Kanzlerkandidaten-Rennen in der SPD Steinbrück greift an

Das Kanzlerkandidaten-Rennen in der SPD geht in die entscheidende Phase - und Peer Steinbrück präsentiert sich dafür gut gerüstet. Nach einem Afrika-Abenteuerurlaub mit Familie will der Sozialdemokrat jetzt die Offensive gegen die Konkurrenten Steinmeier und Gabriel suchen.

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Berlin - Er ist wirklich mal ganz raus gewesen. Drei Wochen war Peer Steinbrück, 65, im südlichen Afrika unterwegs, weit weg von Berlin, der SPD und dem Kanzlerkandidaten-Rennen. Außer einigen wenigen Telefonaten mit seinem Bundestagsbüro und Vertrauten widmete sich der Sozialdemokrat ausschließlich der Abenteuerlust auf zahlreichen Safari-Ausflügen und der mitreisenden Familie. Einer der Höhepunkte auf Steinbrücks Afrika-Tour, wie zu hören ist: ein Trip zu den mächtigen Victoria-Wasserfällen zwischen Simbabwe und Sambia.

Steinbrück hat so richtig Kraft getankt, und die wird er zweifellos brauchen in den kommenden Wochen. Denn der Mann hat sich einiges vorgenommen für den Spätsommer, da das Rennen um die SPD-Kanzlerkandidatur in die entscheidende Phase geht.

Er will angreifen. Offensiv spielen, so würde das ein Schachspieler wie Steinbrück wohl ausdrücken.

Seit ein paar Tagen ist er wieder zu Hause, berichten Vertraute. Dem früheren Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen dürfte nicht entgangen sein, welches Polit-Feuerwerk sein Parteichef in den vergangenen Wochen abgebrannt hat. Kaum ein Tag verging, an dem Sigmar Gabriel nicht wirbelte, obwohl er sich eigentlich den Sommer über ausschließlich um Töchterchen Marie kümmern wollte. Und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der zweite Konkurrent um die SPD-Kanzlerkandidatur, hat sich auch schon mehrfach zu Wort gemeldet.

"Bild" fragt: "Wo ist eigentlich Peer Steinbrück?"

Im SPIEGEL konnte Steinbrück am Montag lesen, dass Steinmeier inzwischen als klarer Favorit auf die SPD-Kanzlerkandidatur gilt, weil er in der Partei die meisten Unterstützer hat und auch in der Bevölkerung beliebt ist. Am Mittwoch schrieb die "Frankfurter Allgemeine" gar, dass Steinbrück "die Puste auszugehen scheint" und er ohnehin nur zum Mitglied der sogenannten SPD-Troika gemacht wurde, damit es nicht zum Duell zwischen Steinmeier und Gabriel kommt. "Wo ist eigentlich Peer Steinbrück?" fragte am Donnerstag die "Bild"-Zeitung.

Steinbrück, so ist zu hören, nimmt das schulterzuckend zur Kenntnis. Aus seiner Sicht stellt sich die Lage ganz anders dar. Für ihn läuft alles nach Plan, heißt es: "Er ist total entspannt." Aber die anderen sollen nun auch merken, dass Steinbrück wieder da ist. Und erst recht die Öffentlichkeit.

Beginnend mit dem Wochenende wird sich Steinbrück mit einigen großen Interviews zu Wort melden. Schon an diesem Donnerstag erschien der "Stern" mit einer mehrseitigen Reportage, die den SPD-Politiker auf Wahlkreistour zeigt. Sie enthält zwei Kernaussagen: Steinbrück kann auch mit der Basis - und er macht sich bereits Gedanken über seine Kampagne als Kanzlerkandidat.

Großer Aufschlag im September zur Finanzmarktregulierung

Ende August will Steinbrück nochmals in die Provinz, Genossenseelenstreicheln in Ostwestfalen und im Sauerland - und dann macht sich der Ex-Finanzminister bereit für seinen Aufschlag in Berlin: Im September wird Steinbrück sein Konzept zur Regulierung der Finanzmärkte vorstellen. Die Rede ist von einem großen Wurf, auf Arbeitsebene ist man damit wohl schon in den letzten Zügen. Dass Gabriel zuletzt bereits mit einem Bankenpapier vorpreschte, juckt den dafür zuständigen Troikaner offenbar wenig. "Einzelteile würden ja noch keinen Motor machen", heißt es trocken aus Steinbrücks Umfeld.

Steinbrücks Herbstoffensive dürften sicher auch die beiden Biografien nicht schaden, die im Oktober und November erscheinen sollen. Das Interesse an seiner Person ist offenbar nach wie vor groß.

Von wegen, zu früh gestartet und bereits ermattet. Das muss sich Steinbrück anhören, seitdem er als erster aus der Troika seine Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur erklärte. Eine Zeitlang sahen ihn die Demoskopen sogar auf Augenhöhe mit Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel in den Umfragen, doch damit ist es seit Monaten vorbei. Steinbrück kümmert auch das wenig. Dass Merkel im Moment als Krisenmanagerin unantastbar ist, wundert ihn nicht. Aber gewählt wird erst im kommenden Herbst - bis dahin kann noch viel passieren.

Peer Steinbrück, so scheint es, ist bereit für den Kampf gegen Merkel. Aber zunächst mal muss er dafür SPD-Kanzlerkandidat werden.



insgesamt 119 Beiträge
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mexi42 09.08.2012
1. Peer ist ...
ungeeignet, weil er für höchste Finanzgrundsatzurteile Nichtanwendungserlasse verfügte und dafür von Richtern kritisiert wurde.
01099 09.08.2012
2. Ach ja...
Versteht denn die SPD nicht, das man mit den alten Nasen keine Wahl gewinnen kann? Die "duften" alle nach Hartz4 und Schröder und das die Partei ihre soziale Ausrichtung aufgegeben hat, ist allen Menschen noch im Gedächtnis. Steinbrück war in der Großen Koalition Finanzminister, Steinmeier hat die Agenda 2010 inklusive Hartz4 entwickelt und Gabriel war eh immer nur ein lächerlicher "Bundesheißluftminister", der sich in der Sonne seines Chefs gesonnt hat, ohne das Glanz auf ihn übergehen wollte. Zudem haben die Menschen im Land noch stark in Erinnerung, das schon einmal ein Dreiergespann der SPD grandios gescheitert ist. Die "Troika des Grauens" wird sich bei der nächsten Wahl umgucken.
andyby1960 09.08.2012
3. Schickt Ihn zurück nach Afrika
Zitat von sysopDPADas Kanzlerkandidaten-Rennen in der SPD geht in die entscheidende Phase - und Peer Steinbrück präsentiert sich dafür gut gerüstet: Nach einem Afrika-Abenteuer-Urlaub mit Familie will der Sozialdemokrat jetzt die Offensive gegen die Konkurrenten Steinmeier und Gabriel suchen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,848998,00.html
Schade das er nicht in Afrika geblieben ist. Hätte noch viel mehr Abenteuer dort suchen sollen...hoffentlich bleibt uns das Abenteuer mit einem Kanzler Steinbrück erspart.... Jemand der fast alle Wahlen verloren hat und kaltschnäuzig die Agenda 2010 mit vertrat ist für mich nicht wählbar...
artusdanielhoerfeld 09.08.2012
4. Wir bräuchten...
...einen wie Hollande, aber der ist weit und breit nicht zu sehen. Stattdessen bietet selbst (?) die SPD nur Leute auf, die uns das Leben entweder selbst schwer machen wollen, oder als GroKo-Junior im Windschatten Alternativlos-Merkel keinen Finger für uns rühren.
euroberliner 09.08.2012
5. Peer und Angela...
Zitat von sysopDPADas Kanzlerkandidaten-Rennen in der SPD geht in die entscheidende Phase - und Peer Steinbrück präsentiert sich dafür gut gerüstet: Nach einem Afrika-Abenteuer-Urlaub mit Familie will der Sozialdemokrat jetzt die Offensive gegen die Konkurrenten Steinmeier und Gabriel suchen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,848998,00.html
...sind das Traumpaar für 2013. Große Koalition, nichts anderes wirds geben. Peer ist genau auf "Muttis" Weg. Gleiche Gedanken und politische Richtung. Chefin bleibt natürlich Angela.
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