Patzer bei Anne Will Merkel nennt sich zweimal Staatsoberhaupt

Bundespräsident Köhler ist die Nummer 1 im deutschen Staat - nicht aber für Kanzlerin Merkel in ihrem einstündigen Gespräch mit Anne Will. Zweimal nannte sich die Kanzlerin selbst "Staatsoberhaupt", bevor sie den Fehler bemerkte.


Berlin - Kanzlerin Angela Merkel hat sich in dem einstündigen Gespräch mit ARD-Talkerin Anne Will Interview einen Versprecher geleistet. Sie bezeichnete sich am Sonntagabend zweimal als "deutsches Staatsoberhaupt".

Merkel bei Anne Will: "Das muss ich als deutsches Staatsoberhaupt oder besser gesagt als deutsche Bundeskanzlerin tun"
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Merkel bei Anne Will: "Das muss ich als deutsches Staatsoberhaupt oder besser gesagt als deutsche Bundeskanzlerin tun"

Tatsächlich ist Bundespräsident Horst Köhler das deutsche Staatsoberhaupt. Die Kanzlerin rangiert erst danach, in einer ungeklärten protokollarischen Rangordnung mit den Präsidenten von Bundestag, Bundesrat und Bundesverfassungsgericht (mehr auf SPIEGEL WISSEN...).

Der Fehler unterlief der Kanzlerin bei der Verteidigung ihrer Kritik am Papst, nachdem dieser angekündigt hatte, den Holocaust-Leugner Richard Williamson wieder in die katholische Kirche aufzunehmen. Allerdings korrigierte sie sich beim zweiten Mal selbst.

Die Kritik am Papst "war eine schwierige Entscheidung, aus meiner Sicht aber notwendig, weil ich als deutsches Staatsoberhaupt nach meiner Auffassung die Pflicht habe klarzumachen, dass die Leugnung des Holocaust" nicht im Raum stehen bleiben dürfe, sagte Merkel. Das habe nichts mit der persönlichen Haltung des Papstes zu tun.

"Es war die Sorge, dass das Leugnen des Holocausts ohne Folgen bleiben könnte", ergänzte Merkel. "Dazu habe ich mich geäußert. Und das muss ich als deutsches Staatsoberhaupt oder besser gesagt als deutsche Bundeskanzlerin tun."

Merkels Kritik am Papst hatte Unruhe beim konservativen Flügel der Union ausgelöst.

plö/Reuters



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