Vorbild Gerhard Schröder Steinbrück bläst zur Aufholjagd

In Umfragen liegt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück abgeschlagen zurück. Für seine Schlussoffensive beruft er sich nun auf Gerhard Schröder - auch der sei schließlich vor seinem Wahlsieg 2002 schon abgeschrieben gewesen. Hannelore Kraft rät ihm: Bleib, wie du bist.

Wahlkämpfer Steinbrück (SPD): "Und dann kam alles anders"
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Wahlkämpfer Steinbrück (SPD): "Und dann kam alles anders"


Berlin - Man kennt das aus dem Fußball: Eine Mannschaft liegt zurück, es bleiben nicht mehr allzu viel Zeit bis zum Abpfiff. Fernsehkommentatoren sprechen gern von der "Brechstange", die in solchen Situationen herausgeholt wird: Lange Bälle nach vorn, verzweifeltes Anrennen, irgendwie den Ball nochmal ins Tor stochern. Und wenn's der lange Innenverteidiger macht.

In einer ganz ähnlichen Situation ist zurzeit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. In Umfragen liegt er deutlich hinter der schwarz-gelben Konkurrenz, und in zwei Monaten wird gewählt. Für die Offensive, die der 66-Jährige jetzt angekündigt hat, beruft er sich ausgerechnet auf den passionierten Hobbyfußballer Gerhard Schröder. Der, sagte Steinbrück der "Bild am Sonntag", habe schließlich 2002 ganz ähnliche Erfahrungen gemacht.

"Ich werde den gleichen Einsatz zeigen, den Schröder seinerzeit in den letzten Wochen vor der Wahl gebracht hat", sagte er. "Auch er war in Umfragen und in den Medien schon abgeschrieben, und dann kam alles anders. Ich glaube, das erleben wir gerade wieder." Tatsächlich lasse sich Steinbrück von Schröder beraten: "Wir haben in dieser Woche telefoniert und uns verabredet. Er wird mich unterstützen, wo er kann, und ich bin ihm dafür dankbar."

"Bleiben, wie er ist"

Unterstützung für den Schlussspurt bekommt Steinbrück auch aus Nordrhein-Westfalen. "Er kann Kanzler", sekundierte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im SPIEGEL. Trotz der enttäuschenden Umfragewerte riet sie ihm zu "bleiben, wie er ist". Steinbrück habe "Ecken und Kanten, und das mögen die Menschen auch an ihm."

Kraft riet zur Gelassenheit bei schlechten Umfrageergebnissen - und beschwor wie Steinbrück die gelungenen Aufholjagden der Vergangenheit. So habe der SPD bei der Landtagswahl 2010 niemand eine Chance gegeben. "Ministerpräsident Rüttgers lag vier Monate vor der Wahl bei 51 Prozent Zustimmung, ich bei 38. Aber wir haben an uns geglaubt, wir haben nicht aufgegeben."

Um die Bundestagswahl doch noch zu gewinnen, will Steinbrück der "Bild am Sonntag" zufolge vor allem frühere SPD-Wähler zurückgewinnen. "Da draußen sind zehn Millionen Wähler, die die SPD seit 1998 verloren hat. Wahlforscher sagen uns, dass der überwiegende Teil nicht zu anderen Parteien gewechselt ist, sondern im Wartesaal sitzt." Vier bis fünf Millionen dieser potentiellen Wähler müsse man abholen.

Seine Hoffnungen legt der Sozialdemokrat dabei nach eigener Aussage auf das TV-Duell gegen Angela Merkel. Schon jetzt keilte er im Zusammenhang mit der NSA-Affäre gegen die Kanzlerin, sie habe ihren "Amtseid gebrochen".

In der wöchentlichen Emnid-Umfrage im Auftrag der Zeitung kommt die SPD wie in der Vorwoche auf 26 Prozent. Die Union erreichte 41 Prozent (minus eins), die FDP kam auf fünf Prozent (plus eins). Die Grünen liegen unverändert bei zwölf Prozent, die Linkspartei bei sieben Prozent.

rls/dpa/AFP



insgesamt 144 Beiträge
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si tacuisses 14.07.2013
1. Herr Steinbrück, despektierlich auch
Zitat von sysopDPAIn Umfragen liegt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück abgeschlagen zurück. Für seine Schlussoffensive beruft er sich nun auf Gerhard Schröder - auch der sei schließlich vor seinem Wahlsieg 2002 schon abgeschrieben gewesen. Hannelore Kraft rät ihm: Bleib, wie du bist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-blaest-zu-schlussoffensive-a-911045.html
" Das Fettnäpfchensuchgerät der Spezialdemokratie " genannt, bläste die Backen auf und dann macht es pffffffft.... und alle Luft ist raus. Platte Reifen sind zu nichts nütze.
atech 14.07.2013
2. Wahlkampf
Zitat von sysopDPAIn Umfragen liegt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück abgeschlagen zurück. Für seine Schlussoffensive beruft er sich nun auf Gerhard Schröder - auch der sei schließlich vor seinem Wahlsieg 2002 schon abgeschrieben gewesen. Hannelore Kraft rät ihm: Bleib, wie du bist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-blaest-zu-schlussoffensive-a-911045.html
aufholen kann Steinbrück nur, wenn er nicht nur verbal angreift, sondern auch ganz klar sagt, was er anders machen würde, wenn er Kanzler wäre. Wie etwa bei der Spionage-Affaire: würde er den US-Amerikanern Schnüffel-Lizenzen verweigern? Würde er Edward Snowden die deutsche Staatsbürgerschaft anbieten und seine Abschiebung in die USA verweigern? Meckern kann jeder. Konkrete Vorschläge für Verbesserungen/Änderungen sind schon schwieriger. Und dann auch noch durchführen...darauf warten wir Deutsche nach dem Wahlkampf immer vergebens.
toskana2 14.07.2013
3. "Bleib, wie du bist"?
Zitat von sysopDPAIn Umfragen liegt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück abgeschlagen zurück. Für seine Schlussoffensive beruft er sich nun auf Gerhard Schröder - auch der sei schließlich vor seinem Wahlsieg 2002 schon abgeschrieben gewesen. Hannelore Kraft rät ihm: Bleib, wie du bist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-blaest-zu-schlussoffensive-a-911045.html
Einen abgedroscheneren Spruch als "Bleib, wie du bist" gibt es kaum. Und "Ecken und Kanten" als Empfehlung für einen Politiker reicht längst nicht aus. Gas-Gerd hatte auch "Ecken und Kanten", konnte aber regieren und tappte nicht in jedes Fettnäpfen, was ihm über den Weg lief. Die zwei miteinander zu vergleichen, ist deshalb ziemlich abwegig.
fuenfringe 14.07.2013
4. Oh Gott
Zitat von sysopDPAIn Umfragen liegt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück abgeschlagen zurück. Für seine Schlussoffensive beruft er sich nun auf Gerhard Schröder - auch der sei schließlich vor seinem Wahlsieg 2002 schon abgeschrieben gewesen. Hannelore Kraft rät ihm: Bleib, wie du bist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-blaest-zu-schlussoffensive-a-911045.html
bitte Steinbrück... jetzt nicht noch mehr Einfälle. Nicht, dass es mir um die SPD in den Umfragen leid täte. Aber ich muss jedes Mal so lachen, dass mir der Bauch weh tut.
cafe_kehse 14.07.2013
5. Steinbrücks Irrungen
Je eher es zur Wahl geht, umsomehr scharen sich die unentschlossenen Wähler um den jeweils amtierenden Kanzler. Regierungswechsel sind bei Wahlumfragen meistens in der Mitte der Wahlperiode feststustellen, dann, wenn es ungefährlich ist, sich zur Opposition zu bekennen. Das nimmt aber ab, je näher es zum Wahltermin kommt. Der untertänige Deutsche ist eben so, er paktiert lieber mit seinem "Führer", "Königsabwahl" ist seine Sache nicht, von Ausnahmen (z. B. 1998) abgesehen, als es nach 16 Jahren mit dem alternden Kohl wirklich nicht mehr ging. 2002 war Schröder ein "Amtierender", als ihm auch noch die Flut zu Hilfe kam. Das alles trifft 2013 nicht zu.
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