Pegida-Gründer wandert aus Goodbye Deutschland

Lutz Bachmann wollte Deutschland vor negativen Einflüssen bewahren. Jetzt geht er mit gutem Beispiel voran. Den Pegida-Mitbegründer zieht es offenbar nach Teneriffa. Öffentlich gemacht hat das eine Ex-Mitstreiterin.

Lutz Bachmann
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Der Anführer der Dresdner Pegida-Bewegung zieht offenbar immer häufiger die spanische Sonne den trüben Montagsdemos in Dresden vor. Das berichtet die "Sächsische Zeitung". Lutz Bachmann ist demnach immer seltener auf den Kundgebungen in Dresden zu sehen.

Auch am Montag soll der 43-Jährige bei der Demo seiner "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) laut der Zeitung gefehlt haben. Öffentlich gemacht hat den möglichen neuen Lebensmittelpunkt auf der Kanareninsel Teneriffa nun seine ehemalige Mitstreiterin Tatjana Festerling, die nach einem Streit mit Bachmann Mitte des Jahres aus der Pegida-Führung ausgeschieden war.

Auf Facebook schrieb die frühere Pegida-Frontfrau: "Ich wollte Lutz Bachmann nie (!) die Führungsposition streitig machen. Jedoch mit Sigi gemeinsam dafür sorgen, dass Pegida weiter kraft- und anspruchsvoll bestehen bleibt, wenn LB seinen Lebensmittelpunkt nach Teneriffa verlegt und nur noch alle 2 Wochen für seine Widerstands-Show einfliegt." Mit LB ist offenbar Lutz Bachmann und mit Sigi Siegfried Däbritz gemeint, der zum Pegida-Organisationsteam gehört.

Bachmann verteidigt sich nun in einer Videobotschaft gegen den Angriff von Festerling. Er habe bereits im Frühjahr den Sympathisanten vorschlagen wollen, über seine Tätigkeit im Ausland zu informieren. Festerling sei aber aus taktischen Gründen dagegen gewesen. Dass sie nun damit herausrücke, sei perfide. "Wen interessiert es, wo man arbeitet und seinen Lebensunterhalt verdient, solange man mit Rückgrat hinter der Sache steht?" Am kommen Montag will Bachmann nach Angaben der "Sächsischen Zeitung" eine Art Vertrauensfrage stellen. Wie genau die aussehen soll, ist aber unklar.

Bachmann fühlte sich verfolgt

Bachmann und seine Frau haben laut "Sächsischer Zeitung" bereits im Mai den Wohnsitz in Kesselsdorf bei Dresden aufgegeben. In dem Facebook-Video nennt er verschiedene Gründe für den Schritt, Dresden zu verlassen. Seine Frau sei dem Druck nicht mehr gewachsen gewesen, sie seien verfolgt worden, und es habe Einbruchsversuche gegeben.

Ob Teneriffa wirklich der neue Lebensmittelpunkt ist, bestätigte Bachmann in dem Video aber nicht genau. Sein aktueller Wohnort befinde sich nicht weit entfernt von Dresden. Bachmann erklärte aber, dass er sich in Teneriffa seit vier, fünf Monaten vermehrt aufhalte, weil er dort unter anderem Werbeaufträge annehme.

Auswandern liegt bei Politikern des rechten Spektrums offenbar im Trend: So eröffnete der frühere NPD-Chef Holger Apfel vor zwei Jahren ein Lokal auf Mallorca. Zuvor war er aus dem Amt des Parteivorsitzenden gedrängt worden. Auch Hamburgs früherer Innensenator Ronald Schill, Gründer der rechtskonservativen Partei Rechtsstaatlicher Offensive, hielt es am Ende seiner politischen Karriere nicht in Deutschland: Der Richter wanderte 2006 nach Brasilien aus.

Im Video: Die Zeit der größten Pegida-Demonstrationen

REUTERS

mho/dpa

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