Altkanzler Schmidt und Schröder über Pegida "Dumpfe Vorurteile, Fremdenhass, Intoleranz"

Erst die Amtsinhaberin, jetzt zwei ihrer Vorgänger: Die Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder haben die antiislamische Pegida-Bewegung scharf verurteilt. In der "Bild"-Zeitung melden sich weitere Promis zu Wort.

Helmut Schmidt: "Deutschland muss weltoffen und tolerant bleiben"
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Helmut Schmidt: "Deutschland muss weltoffen und tolerant bleiben"


Berlin - Die beiden Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder (beide SPD) haben gegen die islamfeindliche Bewegung Pegida das Wort erhoben. Schmidt sagte der "Bild"-Zeitung, die Proteste appellierten an "dumpfe Vorurteile, an Fremdenhass und Intoleranz". Das jedoch sei nicht Deutschland. Die Bundesrepublik dürfe Flüchtlinge und Asylbewerber nicht verstoßen. "Deutschland muss weltoffen und tolerant bleiben."

Schröder forderte erneut einen neuen "Aufstand der Anständigen" gegen Fremdenfeindlichkeit. Dazu hatte Schröder im Jahr 2000 nach einem Brandanschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge aufgerufen. Er lobte die Haltung von Parteien und Kirchen, die eine "klare Position gegen Pegida gefunden haben".

Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss sich dem gemeinsamen Appell gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz an. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, Pegida schade nicht nur dem Land, es werfe auch ein "schlechtes Bild auf Deutschland im Ausland". Umso wichtiger sei es, zu verdeutlichen, "dass diejenigen, die da auf einigen Straßen ihre Parolen rufen, eine kleine Minderheit mit einer lauten Stimme sind". Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Wer mit "diffusen Ängsten spielt oder Fremdenfeindlichkeit schürt, spricht nicht für die Mehrheit".

AfD verteidigt Kontakte zu Pegida

Der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, sprach sich ebenfalls deutlich für Zuwanderung aus. "Deutschland tut qualifizierte Einwanderung richtig gut." Gegen jede Fremdenfeindlichkeit müsse vorgegangen werden. Auch Promis wie Thomas Gottschalk oder Udo Lindenberg ("Ich bin für 'ne knallebunte Republik") meldeten sich zu Wort.

Die Alternative für Deutschland (AfD) verteidigte ihre Kontakte zur Pegida-Bewegung. "Gespräche sind völlig in Ordnung. Wenn man mit einer Bürgerbewegung redet, ist das noch lange kein Schulterschluss", sagte der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke. Die Bewegung sei ein neues Phänomen, das noch schwer einzuschätzen sei.

Am Montagabend hatten sich erneut Tausende Demonstranten in mehreren deutschen Städten zu Protesten versammelt, darunter in Dresden und in Köln. Die Anhänger der Bewegung Pegida und ihrer Ableger protestierten dabei gegen eine von ihnen befürchtete "Islamisierung des Abendlandes". Tausende Gegendemonstranten stellten sich ihnen entgegen.

fab/AFP

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