Abschiedsrede auf Parteitag: Ponader entschuldigt sich bei Piraten

Von und , Neumarkt

Parteitag: Piratentreffen in der Provinz Fotos
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Emotionaler Start des Piratenparteitags: Nach monatelangem Streit an der Parteispitze tritt Geschäftsführer Johannes Ponader ab. In seiner Abschiedsrede räumt er Fehler ein - stichelt aber auch gegen die Vorstandskollegen. Als es vorbei ist, wirkt Ponader erleichtert.

Zehn Minuten dauert der letzte Auftritt des Johannes Ponader, dann verlässt er die große Piratenbühne, seinen Laptop unter dem Arm, in der Hand einen Blumenstrauß. "Einiges ist gelungen, einiges ist misslungen", sagt Ponader, "wo ich etwas falsch gemacht habe, möchte ich um Entschuldigung bitten".

Die Piraten in den Jura-Hallen in Neumarkt applaudieren, Ponader schaut ins Publikum. Der Parteitag der Piraten verabschiedet den Politischen Geschäftsführer, der nach einem Jahr voller Zoff mit seinen Kollegen abtritt.

Ponaders einjährige Amtszeit war alles andere als ein Erfolg. Wenige Wochen nach seiner Wahl sorgte er mit einem Zeitungsartikel über seinen Hartz-IV-Ausstieg für Aufruhr - viele Piraten warfen ihm daraufhin vor, sich nur in seinem Amt profilieren zu wollen. Danach brüskierte er seine Vorstandskollegen immer wieder mit Alleingängen bei gemeinsamen Abstimmungen, Querschüssen und fragwürdigen Fernsehauftritten.

Der Konflikt zwischen Ponader und Parteichef Bernd Schlömer, der vergeblich versuchte, den eigenwilligen Theatermenschen auf Linie zu bringen, eskalierte schließlich in einer skurrilen Umfrage unter Parteimitgliedern. Dabei sollten diese an ihre Vorstände Schulnoten verteilen. Ponader schloss in seinem "Basiszeugnis" verheerend ab - und entschied sich daraufhin zum Rücktritt.

Verhaltener Applaus zum Abschied

In seiner Abschiedsrede sagt Poander, er sei angetreten, "mit dem Versprechen, eine Brücke zwischen Vorstand und Partei zu sein. Das ist mir nicht in dem Maß gelungen, wie ich es mir gewünscht hätte." Die Vorstandskollegen verabschieden ihn mit Umarmungen und Blumen. Aber die beiden aus der Führungsriege, mit denen Ponader am meisten Ärger hatte, sind nicht auf der Bühne. Parteichef Schlömer ist noch nicht auf dem Parteitag, Sebastian Nerz ist da, bleibt aber dem Ponader-Abschied fern.

Ponader spielt auch noch mal auf die Auseinandersetzungen mit Schlömer und Nerz an. "Im vergangenen Jahr gab es auch den Versuch, die Piratenpartei wie ein Unternehmen zu führen", sagt er. "Aber die Piratenpartei ist kein Unternehmen, sondern eine starke selbstbewusste Bewegung."

Zum Schluss sagt er: "Ich bin Johannes Ponader, ich bin Basispirat." Als er die Bühne verlässt, lächelt Ponader erstmals. Er wirkt erleichtert, dass es vorbei ist. Vielen in der Partei dürfte es ähnlich gehen.

Auch gedenkt Ponader einem kürzlich verstorbenen Basispiraten aus Schwerin, der der Partei vor seinem Tod eine Großspende von mehreren zehntausend Euro vermachte. "Er hat uns gelehrt, dass wir Basisdemokratie leben sollen", so Ponader. Er muss schlucken, unterdrückt die Tränen.

Trotz des emotionalen Moments erntet Ponader verhältnismäßig wenig Applaus - vereinzelt stehen Mitglieder auf, einige entrollen ein Transparent mit der Aufschrift "Willkommen zurück in der Basis" - doch die große Liebesbekundung oder Versöhnung in Form von Beifallsstürmen bleibt aus.

Jetzt liegt es an Ponaders Nachfolgern, das Amt des Politischen Geschäftsführers wieder aufzupolieren. Gute Chancen haben die Niedersächsin Katharina Nocun, der Kommunikationsdesigner Christophe Chan Hin und der Bayerische Pirat Andreas Popp. Am Freitagabend sollen die Piraten einen neuen Politischen Geschäftsführer haben.

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insgesamt 31 Beiträge
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    Seite 1    
1. Guter Mann
teutoniar 10.05.2013
Mit Ponader verliert die Piratenspitze einen guten Mann. Er hat den verhaltenen Applaus nicht verdient. Das zeigt aber sehr schön, wie Piraten so ticken.
2. .
*fantasy* 10.05.2013
Zitat von sysopDPAEmotionaler Start des Piratenparteitags: Nach monatelangem Streit an der Parteispitze tritt Geschäftsführer Johannes Ponader ab. In seiner Abschiedsrede räumt er Fehler ein - stichelt aber auch gegen die Vorstandskollegen. Als es vorbei ist, wirkt Ponader erleichtert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/parteitag-der-piraten-ponader-entschuldigt-sich-zum-abschied-a-899169.html
Ich wünsch den Piraten einen guten "Neustart" und viel Erfolg bei der Bundestagswahl. Meine Stimme haben Sie nach wie vor.
3. Moment mal!
spon-facebook-1810274577 10.05.2013
Stimmt das!? Den ganzen Freitag bringen die Piraten damit zu, einen Ponader-Nachfolger zu wählen!? Haben die sonst nichts zu entscheiden? Zum Beispiel über, äh, Inhalte!?
4. Guter Mann?
frenjes 10.05.2013
Zitat von teutoniarMit Ponader verliert die Piratenspitze einen guten Mann. Er hat den verhaltenen Applaus nicht verdient. Das zeigt aber sehr schön, wie Piraten so ticken.
Dieser Mann hat die Piraten mehr Stimmen/Zustimmung gekostet als alles andere. Guter Mann ja, aus Sicht von CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜN. Würde mich totlachen wenn er bei einer von den Parteien unterkommen würde, so ganz zufällig, ich tippe Grüne.
5.
redunzel 10.05.2013
Ponader ist mitverantwortlich für den beispiellosen Niedergang der Piraten.
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