Steinbrücks Abschiedsrede "Dies war der letzte Ton aus meinem Jagdhorn"

Er war NRW-Ministerpräsident, Finanzminister, Kanzlerkandidat der SPD - nun verabschiedete sich Peer Steinbrück mit einer launigen Rede aus dem Bundestag.


Peer Steinbrück hat seine letzte Rede im Bundestag zu einem eindringlichen Plädoyer für Europa genutzt. "Wir dürfen von den Bürgern gemeinsam nicht als ein Politikkartell missverstanden werden, das ihre Befindlichkeiten wegfiltert. Und dieses Risiko besteht", rief der SPD-Politiker seinen Kollegen im Plenum zu.

Mitte Juli hatte Steinbrück, 69, seine Entscheidung, das Mandat aufzugeben, verkündet. Im Bundestagswahlkampf 2017 würde er mit seiner selbst auferlegten Zurückhaltung der SPD nicht helfen können, sagte er.

Launig und unterhaltsam präsentierte sich Steinbrück bei seinem Abschied. "Als ich vor 47 Jahren in die SPD eintrat, da dachte ich, dass die Verteilung von Sumpfhühnern und Schlaubergern ziemlich einseitig auf die Parteien verteilt ist. Und ich gehörte natürlich zur Partei der Schlauberger."

Inzwischen habe er aber gelernt, dass die Verteilung solcher Sumpfhühner und Schlauberger in und zwischen den Parteien der Normalverteilung der Bevölkerung folgt. Dies habe ihm die interfraktionelle Zusammenarbeit erleichtert.

Steinbrück warnte vor einem "Rückzug in die Wagenburg" des Populismus und Chauvinismus. Angesichts der "spürbaren Desorientierung und Verunsicherung in nicht zu vernachlässigenden Teilen unserer Gesellschaft" müssten die Parteien im Bundestag "die Bühne liefern, auf der die zentralen Zukunftsfragen debattiert werden", forderte er.

Steinbrück gehörte seit 2009 dem Bundestag an. Zur Bundestagswahl 2013 trat er als Kanzlerkandidat gegen Amtsinhaberin Merkel an, verlor aber gegen die CDU-Vorsitzende. Steinbrück war im Verlauf seiner politischen Karriere Landesminister in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen und zwischen 2002 und 2005 auch nordrhein-westfälischer Ministerpräsident. Danach war er in der großen Koalition unter Merkel Bundesfinanzminister.

Am Ende seiner letzten Rede sagte Steinbrück stilecht: "Dies, Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, das war der letzte Ton aus meinem Jagdhorn. Vielen Dank."

als/AFP/dpa



insgesamt 49 Beiträge
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siebke 29.09.2016
1. Groß !
...für mich tritt ein Großer der politischen Bühne ab. Ein Querkopf. mit Ecken und Kanten !
vliege 29.09.2016
2. Für mich,
tritt ein grossmäuliger Schaumschläger ab. Als Finanzminister wollte er die Kavallerie satteln und ließ nebenbei CumEx und andere krumme Geschäfte zum Schaden des Steuerzahlers zu.
mucki007 29.09.2016
3. kein Verlust für Deutschland
Schaumschläger und Sprücheklopfer und nichts dahinter.
deckeldrauffete 29.09.2016
4. Danke Herr Steinbrück,
dafür dass Sie nicht in der Masse der "Dabei sein ist alles" Typen im Bundestag agiert haben. "Besser ein eckiges Etwas zu sein, als ein rundes Nichts." (Hebbel) -
i.dietz 29.09.2016
5. Er geht wenigstens
bevor er abgewählt wird !
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