampagnen für die "FAZ" und das Bahn-Projekt Stuttgart 21 entwickelt hat. Der 45-Jährige gilt auch als Erfinder des Slogans "Wir können alles - außer Hochdeutsch", bekannt aus der Imagekampagne des Landes Baden-Württemberg.

Die CDU versucht mit dem parteilosen Unternehmer die Kluft zu überbrücken, die durch den Streit um Stuttgart 21 entstanden ist. Zudem soll Turner außerhalb der Stammwählerschaft punkten: CDU-Landeschef Thomas Strobl sagte, mit Turner habe die CDU einen Kandidaten, "der für Menschen aus allen Parteien und aus allen Teilen der Bevölkerung wählbar ist".

Auch Stuttgarts früherer Oberbürgermeister Manfred Rommel hatte sich für Turner ausgesprochen. Er sehe den Werber dazu in der Lage, auch Wähler aus den Lagern von SPD und Grünen auf seine Seite zu ziehen, teilte Rommel in einem Schreiben mit. Turner selbst hatte angekündigt, er wolle der Partei auch im Fall eines Wahlsieges nicht beitreten. Er teile jedoch mit der CDU ein "Grundkoordinatensystem".

In seiner Bewerbungsrede sagte der Werbeprofi, er strebe eine "Bürgerstadt" an, die vom Engagement ihrer Einwohner lebe. Beim umstrittenen Bahnvorhaben Stuttgart 21 werde er darum kämpfen, die Gräben zuzuschütten. Künftig würden Entscheidungen vorab in Bürgergesprächen diskutiert.

Sein Wahlprogramm will er in den nächsten Monaten formulieren, im Dialog mit den Bürgern, wie er betonte. Gewählt wird am 7. Oktober - dann wird Turner gegen den Grünen-Kandidaten Fritz Kuhn antreten müssen. Die SPD hat noch keinen Bewerber aufgestellt.

usp/dapd/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.