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Pegida-Proteste: Widerstand gegen Fremdenhass-Demos in Dresden

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DPA

Pegida-Demonstranten in Dresden: "Ein diffuses Angstbild"

Am Montag will Pegida wieder zu Tausenden in Dresden gegen Muslime und Flüchtlingsheime demonstrieren. Ob auch der umstrittene Wortführer Bachmann wieder in erster Reihe dabei sein wird, ist unklar. Es formiert sich Widerstand.

Dresden - Der Protest gegen die Demonstrationen der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) wächst - und Enthüllungen über seine kriminelle Vergangenheit bringen auch Wortführer Lutz Bachmann in Bedrängnis.

Hatten am vergangenen Montag noch etwa 1500 Gegendemonstranten den Ablauf des Pegida-Marsches gestört, formiert sich nun ein breites Bündnis aus Ausländerrat, Jüdischer Gemeinde, TU Dresden und anderen Gruppen. Mit Aufklärungskampagnen und Gesprächsabenden sollen besorgte und Pegida-zugeneigte Bürger informiert werden.

Die Pegida-Gegner haben für den kommenden Montag zu einem Sternlauf gegen Intoleranz und für eine weltoffene Stadt aufgerufen. Sechs Demonstrationszüge sollen sich vor dem Rathaus zu einer Kundgebung vereinen. "Wir stehen für eine Stadt, in der jeder und jede sein Leben leben kann, ohne dabei andere in ihrer Freiheit zu beschränken", heißt es etwa in einer Mitteilung des Deutschen Gewerkschaftsbunds Sachsen.

Der DGB kritisiert Pegida als "eine patriotische Bewegung, die Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, nicht in unserer Stadt haben möchte und ein diffuses Angstbild verbreitet". Und der Studentenrat der TU Dresden schreibt: "Es drängt sich das Bild auf, dass Pegida Ausländer unter Generalverdacht stellt und Asyl in Deutschland praktisch unmöglich machen will."

"Wir dürfen nur Störer aussortieren"

Die Teilnehmer der Pegida-Märsche sehen sich hingegen anders: Die Protestmärsche sollen eine Veranstaltung aus der Mitte der Gesellschaft sein, Recht und Ordnung sind die Ziele - und ein strengerer Umgang mit Asylbewerbern. Die Anwesenheit von Rechten und Neonazis in den eigenen Reihen wird von den Organisatoren zwar nicht bestritten, doch diese seien deutlich in der Minderheit. "Man kann sie nicht von der Demo ausschließen. Laut Versammlungsrecht dürfen wir nur Störer aussortieren", sagte Wortführer Lutz Bachmann der "Bild"-Zeitung.

Bachmann organisiert mit einem Team die Märsche in Dresden, an denen am vergangenen Montag Tausende Menschen teilgenommen hatten und die von vielen kritisiert und auch als "Brave-Bürger-Fremdenhass" bezeichnet werden. Doch Anfang der Woche kam heraus: So brav ist Organisator und Redner Bachmann überhaupt nicht.

Die "Sächsische Zeitung" listete die kriminelle Vorgeschichte Bachmanns auf (Artikel ist hinter einer Paywall): Körperverletzung, Fahren ohne Führerschein, Einbruch und Diebstahl, später auch noch Betäubungsmitteldelikte. Was auch immer davon stimmt - Bachmann floh jedenfalls 1997 vor einer Strafe zunächst nach Südafrika, kehrte aber, als sein Visum ablief, laut eigener Aussage freiwillig nach Deutschland zurück.

"Ob mit oder ohne Bachmann"

Und auf Facebook beichtete Bachmann : "JA ich bin vorbestraft, JA ich wollte mich vor 17 Jahren einer gerechten Strafe entziehen habe mich dann aber der Justiz gestellt und meine Strafe abgesessen und wurde wegen guter Führung bereits nach 2 der 3 1/2 Jahre entlassen." Und es geht munter weiter, nichts soll verheimlicht werden: "Ja ich hatte mit Betäubungsmitteln zu tun, JA ich war in Untersuchungshaft vor fast 6 Jahren aber ich habe meine Strafe zur Bewährung bekommen (…)."

Für einen Fremdenhasser hält sich auch Bachmann nicht, ganz im Gegenteil: Auf seiner Facebook-Seite weist er darauf hin, dass er viele ausländische Freunde habe, sein Treuzeuge sei zudem Türke. Er sei auch nicht gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen, einzig bei Wirtschaftsflüchtlingen sei man hart.

Und dann führt Bachmann noch ein Beispiel aus seiner Vergangenheit auf, um zu zeigen, wie rigoros Abschiebepolitik in anderen Ländern betrieben werde: "Ich bin - nachdem mein richtiger Name und Pass auftauchte - aus Südafrika abgeschoben worden (...). Interessant, oder? Dieses Land schiebt tatsächlich schnell und unbürokratisch ab und verschenkt keine Duldungen und Bleiberechte."

Ob der 41-Jährige am kommenden Montag immer noch in der ersten Reihe der Organisation stehen wird, ist unklar. Das Einzige, was mit den Enthüllungen erreicht werde, sei eventuell eine "personelle Veränderung bei Pegida", schreibt er bei Facebook, lässt aber offen, ob es sich dabei um seine Person handelt. Für den kommenden Montag ist jedenfalls erneut ein Pegida-Marsch angekündigt. Der umstrittene Wortführer rechnet dann mit 10.000 Besuchern: "Ob mit oder ohne Bachmann."

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