Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Studie über Pegida-Teilnehmer: In Dresden marschiert die Mittelschicht

Von

Pegida-Demonstranten in Dresden: Mittelschicht, männlich, unzufrieden Zur Großansicht
REUTERS

Pegida-Demonstranten in Dresden: Mittelschicht, männlich, unzufrieden

Wer geht bei Pegida auf die Straße? Forscher haben die Zusammensetzung der Protestzüge erstmals untersucht. Ihr Fazit: Der typische Dresdener Demonstrant ist gut ausgebildet - und der Islam ist ihm gar nicht so wichtig.

Hamburg - Der typische Pegida-Demonstrant ist gut ausgebildet und aus der Mittelschicht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der TU Dresden - es ist die erste Untersuchung über jene Bürger, die seit Wochen in Sachsen auf die Straße gehen.

Es handele sich bei den Pegida-Anhängern um keine Ansammlung von Rentnern und Arbeitslosen, betonen die Forscher: 70 Prozent der Befragten stünden im Beruf. Das Team um den Politikprofessor Hans Vorländer hat rund 400 Pegida-Teilnehmer bei den vergangenen drei Märschen durch Dresden befragt - repräsentativ ist die Studie nicht.

Auch wenn Pegida für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" steht, scheinen sich die meisten Teilnehmer gar nicht um den Islam zu scheren. Nicht einmal ein Viertel der Befragten gab in irgendeiner Form an, ihre Teilnahme habe mit dem Islam zu tun. Die meisten gingen zu Pegida, weil sie "unzufrieden mit der Politik" und mit den Medien seien.

Am Montagabend versammelten sich in Dresden 25.000 Demonstranten - ein neuer Teilnehmerrekord der Bewegung, die vor drei Monaten mit 150 Leuten gestartet war.

Die Forscher entwerfen das Bild eines typischen Pegida-Demonstranten: Dieser stammt demnach aus der Mittelschicht, ist gut ausgebildet und berufstätig, verdient etwas mehr als der durchschnittliche Sachse. Er ist ein Mann, gehört keiner Religion und keiner Partei an - und ist Sachse: Laut der Befragung kommen nur 15 Prozent der Teilnehmer aus anderen Bundesländern. (Hier finden Sie die Ergebnisse der Studie in einem PDF zusammengefasst.)

Die Wissenschaftler betonen, ihre Ergebnisse stünden "zum Teil bisherigen öffentlichen Annahmen über Anliegen und sozialen Hintergrund von Pegida-Anhängern entgegen". Vertreter der Parteien hatten den Demonstranten wiederholt Ausländer- und Islamfeindlichkeit vorgeworfen.

Ganz so überraschend sind die Ergebnisse aber nicht: Auch andere Sozialwissenschaftler sehen bei Pegida eine Mittelschicht mit Abstiegsängsten am Werk. Der bürgerliche Hintergrund vieler Organisatoren ist ebenfalls bekannt.

Ebenso klar ist aber auch, dass bei den sogenannten Protest-Spaziergängen eine Minderheit von Hooligans mitläuft. Am Montag lieferte die sich Scharmützel mit linken Gegendemonstranten in der Dresdener Innenstadt. Außerdem sind bei den Demos auch zahlreiche Plakate zu sehen, deren Träger sich gegen "Islamisierung" und "Überfremdung" aussprechen.

Die Forscher hatten die Schwierigkeit, dass zwei von drei Angesprochenen ihnen keine Antwort gaben.

Macht dies ihre Ergebnisse zur Zusammensetzung der Demos weniger aussagekräftig? Zumindest als Reporter vor Ort gewinnt man den Eindruck, dass vor allem die schlechter gebildeten Pegida-Teilnehmer das Gespräch verweigern: Oft erhält man nur Antworten wie "Sie schreiben doch eh, was sie wollen" oder "Als Journalist wissen Sie doch eh schon alles".

Vorländer, der Leiter der Studie, hält die Zahl der Antwortverweigerer für unproblematisch. "Solche Quoten sind in der empirischen Sozialforschung normal", sagt er auf Anfrage. Ein "Effekt der Verzerrung" lasse sich für ihn nicht feststellen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 554 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
kilix.brandenburg 14.01.2015
Dafür war nun wirklich keine Studie notwendig um das zu erkennen. Nur wollten das einige Medien wieder mal nicht wissen, Rechtsradikale sind besser niederzumachen.
2.
goldt 14.01.2015
Wenn überhaupt nur ein Drittel überhaupt auf die Befragung geantwortet hat, ist die Studie völlig wertlos...
3. Ja Leute
shooop 14.01.2015
..genau so ist es. Das ist ein Teil der Mittelschicht, der dort marschiert. Wir brauchen alle nicht so tun, als wäre uns das völlig fremd, Fremdenfeindlichkeit gehört zur Deutschen Identität dazu. Und ich meine das erst mal relativ wertfrei. Jeder prüfe selber, wie er unseren muslimischen und anderen Mitbewohnern gegenüber fühlt und sich verhält. Ich beziehe mich da selbst mit ein. Ich bin Muslimen gegenüber auch vorsichtig und fühle mich unbehaglich vor dieser fremden Kultur. Aber ich möchte das ändern. Denn in Deutschland leben seit inzwischen etwa 70 Jahren Muslime und sie gehören zu Deutschland dazu. Ein jeder prüfe auch sich selbst.
4. So, so.....
boam2001 14.01.2015
..... und ich dachte, aufgrund der Medienberichterstattung in der letzten Zeit wären die PEGIDA-Anhänger allesamt Rechtsradikale und Nazis. Da hat man von seiten der Medien wohl nicht genau hingesehen und hingehört.
5. Politik Kritik
biwi_101 14.01.2015
Dieses Ergebnis der Umfrage wird der Politik sicher nicht gefallen und wird vermutlich wieder mit blumigen Worten wegdebattiert. Es war doch so praktisch alles auf die Islamfeindklichkeit zu schieben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Fotostrecke
Für und gegen Pegida: Deutschland demonstriert


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: