Patienten-Versorgung Trotz Reformen weiter Ärztemangel auf dem Land

Auf dem Land fehlen weiterhin Ärzte. Daran haben laut einer Studie auch die veränderten Planungen von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen nichts geändert. Vor allem Fachärzte sind schwer aus der Stadt zu locken.

Hinweisschild in einem Dorf in Bayern: Auf dem Land fehlen weiterhin Fachärzte
DPA

Hinweisschild in einem Dorf in Bayern: Auf dem Land fehlen weiterhin Fachärzte


Berlin - Bei der ärztlichen Versorgung in Stadt und Land bestehen weiterhin erhebliche Ungleichgewichte. Daran habe auch die vor zwei Jahren in Kraft getretene Bedarfsplanung nichts geändert, nach der Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen die Verteilung der Arztpraxen festlegen sollen. Dies ergab eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Die Planung weicht danach weiterhin bis zu 70 Prozent vom tatsächlichen Versorgungsbedarf ab.

Laut Studie praktiziert zum Beispiel die Hälfte aller Psychotherapeuten in Großstädten, obwohl hier nur ein Viertel der Bevölkerung lebt. Auch die Praxen der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Orthopäden, Nervenärzte und Urologen konzentrieren sich demnach in den Städten. "Die Folge: Es mangelt auf dem Land an Fachärzten, die wohnortnah verfügbar sein sollten."

Hintergrund ist die Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, des obersten Entscheidungsgremiums im Gesundheitswesen. Sie schreibt vor, dass auf einen Psychotherapeuten in der Großstadt 3079 Einwohner kommen, in ländlichen Regionen aber 5953 Einwohner - also fast doppelt so viele. Nervenärzte sollen auf dem Land sogar 127 Prozent mehr Menschen versorgen als ihre Kollegen in der Stadt. Begründet wird dies damit, dass Ärzte in Städten Patienten aus dem Umland mitversorgen sollen.

Die Bertelsmann-Stiftung kommt angesichts der Studie zu dem Schluss, dass der Planung Faktoren wie die Krankheitsbelastung einer Region zugrunde gelegt werden sollten, etwa anhand der Anzahl älterer Menschen oder der sozialen Strukturen und Einkommensverhältnisse.

Koalition will bessere Vergütung für Landärzte

Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung, erläuterte: "Die derzeitige Planung lässt den Menschen auf dem Land keine andere Wahl, als sich in der Stadt behandeln zu lassen."

Die Ärzte-Verteilung in Stadt und Land ist auch ein Schwerpunkt des Versorgungsstärkungsgesetzes, das am Mittwoch Thema bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss ist. Das Gesetz von Gesundheitsminister Hermann Gröhe wurde Anfang März in erster Lesung im Bundestag behandelt.

Es sieht unter anderem stärkere Anreize bei der Vergütung vor, um Ärzte für eine Niederlassung in unterversorgten oder strukturschwachen Gebieten zu gewinnen. In überversorgten Gebieten soll künftig eine Praxis nur dann nachbesetzt werden, wenn dies für die Versorgung der Patienten sinnvoll ist. Die Einzelfallentscheidung treffen Ärzte und Krankenkassen vor Ort.

ler/dpa



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
kimmberlie67 24.03.2015
1. Habe Jahrzente lang auf dem Land gelebt
Hausarzt 2 Km , Fachärzte 10km ok man mußte immer fahren aber das muß ich in der Stadt auch. Was soll der Psycho auf dem Land? da sind die Bewohner noch klar im Kopf. Was viel wichtiger ist auf einen Arzttermin brauchte ich nicht Wochenlang zu Warten. Man kann nur hoffen das die Politiker endlich ihre Finger aus diesen Thema heraus nehmen. Seit Ulla Schmid hat sich alles nur Verschlechtert.
bierzelt 24.03.2015
2. Ganz einfache Lösung
Schafft mal die ganzen privilegierten freien Berufe (Ärzte, Notare, Ingenieure) ab und lasst eben diese Gewerbesteuern zahlen. Und siehe da, bei einem Gewerbesteuerhebesatz von 390% in der Stadt oder 220% auf dem Land wird sich das Problem von selbst lösen.
bierzelt 24.03.2015
3. Ganz einfache Lösung
Schafft mal die ganzen privilegierten freien Berufe (Ärzte, Notare, Ingenieure) ab und lasst eben diese Gewerbesteuern zahlen. Und siehe da, bei einem Gewerbesteuerhebesatz von 390% in der Stadt oder 220% auf dem Land wird sich das Problem von selbst lösen.
dr.haus 24.03.2015
4.
Klar,zu der frapanten Unterbezahlung auch noch Gewerbesteuer abzocken.Damit noch mehr deutsche Ärzte,Ingenieure ins Ausland gehen. Wohl keine wirtschaftlichen Zusammenhänge begriffen,oder?
Hilfskraft 24.03.2015
5. langfristig zerstört
was man in Jahrzehnten zerstört hat, lässt sich nicht hopplahopp wieder aufbauen. Man wird hier erst immer tätig, wenn alle Kinder in den Brunnen gefallen sind. Vorausschauende Politik hat hier seit mindestens 15 Jahren nicht mehr stattgefunden. Es wird immer nur geflickt, nicht dauerhaft auf lange Sicht konzipiert. Als gäbe es kein Morgen! Und, dann ist der Morgen dann doch immer wieder plötzlich da ... !
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