Pegada in Erfurt Hunderte demonstrieren gegen "Amerikanisierung des Abendlandes"

Es war die erste Demonstration der selbst ernannten "Patriotischen Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes": Rund tausend Pegada-Anhänger sind in Erfurt auf 600 Gegner getroffen. Es kam zu Pfeifkonzerten und Gerangel.

DPA

Erfurt - In Erfurt sind rund tausend Menschen unter dem Motto "Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes" (Pegada) auf die Straße gegangen. Auf Spruchbändern warnten sie vor den USA als "Terrormacht", einem Bruch mit Russland und einem dritten Weltkrieg. Es war der erste Aufmarsch von Pegada-Anhängern.

Auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof trafen sie auf rund 600 Gegendemonstranten. "Wir können nicht auseinanderhalten, wer Gegner, wer Befürworter ist", hatte ein Polizeisprecher zum Auftakt der Demo gesagt. Nach hitzig geführten Debatten zwischen beiden Seiten kam es zu Gerangel.

Pfeifkonzerte unterbrachen immer wieder die Versuche von Pegada-Rednern, sich Gehör zu verschaffen. Zudem zwangen Sitzblockaden von Antifa-Gruppen die Pegada-Anhänger, ihre ursprünglich geplante Marschroute durch die Innenstadt zum Domplatz aufzugeben. In weitem Bogen mussten sie mit Polizeieskorte zum Bahnhof zurückkehren, um dort ihre Kundgebung abzuhalten. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb die Gruppe nach der Demo: "Dieser Tag in Erfurt war der Beginn von etwas unglaublich großem!"

Nach Ansicht von Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und antifaschistischen Gruppen steckt hinter Pegada ein "kruder Zusammenschluss" von Verschwörungstheoretikern, Neonazis und gewaltbereiten Hooligans. Pegada ist kein offizieller Ableger der Dresdner Pegida ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes"). Der ähnliche Name sei aber bewusst gewählt worden.

Pegida-Anhänger hatten sich am Freitagabend zu einer Diskussionsveranstaltung in Dresden getroffen - an der überraschend auch SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel teilnahm. "Ich finde, mit den Menschen müssen wir besser in Kontakt kommen", sagte der Wirtschaftsminister, der seine Teilnahme als rein privat deklarierte. "Reden ist das Einzige, was man in der Demokratie machen kann."

aar/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 528 Beiträge
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jimbei 24.01.2015
1. Seltsamer Haufen
Ich weiß jetzt nicht was seltsamer ist PEGADA oder PEGIDA. Haha es gibt schon einige Pseudolinke und Gardinenbraune, die reichlich alles ausgrenzen und gegen alles wettern. Haben wir gegenüber den USA keine geschichtliche Verantwortung? Deutschland schafft sich eher durch solche Leute ab, statt durch kulturell bereichernde Ausländische Mitbürger.
Shoxus 24.01.2015
2. Natürlich
wieder alles mit Nazis durchsetzt. Komisch. Fällt eigentlich irgendjemandem auf, das wenn man das bestehende System kritisiert sofort ein Nazi ist? Fakt ist nunmal das wir etwas zu viel Amerika und zu wenig Europa haben. Man sieht ja das net viel passiert ist nach NSA, Folter, völkerrechtswidrigem Angriffskrieg. Jojo die USA sind schon alternativlos, gelle? ;)
superbiti 24.01.2015
3. facepalm
jetzt ist es soweit, deutschland dreht durch! nach pegida nun pegada und bald noch pegdipda (patriotische europäer gegen die inflationäre pegisierung des abendlandes)? zeit zum auswandern...
garfield 24.01.2015
4.
Ich scheue mich nach wie vor, mich eindeutig zu PEGIDA oder PEGADA zu positionieren, dazu ist erstere Bewegung, deren Ängste und Motive zu heterogen - die Reaktion darauf allerdings oft genug unangemessen homogen und unklug, wie ich finde. Aber auf den ersten Blick würde ich sagen, dass die Amerikanisierung schon weiter fortgeschritten ist als die Islamisierung - was allerdings die Selbstbenamsung etwas seltsam macht, denn ich hätte Amerika bereits jetzt ohnehin zum Abendland gezählt. Sollten die sich nicht eher PEGAE nennen (muss ich jetzt nicht ausschreiben, oder)?
hausierer 24.01.2015
5. Es ist schon wahnsinn...
wie schwer man sich hier in Deutschland mit dem Begriff " Demokratie " tut...hat denn niemand in der Schule aufgepaßt oder wurde uns gar nicht beigebracht, daß es in einer " Demokratie " auch andere Meinungen gibt ?? Die Hetzkampagnen gegen Pegida und Co zeigen doch sehr deutlich , daß wir für eine echte Demokratie immer noch nicht reif sind...wir lassen uns hier gegeneinander aufhetzen und werden die Probleme, die wir uns hier permanent importieren erst begreifen, wenn es zu spät ist...
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