Wahlkampf: Unternehmer finanzieren Weblog für Steinbrück

Ein Blog für den Kanzlerkandidaten: Unternehmen zahlen für die peerblog-Redaktion Zur Großansicht

Ein Blog für den Kanzlerkandidaten: Unternehmen zahlen für die peerblog-Redaktion

Peer Steinbrück gilt als nicht besonders Internet-affin. Trotzdem gibt es jetzt einen Blog für den SPD-Kanzlerkandidaten. Dessen Redaktion gibt sich als Enthusiasten, für die Finanzierung sorgen Unternehmer. Als Vorbild werden die USA angegeben.

Das ist Wahlkampf, amerikanische Art: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lässt sich ab sofort im Internet von einem privat finanzierten Weblog unterstützen. Die Webseite soll ihn bis zum Wahltag begleiten. Die Kosten für peerblog.de, eine sechsstellige Summe, tragen nach Informationen des SPIEGEL fünf Unternehmer, die vorerst anonym bleiben wollen und auf dem Blog als "herausragende Unternehmerpersönlichkeiten" bezeichnet werden, die "Peer Steinbrück, seine politische Kompetenz und seine Persönlichkeit schätzen".

Die Texte für den Blog soll eine fünfköpfige Redaktion unter Führung des früheren "Focus"-Redakteurs Karl-Heinz Steinkühler liefern. Zudem soll das Redaktionsteam Gastautoren und Kolumnisten organisieren.

Laut Steinkühler soll der Blog die öffentliche Wahrnehmung des Kandidaten positiv verändern, dabei aber unabhängig vom SPD-Wahlkampfteam operieren, dass gelegentlich im Auftrag des SPD-Mannes twittere. Man habe "Steinbrück nur gefragt, ob wir für ihn bloggen dürfen", heißt es auf der Seite. Zudem habe man ein Konzept präsentiert und gezeigt "wie in den USA politische Kommunikation tagesaktuell betrieben wird".

Schließlich habe der Kanzlerkandidat "sein Okay gegeben", dass man seinen Namen, abseits von der Partei, für den Blog verwenden dürfe.

Mehrfach betonen die Autoren auf dem Blog ihre Unabhängigkeit. Die Meinung der Autoren könne "durchaus konträr zu den Politikansätzen des Kanzlerkandidaten stehen" - müssen es aber nicht. Auch könne es vorkommen, das "Sozialdemokraten auf diesen Seiten ihre Ansichten und politischen Konzepte gelegentlich publizieren". Das habe aber nichts mit einer möglichen Verbindung zum Wahlkampfteam zu tun: "Die gibt es nicht."

Redaktionsleiter Steinkühler ist allerdings ein langjähriger Vertrauter von Hans-Roland Fäßler, dem offiziellen Wahlkampfberater von Steinbrück. Außerdem gilt der Journalist als einer von mehreren Autoren, die 2010 unter Pseudonymen mit dem Enthüllungsblog "Wir in NRW" maßgeblich zum Sturz des damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und zum Wahlsieg von Rot-Grün in Düsseldorf beigetragen hatten.

Der peerblog, so Steinkühler, sei zwar nicht als Investigativ-Blog angelegt. "Wir wehren uns aber auch nicht gegen Dokumente, wenn sie uns auf den Tisch flattern." Zur Frage der Finanzierung heißt es auf dem Blog schließlich: "Das Vorbild sind die USA, dort spenden Unternehmer Millionen für ihre Kandidaten, weniger für die Parteien."

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Die Gefälligkeiten-Falle
zweiundvierzig 03.02.2013
"Das Vorbild sind die USA, dort spenden Unternehmer Millionen für ihre Kandidaten, weniger für die Parteien." Falsch! Denn genau deswegen sind die USA auf keinen Fall ein Vorbild. Eine derartige Verquickung von Politik und Wirtschaft gilt es nicht zu imitieren, sondern zu bekämpfen. Die typischen Mechanismen von "wir haben dir einen Gefallen getan, wenn du an der Macht bist, musst du uns also auch welche tun" sind in solchen Konstellationen doch unvermeidlich - und sogar nachvollziehbar. Deswegen ist so etwas ein Nährboden für Korruption und untergräbt die Demokratie. Selbst Politiker mit ehrlichen Absichten tappen da in diese Gefälligkeiten-Falle (und müssen vor sich selbst geschützt werden im Interesse der Demokratie). Wenn wir unsere Demokratie wieder auf einen vernünftigen Weg bringen wollen, müssen wir dringen den Einfluss der Unternehmen auf die Politik mit scharfen gesetzlichen Bestimmungen zurückdrängen und Politiker sollten sich auf solche Dinge gar nicht einlassen (dürfen). Ich vermute auch, mit der Vorgeschichte, wird ein Unternehmer-Blog dem Kandidaten eher schaden als nützen.
2. Na endlich
awbferdi 03.02.2013
Zitat von sysopPeer Steinbrück als nicht besonders Internet-affin. Trotzdem gibt es jetzt einen Blog für den SPD-Kanzlerkandidaten. Dessen Redaktion gibt sich als Enthusiasten, für die Finanzierung sorgen Unternehmer. Als Vorbild werden die USA angegeben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-unternehmer-finanzieren-sein-internetblog-a-881218.html
Da soll noch einer behaupten, die SPD und damit der Genosse Steinbrück könnte nicht mit Geld umgehen. Warum sollte der Kanzlerkandidat der SPD hinter den regierungsamtlichen Internet-Auftritten und Medien-Verlautbarungen zurückstehen? Hier ist Waffengleichheit Voraussetzung. Dann kann es gelingen und muss es gelingen, diese unsägliche schwarz-gelbe Regierung endlich abzulösen. Wahltag ist Zahltag. Grün-rot kann Regierung. Grüetzi. f.
3.
garfield 03.02.2013
Zitat von sysopPeer Steinbrück als nicht besonders Internet-affin. Trotzdem gibt es jetzt einen Blog für den SPD-Kanzlerkandidaten. Dessen Redaktion gibt sich als Enthusiasten, für die Finanzierung sorgen Unternehmer. Als Vorbild werden die USA angegeben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-unternehmer-finanzieren-sein-internetblog-a-881218.html
Für die Finanzierung sorgen Unternehmer? Na, passt doch. Vermutlich "kleine Handwerker von um die Ecke", hahaha. Redaktionell werden die Texte unter Führung eines früheren "Focus"-Re(d)aktionär - äh Redakteur - geliefert. Jaja, der Focus, das Sturmgeschütz "linker" Berichterstattung. Dass es passt, hatte ich wohl schon geschrieben. Damit hier kein falscher Zungenschlag aufkommt: Steinbrück hat noch nie eine Wahl gewonnen. Im Gegenteil er hatte 2005 krachend mit einem der schlechtesten Wahlergebnisse für die SPD gegen einen Rüttgers verloren. Der Wahlsieg 2010 lag wohl auch daran, dass man statt Steinbrück Frau Kraft ins Rennen schickte. Hahaha, wie könnte das auch die Absicht sein. Es reicht doch schon, was bisher über den Kandidaten rausgekommen ist. Gut so, so sieht man noch deutlicher, wer wessen Büttel ist und auf wessen "Gehaltslisten" so mancher Politiker steht. Dass dieser Typ aber auch wirklich keinen Fettnapf auslässt. Na, mir soll's recht sein. Kann nur gut sein für den Lernprozess der Spezialdemokraten, der schon lange überfällig ist.
4.
besserbescheidwisser 03.02.2013
Zitat von sysopPeer Steinbrück als nicht besonders Internet-affin. Trotzdem gibt es jetzt einen Blog für den SPD-Kanzlerkandidaten. Dessen Redaktion gibt sich als Enthusiasten, für die Finanzierung sorgen Unternehmer. Als Vorbild werden die USA angegeben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-unternehmer-finanzieren-sein-internetblog-a-881218.html
Eine millionenschwere Werbekampagne finanziert von Großunternehmen -P€€r $teinbrück lässt mal wieder kein Fettnäpfchen aus.
5. Der Genosse der.......
curti 03.02.2013
Zitat von sysopPeer Steinbrück als nicht besonders Internet-affin. Trotzdem gibt es jetzt einen Blog für den SPD-Kanzlerkandidaten. Dessen Redaktion gibt sich als Enthusiasten, für die Finanzierung sorgen Unternehmer. Als Vorbild werden die USA angegeben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-unternehmer-finanzieren-sein-internetblog-a-881218.html
.....Bosse unterstreicht erneut, wessen Knecht er ist. Soll keiner von denen, die für ihn das Kreuz machen, sagen, man hätte es mißverstanden wenn sie später von ihm und seiner Truppe abgewatscht werden. Hoffe es kommt nicht soweit!
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