Interne Facebook-Gruppe Pegida-Anführer nutzen Hitler-Zitate und rassistische Parolen

Mitglieder des Pegida-Organisationsteams haben sich in internen Diskussionen offen ausländerfeindlich geäußert. Das belegen Protokolle aus ihrer geschlossenen Facebook-Gruppe, in die DER SPIEGEL Einblick nehmen konnte.

Pegida-Versammlung in Dresden (5. Januar 2015): "Name viel zu nett"
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Pegida-Versammlung in Dresden (5. Januar 2015): "Name viel zu nett"


Organisatoren der islamfeindlichen Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) haben von Beginn an rassistische Parolen und Hitler-Zitate eingesetzt, um Anhänger zu mobilisieren. Das berichtet DER SPIEGEL, der Einblick in eine geschlossene Facebook-Gruppe von Pegida nehmen konnte. (Lesen Sie die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 3/2015
Anschlag auf die Freiheit

Siegfried Däbritz, der zum zehnköpfigen Organisationsteam von Pegida gehört, beschimpfte Muslime als "mohammedanische Kamelwämser" oder "Schluchtenscheißer". Über die Kurden, die sich dem Terror des "Islamischen Staates" widersetzen, schrieb er auf Facebook: "Sie sind genauso eine große Gefahr für das zivilisierte Europa / Deutschland wie alle anderen Strömungen innerhalb der Mohammedaner." Däbritz war zuvor Mitglied der FDP und saß in seiner Heimatstadt Meißen im Vorstand der Liberalen.

Thomas Tallacker, ebenfalls Mitglied im Organisationsteam, hetzte bereits im Sommer 2013 auf Facebook gegen Asylbewerber: "Was wollen wir mit dem zu 90 % ungebildeten Pack was hier nur Hartz 4 kassiert und unseren Sozialstaat ausblutet." Nach Berichten über eine Messerstecherei an einem Badesee mutmaßte er: "Bestimmt wieder ein in seiner Entwicklung gestörter oder halbverhungerter Ramadan Türke." Tallacker war Stadtrat der CDU in Meißen, bis ihn seine Partei dazu drängte, dieses Mandat niederzulegen. Däbritz und Tallacker wollten Anfragen des SPIEGEL nicht beantworten.

Wie die internen Facebook-Diskussionen zeigen, stritt die Gruppe in der Anfangszeit über ihren Namen. Ursprünglich sollte Pegida "Friedliche Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" heißen. Damit waren manche unzufrieden. Einer kritisierte: "Ich finde den Namen viel zu nett und gutmenschenfraktionskompatibel. Haben wir das nötig?? Warum muss unbedingt friedliebend rein? Europäer? Ich bin deutscher... NATIONAL ist das Wort."



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 269 Beiträge
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alsterdorfkater 10.01.2015
1. Dem Herrn Bachmann
und seinen Konsorten geht es doch Null um eine "Islamisierung". Es geht ihnen nur darum Unfrieden zu stiften und um an die Fleischtöpfe des von ihnen so abgelehnten "Systems" zu kommen. Anders läßt sich die Eintragung als Verein auch nicht erklären. Bei Herrn Bachmann sehe ich zudem einen gesteigerten Drang als Selbstdarsteller bekannt zu werden. Erst der weggenommene Wurststand auf dem Strietzelmarkt, dann seine Leserreportertätigkeit für "Bild" und nun Pegida. Der Mann ist einfach mediengeil.
lilioceris 10.01.2015
2. Das da
auch Nazis mitmischen, ist klar. Die PEGIDA sollte klare Positionen vertreten und sich schleunigst von solchen Leuten trennen. Ansonsten ist sie schnell am Ende.
naru4ever 10.01.2015
3. Mal sehen...
... was die Pegida-Anhänger jetzt aus dem Hut zaubern werden, um zu beweisen, dass Pegida nicht rassistisch ist... Lügenpresse? Ausrutscher? Gefälschte Nachrichten? Mal sehen... Um ehrlich zu sein wundert mich diese Meldung nicht, aber der Fakt dass so viele Menschen diesen Leuten immer noch blind folgen, und ernsthaft meinen nicht rassistisch zu sein, ist im höchsten Maße erschreckend...
vielflieger_1970 10.01.2015
4. Nichts wirklich Erkenntnisbringendes
Genau deswegen bin ich ja gegen Pegida, weil der Verein eben von einem neofaschistischen Haufen Kleinkrimineller angeführt wird! Ich würde bei weitem nicht hat jedem Demonstranten unterstellen, dieser Fraktion anzugehören. Aber ich unterstelle, dass sie wissentlich eben diesen Rattenfängern nachlaufen! Demonstrationsrecht ist gut und wichtig, aber bitte nie unter dem Deckmantel der Intoleranz und der Ausländerfeindlichkeit! Und bitte immer mit Fakten, nicht mit gefühltem Mikrokosmos!
vielflieger_1970 10.01.2015
5.
Zitat von liliocerisauch Nazis mitmischen, ist klar. Die PEGIDA sollte klare Positionen vertreten und sich schleunigst von solchen Leuten trennen. Ansonsten ist sie schnell am Ende.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: dass da auch normale Bürger mitmischen, ist klar. Die Organisationsspitze ist durchsetzt von Kleinkriminellen und polizeibekannten Hools wie Nazis! Deshalb kann Pegida keine andere Position vertreten, ohne sich aufzulösen.
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