Pegida-Debatte Politiker rufen zum Lieder-Austausch zwischen Christen und Muslimen auf

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung beunruhigt die Politik. Jetzt äußern einige Parlamentarier eine ungewöhnliche Idee gegen pauschale Religionskritik: muslimische Lieder in Weihnachtsgottesdiensten.


Berlin - Wirkt sich die politische Debatte um die islamfeindliche Pegida-Bewegung auf das Weihnachtsfest von Millionen deutscher Christen aus? Politiker regen an, zum Zeichen der Solidarität mit Muslimen in Weihnachtsgottesdiensten ein Lied aus dem Islam zu singen: "Wir brauchen Verständnis, Achtung und Toleranz", sagte der baden-württembergische SPD-Abgeordnete Thomas Funk der "Bild"-Zeitung - dies ließe sich "mit einem Lied befördern".

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour sagte laut "Bild": "Es wäre ein tolles Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der Religionen, wenn in der Kirche ein islamisches Lied gesungen würde und in der Moschee ein Weihnachtslied."

Nouripour wies am Montag darauf hin, dass er die Idee gegenüber der "Bild"-Zeitung nicht im Zusammenhang mit dem Thema Pegida geäußert habe. "Der Islamische Gesang in der Kirche ist nur in Kombination mit dem Weihnachtssingen in der Moschee sinnvoll", sagte Nouripour SPIEGEL ONLINE. Eine Erklärung veröffentlichte er auch auf seiner Facebook-Seite.

Zuletzt hatte der Zentralrat der Juden die Muslime in Deutschland vor einem Generalverdacht in Schutz genommen: Die Angst vor islamistischem Terror werde "instrumentalisiert", um eine ganze Religion zu verunglimpfen, sagte der Zentralratsvorsitzende Josef Schuster der "Welt".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, warnte dagegen vor einer Dämonisierung der "Pegida"-Bewegung. "Es gilt, Ängste abzubauen und mit den Menschen auf der Straße ins Gespräch zu kommen. Es bewirkt nichts, wenn wir pauschal diejenigen verteufeln, die da demonstrieren", sagte der bayerische Landesbischof der "Passauer Neuen Presse". Man müsse sich mit ihnen auseinandersetzten und klarmachen: "Christen sollten alles tun, damit Flüchtlinge gut behandelt werden."

Anmerkung: In einer ersten Version des Textes wurde der Eindruck erweckt, als forderten die zitierten Politiker ausschließlich die Übernahme muslimischen Kulturguts durch christliche Kirchen. Der Grünen-Politiker Omid Nouripour hat sich gegenüber SPIEGEL ONLINE von diesem Eindruck distanziert. Er betont, dass er einen gegenseitigen, offenen Austausch von religiösem Kulturgut befürworten würde, zum Beispiel: Muslimische Lieder in der Kirche, christliche Lieder in der Moschee. Wir haben die Überschrift und die entsprechenden Passagen im Text angepasst.

mxw/als/dpa

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