Parteiwechsel zu den Piraten "Kein gezielter Akt gegen die Grünen"

Überraschender Wechsel: Nach ihrem Parteiaustritt im Frühjahr schließt sie sich nun der Piratenpartei an. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt die ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, Angelika Beer, was ihr an den Piraten gefällt.

Neu-Piratin Angelika Beer: "Inhalte müssen Vorrang vor der Machtoption haben"
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Neu-Piratin Angelika Beer: "Inhalte müssen Vorrang vor der Machtoption haben"


SPIEGEL ONLINE: Frau Beer, wollen Sie mit Ihrem Wechsel zur Piratenpartei den Grünen eins auswischen?

Beer: Nein, sonst hätte ich den Schritt schon vor der Bundestagswahl gemacht. Ich habe mir nach meinem Austritt im März viel Zeit gelassen und Menschen gesucht, mit denen ich jenseits der etablierten Parteien zusammenarbeiten kann. Jetzt bin ich bei den Piraten. Als politisch denkender Mensch finde ich mich dort wieder.

SPIEGEL ONLINE: Was bietet Ihnen denn die Piratenpartei, was die Grünen Ihnen nicht mehr bieten konnten?

Beer: In der Partei gibt es einen offenen Diskurs. Die Mitglieder besprechen sich zum Beispiel an Stammtischen. Da werden gemeinsame Positionen erarbeitet - und die Piraten können so schnell und unmittelbar handeln. Wir Piraten streiten für Themen, für die die Grünen nicht bzw. nicht mehr zugänglich sind.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Beer: Am Wochenende haben wir in Husum zu einer Demonstration aufgerufen. Der Grund war, dass hier Jugendliche von Rechtsextremen angegriffen worden waren. Wir haben Flagge gezeigt, von den Grünen habe ich aber niemanden gesehen.

SPIEGEL ONLINE: Die Piratenpartei steht vor allem für Freiheit im Internet. Wie ist Ihre Position?

Beer: In einer Zeit, in der Wissen immer wichtiger wird, sollte jeder Zugriff auf das Internet haben. Mir geht es besonders um die Zugangsgerechtigkeit.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie verstehen, wenn Ihnen ehemalige Weggefährten verletzte Eitelkeit vorwerfen?

Beer: Ich habe von solchen Äußerungen gehört. Aber meine Entscheidung war kein gezielter Akt gegen die Grünen. Ich mache Politik, um etwas zu bewegen. Bei den Grünen habe ich keine Möglichkeit mehr dazu gesehen. Denn nach meiner Meinung müssen Inhalte Vorrang vor der Machtoption haben.

Das Interview führte Holger Wille



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