Party im Kanzleramt: Ackermann feierte auf Staatskosten

Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat seinen 60. Geburtstag im Bundeskanzleramt gefeiert. Bezahlt wurde das exklusive Abendessen nach einem Bericht des ARD-Magazins "Report Mainz" von Steuergeldern - Opposition und SPD schäumen.

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ddp

Josef Ackermann: Geburtstagsessen auf Kosten der Steuerzahler

Berlin - Party in Merkels Regierungsgebäude: Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat zu seinem 60. Geburtstag Gäste auf Kosten der Steuerzahler ins Bundeskanzleramt eingeladen, berichtet das ARD-Magazin "Report Mainz". Für die Veranstaltung fielen Kosten für zusätzliches externes Servicepersonal in Höhe von 2100 Euro an, berichtet das Magazin unter Berufung auf einen Bericht des Bundeskanzleramts vom Mai 2009. Die Kosten für das Abendessen konnten dem Bericht zufolge nicht errechnet werden.

Die Aufwendungen seien aus den "etatisierten Haushaltsansätzen für Personal- und Sachkosten - Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt - finanziert" worden, heißt es dem ARD-Magazin zufolge in dem Bericht des Kanzleramts. Ackermann hatte demnach in einem Fernsehinterview von einem Angebot von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berichtet, etwa 30 Freunde ins Bundeskanzleramt einzuladen. Am Mittwoch muss die Bundesregierung den Haushaltsausschuss über die Kosten des Abendessens informieren. Die Deutsche Bank verweigerte laut "Report Mainz" eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Das Bundeskanzleramt habe nicht reagiert.

Das Kanzleramt hatte bereits im April auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Gesine Lötzsch zu dem Vorgang Stellung genommen, die Antwort fand zu dem Zeitpunkt jedoch kaum Beachtung. In der Antwort hieß es laut "Report Mainz", Merkel habe den Geburtstag des Bank-Chefs "zum Anlass genommen", ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft auszurichten.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, kritisierte den Vorgang. "Man kann als Kanzlerin nicht jemandem anbieten, auf Kosten des Steuerzahlers seinen 60. Geburtstag mit freier Entscheidung über 30 Gäste exklusiv mit gutem Wein und Essen im Kanzleramt zu feiern", sagte Künast "Report Mainz".

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, nannte die Einladung "nicht akzeptabel". Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, kritisierte dem Bericht zufolge: "Wenn aus einem privaten Anlass dort eingeladen wird, dann ist das nicht in Ordnung, das kann nicht auf Steuerkosten dann bezahlt werden."

ore/AFP

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Forum - Politik und Wirtschaft - wieviel Nähe verträgt die Demokratie?
insgesamt 1648 Beiträge
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1. Ist doch eine Mischpoke.
ZumPostwinkel 24.08.2009
Zitat von sysopDie Kanzlerin ließ den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seinen Geburtstag in ihrer Regierungszentrale feiern - die Kosten für das abendliche Tête-à-tête trägt der Steuerzahler, berichtet das ARD-Magazin "Report Mainz". Jetzt hagelt es Kritik. Wieviel Nähe von Politik und Wirtschaft verträgt die Demokratie?
Warum darf denn die ergebene und untergebene Befehlsempfängerin nicht ihren heimlichen Chef einladen?
2. Wie im Lotto
Henry II 24.08.2009
Ohne das hier vorgefallene bewerten zu wollen: Am Schluss wird es dann wohl so sein, dass irgendein (vermeintlicher) Skandal oder "Fehltritt" eines Politikers die Bundestagswahlen 2009 entscheidet! Ist eigentlich wie beim Lotto, der Zufall ob und was bis zum magischen Datum bekannt wird, entscheidet wer die BRD die nächsten 4 Jahre regiert
3. Trauruig, traurig, traurig ...
purzel76 24.08.2009
Weder in Wirtschaft noch Politik gibts irgendein Feingefühl was man den armen Menschen in Deutschland mit solchen Nachrichten für eine Message schickt: "Wir lassen es krachen und Du zahlst mal wieder bzw. euch streichen wir das Geld dann". Peanuts + Partys "Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht..."
4.
Adran 24.08.2009
Das dürfte ja wohl der größere Aufreger sein.. Kahlschlag kommt nach der Wahl Die deutsche Industrie will Stellen im großem Umfang streichen - sobald die Bundestagswahl vorüber ist. Dann läuft das Stillhalteabkommen mit Berlin aus. (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Jobabbau-Kahlschlag-kommt-nach-der-Wahl/557336.html) Da beeinflusst die Industrie die Wahl!
5. Und das ist gut so!
ccmehil 24.08.2009
Es wird wahrlich Zeit, dass einmal die Beziehungen zwischen Banken und Regierung auf ordentliche Füße gestellt werden. Immer diese heimlichen Treffen. So eine gemütliche Feier lockert doch die Atmosphäre schön auf.
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