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Peinlicher Verlust: Stauffenberg-Büste im Bundestag verschollen

Von Norbert F. Pötzl

Spurlos verschwunden: Vor etlichen Jahren wurde dem Bundestag eine Büste des am 20. Juli 1944 hingerichteten Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg gestiftet - jetzt ist sie nicht mehr auffindbar.

Hamburg - Während in den Feuilletons hitzig darüber diskutiert wird, ob der Hollywood-Star und bekennende Scientologe Tom Cruise den gescheiterten Hitler-Attentäter Stauffenberg verkörpern darf, offenbart der Deutsche Bundestag einen peinlichen Umgang mit dem Nationalhelden: Eine Bronzebüste Stauffenbergs, die zur Ausstellung im Parlament bestimmt war, ist verschollen.

Der Bildhauer Frank Mehnert (Künstlername Viktor Frank), der wie Stauffenberg zum elitären Männerbund um den Dichter Stefan George (1868 – 1933) gehörte, hatte Anfang der dreißiger Jahre den Kopf des jungen Reichswehr-Offiziers Stauffenberg modelliert. Der Künstler fiel 1943 in Russland, die Büste überdauerte den Krieg in einem Versteck. Einen Abguss des Werks übergab der Bruder des Bildhauers, der 1984 verstorbene Publizist Klaus Mehnert, wie dieser in seinen Memoiren ("Ein Deutscher in der Welt") berichtete, dem Deutschen Bundestag.

Der Berliner Autor Thomas Karlauf wurde bei seiner Arbeit an einer im August erscheinenden Biografie Stefan Georges (1868 – 1933) auf die Schenkung aufmerksam und fragte beim Bundestag nach dem Verbleib der Büste, von der ein weiterer Abguss in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand steht; sie befindet sich in Stauffenbergs einstigem Arbeitszimmer im sogenannten Bendlerblock, dem ehemaligen Allgemeinen Heeresamt. Lapidar beantwortete der Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags, Andreas Kaernbach, die Anfrage Karlaufs, ihm lägen "keine Unterlagen vor, die belegen, dass die Büste im Besitz des Deutschen Bundestags gewesen ist".

Kunstverwalter Kaernbach versucht das Rätsel um die verschwundene Büste dadurch zu lösen, indem er den Erhalt des offenbar nirgendwo inventarisierten Werkes anzweifelt: Es sollte, schrieb Kaernbach an Karlauf, "in Erwägung gezogen werden, ob die Schenkung tatsächlich an den Deutschen Bundestag oder eher an einen bestimmten Politiker oder an eine Regierungsinstitution erfolgte". Kaernbachs Ausflucht steht jedoch im Widerspruch zu der präzisen Angabe des Memoiren-Autors Mehnert, dass er die Büste "dem Deutschen Bundestag" übergeben habe. Eine Anfrage des SPIEGEL zu diesem Sachverhalt ließ Kaernbach unbeantwortet.

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