Pegida in Dresden Zehntausend wollten Wilders sehen

Pegida hatte beim Auftritt von Geert Wilders in Dresden auf 30.000 Teilnehmer gehofft. Aber dann wollten doch viel weniger Menschen dem niederländischen Rechtspopulisten zuhören.

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Das war wohl eher ein enttäuschender Auftritt: Nach 25 Minuten verließ der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders am Montagabend schon wieder die Bühne in der Dresdner Flutrinne und wurde mit einer Wagenkolonne zurück zum Flughafen gebracht. Zuvor hatte Wilders in seiner Rede moniert, die meisten Politiker und Medien verschlössen ihre Augen vor den Gefahren der Islamisierung. Zugleich kritisierte er Kanzlerin Angela Merkel für ihren Satz, der Islam gehöre zu Deutschland.

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hatte wegen ihres illustren Gastredners mit rund 30.000 Teilnehmern gerechnet. Doch mit geschätzt etwa 10.000 Besuchern blieb die Kundgebung weit hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Wilders ist Gründer und Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit (PVV) in den Niederlanden.

Zuvor hatten nachmittags mehr als tausend Menschen unter dem Motto "Vielfalt statt Einfalt" mit einem Sternlauf gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine weltoffene Stadt demonstriert. Laut Polizei, die mit rund tausend Beamten im Einsatz war, verliefen sämtliche Kundgebungen friedlich.

Am kommenden Montag wollen die Islamkritiker ihren sogenannten "Abendspaziergang" aussetzen - aus organisatorischen Gründen, wie es hieß. An den vergangenen Montagen hatten nur noch einige Tausend Menschen an den Kundgebungen teilgenommen, vor einer Woche waren es nach Polizeiangaben 7100. In Spitzenzeiten mobilisierte die Pegida-Bewegung im Januar rund 25.000 Anhänger.

Wilders' Auftritt war auf breiten Protest gestoßen. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte, damit offenbarten die Pegida-Organisatoren ihre rechtspopulistische Gesinnung. Der Vizepräsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), sagte: "Die Bewegung zeigt damit ihr wahres Gesicht: intolerant, ausländerfeindlich, islamophob."

Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir rief die demokratischen Parteien auf, gegen Pegida zusammenzustehen. Die Einladung Wilders' mache deutlich, dass diese versuchten, sich in Europa zu vernetzen, sagte er am Rande einer Gegenkundgebung in Dresden.

als/dpa/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 173 Beiträge
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DerNachfrager 13.04.2015
1. Achja...
"Linkspopulisten" gibt es ja nicht. "Zuwanderungskritische Menschen" noch weniger.
schillbär 13.04.2015
2. Anzahl
Es waren 15100 Pegida Teilnehmer. Diese Zahl wurde seitens der Polizei auch kommuniziert. Als im Einsatz befindlicher Beamter bin ich über die unterschiedlichen Zahlen verwundert...
maddinwilli 13.04.2015
3. Kontradiktion oder Selbstironie?
Da wird ein Ausländer engagiert, um gegen Ausländer zu hetzen.
julian_b 13.04.2015
4. Das Gundrecht auf Meinungsfreiheit
scheint offensichtlich abhängig von der vertretenen Meinung zu sein (wird wohl von SPON wie erwartet zensiert)! Es lebe die Demokratie.
singpat 13.04.2015
5. Wenn man sieht,
dass ausser in Dresden niemand mehr zu den XXgida Demos kommt (Frigida in Franfurt - 40! Leute), dann muss man wohl sagen: Dresden ist wie frueher Bayern. Irgendwie Randlage. Man sagt, dass waere schon zu DDR Zeiten so gewesen.
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