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Peinliche Pinkelposen: Pulleralarm bei den Grünen

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Drei junge Männer, heruntergelassene Hosen und eine Deutschlandfahne: Ein paar grenzwertige Fotos vom Bundeskongress der Grünen Jugend bringen die ganze Partei in Bedrängnis. Die Parteispitze gibt sich fassungslos, die Jugendorganisation bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Berlin/Hamburg - "Grünen-Nachwuchs pinkelt auf Deutschland-Flagge!" - unter dieser Schlagzeile meldet die "Bild"-Zeitung an diesem Donnerstag einen "handfesten politischen Skandal". Das Bild zum Bericht zeigt drei junge Männer, die, teils mit heruntergelassenen Hosen, auf eine Deutschlandfahne zu urinieren scheinen. Aufgenommen wurde das Bild auf dem Bundeskongress der Grünen Jugend Ende Mai. Veröffentlicht wurde es dann auch noch auf der offiziellen Website der Nachwuchsorganisation. Und das sind gleich zwei Pannen, mit denen sich die Grünen nun auseinandersetzen müssen.

Umstrittenes Pinkelfoto: Dem Webmaster durchgerutscht

Umstrittenes Pinkelfoto: Dem Webmaster durchgerutscht

Den Vorfall an sich bestreiten die Jungpolitiker nicht, distanzieren sich aber deutlich. Das Ganze sei keine "Aktion der Grünen Jugend" gewesen, sondern "das Verhalten von Einzelpersonen am Rande dieser öffentlichen Veranstaltung", sagte Vorstandssprecher Jan Philipp Albrecht SPIEGEL ONLINE.

Auch, dass die Fotos auf der Website zu sehen waren, räumt er ein. "Wir bedauern das", sagte er. Die Bilder seien "umgehend von unserer Homepage entfernt" worden, nachdem die Panne aufgefallen sei. Wie die Bilder überhaupt dort erscheinen konnten? Dem Webmaster, sagt Albrecht, seien die Motive "durchgerutscht".

Nun will der Vorstand mit den drei jungen Männern sprechen, die auf der Aufnahme um die Fahne herumstehen. Allerdings, darauf legt Albrecht Wert, sei der Vorwurf falsch, die drei hätten tatsächlich gepinkelt. Die Szene sei Augenzeugen zufolge gestellt gewesen. Doch selbst wenn dieser Umstand zutreffen sollte - der Schaden, den die Bilder angerichtet haben, ist groß.

"Unterirdisch" und "absolut nicht hinnehmbar"

In der Bundespartei wird bereits "massive Verärgerung" über den Vorfall laut. Das Verhalten der Nachwuchspolitiker sei "unterirdisch" und "absolut nicht hinnehmbar", heißt es. Welche Konsequenzen innerhalb der Partei daraus folgen, ist allerdings noch unklar. Unbestätigten Angaben zufolge kommt einer der drei aus dem erweiterten Führungskreis der Grünen Jugend. Für eine Stellungnahme war er bislang nicht zu erreichen.

Steffi Lemke, Bundesgeschäftsführerin der Grünen, ist um eine möglichst rasche Klärung bemüht. Die Grüne Jugend habe "eine schnelle Aufklärung dieses Vorfalls zugesagt", sagte sie SPIEGEL ONLINE. "Wir wenden uns aber entschieden gegen jeden Versuch von Rechtsextremen, diesen Vorgang für Hetze und zu Aufrufen von Gewalt gegen die demokratische Jugendorganisation Grüne Jugend zu missbrauchen."

In der Tat - die rechtsextreme Szene nutzt die peinliche Pinkelpanne genüsslich aus. In einschlägigen Internet-Foren erregen sich Neonazis über die vermeintliche Flaggenschändung. Die sächsische NPD-Fraktion verbreitete eilig und empört, ihr Geschäftsführer Frank Ahrens habe bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Bonn Strafanzeige wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole gestellt. Die Ermittlungsbehörde konnte den Eingang der Anzeige auf Nachfrage am Donnerstag noch nicht bestätigen.

Neben dem politischen könnte das Pinkel-Fiasko also auch noch ein juristisches Nachspiel haben. Denn laut Paragraf 90a des Strafgesetzbuches kann die Verunglimpfung der Deutschlandflagge mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden. Sollte der Fall tatsächlich vor Gericht landen, werden die Details des Vorfalls beim Strafmaß des Vorfalls eine große Rolle spielen.

Gerichtsrelevante Fragen sind: Woher stammte die Fahne? Fand der Vorfall am Rande, während, vor oder nach dem Bundeskongress statt - wurden die Hosen also privat oder öffentlich heruntergelassen? Und schließlich: Pinkelten sie oder pinkelten sie nicht?

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