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06. Januar 2015, 18:28 Uhr

Massenprotest in Sachsen

Fünf Gründe für Pegidas Erfolg in Dresden

Von und , Dresden

Deutschland lehnt sich gegen Pegida auf - überall gibt es Gegendemos. Nur in Dresden kommen immer mehr Menschen zu den Anti-Islam-Märschen. Warum gerade die Stadt in Sachsen? Fünf Theorien.

Pegida hat einen neuen Slogan: "Dresden zeigt, wie's geht", riefen die Anhänger an diesem Montagabend bei der elften Kundgebung - noch etwas holprig, doch ihr Anspruch ist klar: Wir sind das Original, das große Vorbild für all diese neuen "-das".

Sie heißen Bogida in Bonn, Mügida in München, Bärgida in Berlin oder seit Neuestem auch Kögida in Köln. Doch sind diese Pegida-Ableger wenig mehr als müde Abklatsche. Bisher versammelten sich in den westdeutschen Städten nur versprengte Häufchen von vielleicht einigen Hundert Menschen, wie in Köln, wo es vor allem Rechtspopulisten und -extremisten sowie Hooligans waren (lesen Sie hier die Reportage aus Köln).

Anders das Bild in Dresden, wo diese Gruppen auch vertreten sind, sich aber vor allem frustrierte und wütende Bürger montags versammeln. 18.000 sollen es der Polizei zufolge dieses Mal gewesen sein - etwas mehr als bei der letzten Pegida-Kundgebung vor Weihnachten. Man kann über diese Zahlen streiten, auch weil die Beamten bei der Abschlusskundgebung dann deutlich weniger zählten, nämlich nur rund 10.000 Teilnehmer. Fakt ist, dass Tausende kommen - und sie den Gegendemonstranten, anders als im Westen der Republik, zahlenmäßig weit überlegen sind.

Drei Feindbilder einen die Pegida-Anhänger: Fremde und Flüchtlinge, die Politik und die Medien. "Lügenpresse, Lügenpresse!" und "Volksverräter, Volksverräter!" skandieren sie - sprechen von "Asylindustrie" und "Wirtschaftsflüchtlingen", die wieder zurück in ihre Heimat gebracht werden müssten.

Von Woche zu Woche klingen die Slogans in Sachsen aggressiver - warum ist das so? Warum hat Pegida in Sachsen solch einen Erfolg? Fünf Erklärungsversuche:

Die Pegida-Organisatoren in Dresden, die bisher recht geschickt vorgehen, indem sie immer wieder ihre Gewaltfreiheit betonen und ein gemäßigtes Thesenpapier verfasst haben, wissen um ihren Einfluss - und ihre Anziehungskraft auch für immer mehr auswärtige Anhänger (lesen Sie hier ein Porträt der Sprecherin). #DresdenZeigtWiesGeht" ist ihr neues Hashtag in den sozialen Medien. Und so werden sie am kommenden Montag nicht auf ihre Kundgebung verzichten, obwohl im hundert Kilometer entfernten Leipzig das erste Mal Legida, "Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes", startet.

Doch die Messestadt ist viel linker als Dresden, wird von einem SPD-Oberbürgermeister regiert. Ende Dezember waren bereits sieben Gegenveranstaltungen mit mehr als 5000 erwarteten Teilnehmern durch Kirchen und Bürgerbündnisse angemeldet.

Es ist also damit zu rechnen, dass nach den Kö-, Mü-, Dü-, Bär- auch die Legiden in der Minderheit bleiben werden.

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