Protest-Märsche De Maizière zeigt Verständnis für Pegida-Demonstranten

Die Pegida-Aufmärsche werden größer, das Verständnis der Union auch: Nun sagte Innenminister de Maizière, unter den Teilnehmern seien viele, die "ihre Sorgen zum Ausdruck vor den Herausforderungen unserer Zeit" bringen.

Innenminister de Maizière: "Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen"
DPA

Innenminister de Maizière: "Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen"


Berlin - Die Märsche der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) wurden in ihren Anfängen mit Entsetzen und Abwehr zur Kenntnis genommen, nun häufen sich die Äußerungen des Verständnisses. Bundesinnenminister Thomas de Maizière räumte am Donnerstag in den ARD-"Tagesthemen" ein, dass es bei den Initiatoren "problematische Entwicklungen" gebe. Anders, als sie sich selbst bezeichneten, seien sie keine patriotischen Europäer, so der CDU-Politiker: "Aber unter denjenigen, die da teilnehmen, gibt es doch ganz schön viele, die bringen ihre Sorgen zum Ausdruck vor den Herausforderungen unserer Zeit."

De Maizière zitierte aus einer Studie, die belege, dass sich ein Teil der Bürger wie Fremde im eigenen Land fühlten. "Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen, damit müssen wir uns auseinandersetzen." Aufklärung, Gespräche und das Lösen der Probleme könnten dabei helfen.

Die Pegida-Bewegung hat ihren Ursprung in Dresden. An der wöchentlichen Demonstration hatten sich am Montag 10.000 Menschen beteiligt - 9000 Gegendemonstranten hatten zugleich gegen die Kundgebung protestiert.

Den dumpfen Parolen zuvor kommen

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte der "Bild"-Zeitung, der Aufruf zur Toleranz allein werde nicht mehr reichen. Der CSU-Politiker forderte die in Köln laufende Innenministerkonferenz von Bund und Ländern auf, eine Strategie zu entwickeln. "Dabei müssen wir die Ängste der Bevölkerung aufnehmen, bevor es rechtsextremistische Rattenfänger mit ihren dumpfen Parolen tun." Zuvor hatten Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) bereits Verständnis für die Anliegen der Demonstranten gezeigt.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Nordrhein-Westfalens Ressortchef Ralf Jäger (SPD), dagegen hatte am Donnerstag die Pegida-Organisatoren als "Neonazis in Nadelstreifen" bezeichnet. Sachsens Minister Markus Ulbig (CDU) hatte ihn vor einer Stigmatisierung der Anhänger gewarnt.

Doch Jäger bekräftigt: "Ich finde, man darf da nichts beschönigen." Hinter den Pegida-Protesten stünde die Partei Pro NRW, die Versammlungen in Bonn seien von Mitgliedern von Pro NRW angemeldet worden. Damit werde deutlich, dass dahinter Rechtsextremisten stünden. "Das ist eine besorgniserregende Gefahr", so Jäger. "Wenn sich das verfestigt, haben wir eine rechtsextremistische Strömung, die keiner in Deutschland will."

Der Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, sagte in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner", es sei unzulässig, das Gros der Demonstranten mit Rechtsextremisten gleichzusetzen - wenngleich solche darunter seien. Er warb für einen inhaltlichen Dialog mit besorgten Bürgern.

vek/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 309 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
inver 12.12.2014
1. Das ist wirklich nett, dass die Politiker auch mal mit uns Bürgern sprechen wollen!
Die hier geborenen Bürger lieben und brauchen nunmal ihre Heimat. Wenn diese durch Zugewanderte, die sich nicht integrieren WOLLEN, bedroht ist, dann ist es doch kein Wunder, dass die Bürger sich wehren. Der Bürger fordert nur, dass bestehende Gesetze auch umgesetzt werden!
hschmitter 12.12.2014
2.
Die Lernkurve der heutigen Politiker ist ähnlich wie bei den Genossen der DDR: da bahnt sich über Monate etwas an, was kaum zu übersehen ist, das wird ignoriert und wenn es nicht mehr zu ignorieren ist, versucht man es zu kanalisieren und einen auf verständnisvoll zu machen. Das wirkt nicht besonders glaubwürdig.
grubreg 12.12.2014
3. Wie soll man denn...
...einen Dialog führen, wenn die PEGIDA-Leute gar keine Anfragen zulassen? In wiefern sind die dann ein politisches Pulverfass? Sollen sie doch in ihrer Schmollecke verweilen! Apropos: Im Judentum gab es da ein so probates wie auch unbarmherziges Mittel: Von Ketzern spricht man nicht! Ignoranz ist zwar nicht demokratisch; doch wie mit dieser sich fühlenden wahrhaft schweigenden "Mehrheit" anders umgehen? Am besten erst einmal gar nicht. Abwarten, solange keine Gewalt Platz greift.
volksauflauf 12.12.2014
4. Ach ne. Auf einmal ?
Schnell an den Mainstream dranhängen ? Mann erkennt, dass die breite Mehrheit der nicht rot-grünen so langsam die Nase von den Facharbeitern mit Migrationshintergrund die Nase voll hat ? Die bisher nur unser Sozialsystem beglücken ? Gestern waren das alles noch Nazis und Rechtsextreme. Heute Verständnis ? Geschenkt. Unglaubwürdig.
Ronnyrichard 12.12.2014
5. Eben!
Die Demonstranten wurden alle über einen Kamm geschert. Es wäre auch unwahrscheinlich, dass in Dresden 10.000 Neonazis zusammengekommen wären. Es laufen dort einfache Leute rum. Mit der Verallgemeinerung, dass auf dem Protestmarsch nur Rechte waren, kann auch argumentiert werden, dass auf Demonstration von linksorientierten Leuten, nur Menschen herumlaufen, die den Stalinismus wieder einführen wollen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.