Kreative Aktion in Schwerin Rechte werben unfreiwillig für Nazi-Aussteigerprogramm

MVgida heißt der Pegida-Ableger in Schwerin. Also muss die zugehörige Webseite mvgida.de heißen - dachten zumindest die Islamgegner und hielten entsprechende Schilder hoch. Doch sie wurden hereingelegt.

Aufmarsch in Schwerin: Wo MVgida draufsteht, ist nicht MVgida drin
DPA

Aufmarsch in Schwerin: Wo MVgida draufsteht, ist nicht MVgida drin


Schwerin - Die Furcht vor Islamisierung und Überfremdung ist auch in der mecklenburgischen Tiefebene angekommen. In Schwerin demonstrierten am Montagabend etwa 500 Menschen unter dem an das Dresdner Pegida-Bündnis angelehnten Slogan "Mecklenburg-Vorpommern gegen die Islamisierung des Abendlandes" (MVgida).

Bekannte Rechtsextreme marschierten in Schwerin auf, darunter Thomas Wulff, einer der prominentesten Akteure der Szene. Laut Augenzeugen skandierten die Demonstranten unter anderem: "Wir wollen keine Asylantenheime".

Während ihrer Kundgebung in der Landeshauptstadt hielten sie auch Schilder mit der Adresse der Website "mvgida.de" in die Luft, die zuvor auf der Demonstration verteilt worden waren. Was die Rechten nicht wussten: Sie machten damit unfreiwillig Werbung für ein Nazi-Aussteigerprogramm.

"Informiert euch richtig!"

Aktivisten hatten sich die Domain mvgida.de gesichert. Für sie heißt die Abkürzung: "Mecklenburger Versuche gegen intolerante Durststrecken-Aktivisten". Auf der Webseite fordern sie die "ungeliebten Pegida-Anhänger" auf: "Informiert euch richtig und gackert nicht alles nach!" Dazu haben sie ein Bild von Hühnern veröffentlicht.

Die Initiatoren informieren zudem darüber, wie Bürger ihren zuständigen Abgeordneten kontaktieren und selbst Demonstrationen gegen soziale Ungerechtigkeit organisieren können - damit sie "nicht mit den Nazis mitlaufen" müssen. Außerdem gibt es einen Link zum Nazi-Aussteigerprogramm Exit.

Wer genau hinter der Aktion steckt, ist unklar. Die Organisatoren geben sich bislang nicht zu erkennen. Sie erklärten lediglich, sie seien parteiunabhängig.

Bereits im November hatten linke Aktivisten eine rechte Demonstration unterwandert. Am 15. November hatten sie in Wunsiedel Rechtsextreme überrascht. Was die Teilnehmer nicht wussten: Für jeden Meter, den sie bei ihrem "Trauermarsch" gingen, spendeten andere zehn Euro an Exit. 10.000 Euro kamen so zusammen.

syd



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