Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Peinliches Bundeswehr-Video: Film ab, jetzt kommt der Krieg!

Ab zum Bund, da geht's rund: Mit einem draufgängerischen Video auf dem YouTube-Kanal der Bundesregierung warb die Bundeswehr um Nachwuchs. Da rollen die Panzer und dröhnen die Jets zu Metal-Musik. Die Ego-Shooter lassen grüßen, meint man. Mittlerweile ist der peinliche Clip wieder verschwunden.

Bundeswehr

Berlin - Wenn die Streitkräfte der USA mit Werbefilmchen um Nachwuchs buhlen, setzen sie oft auf Action pur. Kampfjets donnern über Häuserdächer, Panzer rollen durch Wüsten, Soldaten liegen im Schützengraben. Die Botschaft dahinter: Auf dich, liebe amerikanische Jugend, wartet das ganz große Abenteuer.

Die Bundeswehr setzte bislang eher auf harmlose Werbefilmchen, historisch gesehen ist das schließlich so eine Sache mit dem Krieg. Doch angesichts der großen Nachwuchsprobleme der Truppe scheint mancher von einer etwas forscheren PR-Arbeit zu träumen. Auf dem sonst so anständigen YouTube-Kanal der Bundesregierung wurde am Donnerstag jedenfalls ein Bundeswehr-Werbevideo veröffentlicht, in dem es mal zur Sache geht.

Nur 97 Sekunden ist der Streifen lang, aber die haben es in sich. Tatsächlich mutet der Film ein wenig wie ein Ego-Shooter an. Eine Einstellung jagt die andere. Ein Bundeswehr-Jet jagt durch die Luft. Panzer schieben sich durchs Gelände. Fregatten kurven vor dem Horn von Afrika. Das alles unterlegt mit schweren Heavy-Metal-Sounds.

Plötzlich ein Schnitt - die Nationalhymne ertönt. Die Kamera zeigt den Reichstag, eine Marinesoldatin marschiert durchs Brandenburger Tor. Dann wieder Schnitt, zurück zur Rockmusik. Kampfhubschrauber kreisen. Schwerbewaffnete Soldaten pirschen sich in Richtung Feind. Kameraden hängen an Fallschirmen. Und schon macht's wieder wumm. So schön kann Krieg sein.

War der Stoff doch ein bisschen hart?

"Gewaltverherrlichend und geschmacklos" findet die Opposition den YouTube-Clip. Dass der draufgängerische Film nicht ganz im Einklang mit dem Brunnen-und-Brückenbauer-Image ist, das die Bundeswehr sonst so gerne pflegt, scheint inzwischen auch die Bundesregierung gemerkt zu haben. Sie hat das Video nur Stunden nach der Veröffentlichung von ihrem offiziellen YouTube-Kanal vorsichtshalber wieder verschwinden lassen.

Nanu? War der Stoff doch ein bisschen hart? Nein, nein, versichert die Bundesregierung. Poltische Gründe seien für den Löschauftrag nicht ausschlaggebend gewesen. Es seien schlicht die internen Regeln verletzt worden, heißt es. Weil der Clip ausschließlich mit Musik unterlegt ist, habe er in seiner Aufmachung nicht den Vorgaben für einen Webauftritt entsprochen, sagt Vizesprecher Georg Streiter: "Die Bundesregierung will auf ihrem YouTube-Kanal in Bild und Wort über ihre Arbeit informieren." Man habe das Video zurückgezogen - "weil es kein Wort gibt". Eine etwas eigenwillige Erklärung. Aber gut, Regel ist eben Regel.

Und das mit dem Ballern? Halb so wild. Findet die Bundesregierung. Die inhaltliche Kritik an dem Clip teile man jedenfalls nicht. Auch im Verteidigungsministerium mag man nichts Verwerfliches an dem Video erkennen. Er habe den Film abgenommen und stehe zu der Produktion, sagt Sprecher Stefan Paris. Der Streifen habe sich an ein junges Publikum gerichtet und entspreche dem typischen YouTube-Stil. Das Ministerium werde den Film aber nicht in sein eigenes YouTube-Angebot aufnehmen, weil es sich um einen exklusiven Trailer für den Kanal der Bundesregierung handele.

Ganz aus dem Internet löschen lässt sich der Film freilich nicht. Eine Blogs haben ihn längst im Angebot.

vme

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 269 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. .
recardo, 18.11.2011
Lächerliche Aufregung um nichts. Lohnt nur hier was zu schreiben, weil ich die Bundeswehr in Schutz nehmen muß. Das ist alles reinste Heuchelei von der Opposition, sie wollen nur im Gespräch bleiben. Für mich war es ein harmloses Filmchen.
2. Vorbild: Die US Army
Transmitter, 18.11.2011
Da sollten wir uns einmal die Werbe-Clips der US Army im TV dort ansehen! Da kommen nicht nur Power und realistische, siegreiche Schlachten-Szenarien rüber. Da wird auch der weihevolle Stolz, eine Army-Uniform tragen zu dürfen, dargestellt. DAS ist PR! Da sind diese mickrigen BW-Clips geradezu Micky Maus - Trash dagegen!
3. ...
traubensaftdance 18.11.2011
Naja... finde das jetzt nicht sooooo schlimm... Nichts mehr als heiße Luft...
4. -
tim-quasineutral 18.11.2011
Man kann sich schon fragen, ob die Bundeswehr mit solchen Filmchen werben soll/möchte. Aber so schlimm war es nun auch wieder nicht. Kriegsverherrlichenden fand ich es auf keinen Fall. Wie will man denn sonst für Freiwillige werben? In Frankreich z.B. werden ganz ähnliche Filme gedreht.
5. der wurm muss dem fisch schmecken
WernerS 18.11.2011
und nicht dem angler. warum sollte die bw rücksicht auf die meinung und den geschmack von leuten nehmen, die sowieso nicht zur zielgruppe gehören.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Kommando Spezialkräfte
Auftrag
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr wurde 1996 aufgestellt, um militärische Sonderaufträge im Ausland durchzuführen. Vorbilder waren britische und US-Elitetruppen sowie die deutsche Polizei-Sondereinheit GSG 9. Das KSK, im baden-württembergischen Calw stationiert, ist der am besten abgeschottete Bundeswehrverband. Alle Soldaten müssen sich schriftlich verpflichten, grundsätzlich nicht über ihre Einsätze zu sprechen, nicht mal mit ihren Ehefrauen. mehr auf Wikipedia...
Frühere Einsätze
Die Spezialeinheit war schon mehrfach in geheimem Auftrag eingesetzt - früher unter anderem im Kosovo, in Bosnien und Mazedonien, um dort flüchtige Kriegsverbrecher festzunehmen. KSK-Soldaten sind seit Dezember 2001 in Afghanistan aktiv, lange im Rahmen des Anti-Terroristen-Einsatzes "Operation Enduring Freedom", der von der internationalen Schutztruppe Isaf getrennt war. Ihr Auftrag war dabei auch die Suche nach Taliban- und Qaida-Kämpfern. mehr auf Wikipedia...
Jetziger Einsatz in Afghanistan
Heute sind KSK-Kämpfer unter dem Mandat der internationalen Einsatztruppe Isaf in Afghanistan aktiv. Sie sollen helfen, die deutschen Feldlager in Kunduz und Masar-i-Scharif schützen. mehr auf Wikipedia...
Training und Profil der Truppe
Die Soldaten des KSK, meist Mitte 20 bis Mitte 30, sind Berufs- oder Zeitsoldaten. Sie durchlaufen eine harte Auswahlprüfung und danach eine Spezialausbildung. Die Truppe ist sowohl auf militärische Sonderaufträge im Ausland als auch auf die Bekämpfung von Terroristen spezialisiert. Ursprünglich wurden sie besonders zur Rettung abgeschossener deutscher Piloten hinter den feindlichen Linien und zur Befreiung deutscher Staatsangehöriger aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten ausgebildet. Zum Spezialtraining der KSK-Soldaten gehören Nahkampf, Fallschirmspringen, Abseilen aus Hubschraubern und Sprengen sowie Überleben unter Extrembedingungen in Gebirge, Dschungel oder Wüste. mehr auf Wikipedia...

Fotostrecke
GSG 9 und KSK: Deutschlands Elitetruppen
Neues Stationierungskonzept der Bundeswehr
Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat das neue Stationierungskonzept der Bundeswehr vorgestellt. Danach stehen mehr als 60 der 328 Standorte vor dem Aus: 32 werden geschlossen, und weitere 33 schrumpfen auf weniger als 15 Mitarbeiter.
Baden-Württemberg
Schließung: Hardheim, Hohentengen, Immendingen, Sigmaringen.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Pforzheim, Ravensburg, Schwäbisch Gmünd.

Stationierung: Künftig 15.800 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 25.500, mit Sigmaringen wird ein Großstandort mit über 1000 Dienstposten geschlossen.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 2,4 auf 1,5.
Bayern
Schließung: Fürstenfeldbruck, Kaufbeuren, Penzing.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Bamberg, Deggendorf, Kempten (Allgäu), Regensburg, Traunstein, Würzburg.

Stationierung: Künftig 31.000 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 50.700, mit Fürstenfeldbruck und Penzing werden zwei Großstandorte mit über 1000 Dienstposten geschlossen.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 4,1 auf 2,5.
Berlin
Keine Schließungen oder signifikanten Reduzierungen. Das Führungskommando der Luftwaffe kommt nach Berlin-Gatow.

Stationierung: Künftig 5000 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 5200.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner bleibt bei 1,5.
Brandenburg
Keine Schließungen oder signifikanten Reduzierungen. Das Führungskommando des Heeres kommt nach Strausberg.

Stationierung: Künftig 7400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 8800.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 3,5 auf 2,9.
Bremen
Keine Schließungen oder signifikanten Reduzierungen.

Stationierung: Künftig 700 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 1100.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 1,7 auf 1,1.
Hamburg
Keine Schließungen oder signifikanten Reduzierungen.

Stationierung: Künftig 2400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 2700.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 1,5 auf 1,4
Hessen
Schließung: Rotenburg an der Fulda.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Darmstadt, Gelnhausen, Wetzlar.

Stationierung: Künftig 5400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 8600.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 1,4 auf 0,9.
Mecklenburg-Vorpommern
Schließung: Lübtheen, Rechlin, Trollenhagen

Das Führungskommando der Marine kommt nach Rostock.

Stationierung: Künftig 10.600 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 14.200.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 8,6 auf 6,4.
Niedersachsen
Schließung: Ehra-Lessien, Lorup, Schwanewede.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Braunschweig, Göttingen, Neuharlingersiel, Stade.

Stationierung: Künftig 40.800 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 51.600.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner 6,5 auf 5,1.
Nordrhein-Westfalen
Schließung: Kerpen, Königswinter.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Arnsberg, Dortmund, Herford, Paderborn, Recklinghausen, Siegen. Das Führungskommando der Streitkräftebasis erhält seinen Sitz in Bonn.

Stationierung: Künftig 26.800 Soldaten und Zivilbeschäftgte statt bisher 36.600.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 2,0 auf 1,5.
Rheinland-Pfalz
Schließung: Bad Neuenahr-Ahrweiler, Birkenfeld, Emmerzhausen, Kusel, Speyer.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Kaiserslautern. Das Führungskommando des Zentralen Sanitätsdienstes kommt nach Koblenz.

Stationierung: Künftig 20.600 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 28.700, mit Kusel und Speyer werden zwei Großstandorte geschlossen.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 7,2 auf 5,1.
Saarland
Keine Schließungen

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Sankt Wendel.

Stationierung: Künftig 1400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 2700.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 2,6 auf 1,4.
Sachsen
Schließung: Mockrehna.

Stationierung: Künftig 3600 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 4500.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 1,1 auf 0,9.
Sachsen-Anhalt
Keine Schließungen.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Halle (Saale) Stationierung: Künftig 4400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 5600.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 2,4 auf 1,9.
Schleswig-Holstein
Schließungen: Alt Duvenstedt, Bargum, Glücksburg, Hohn, Hürup, Ladelund, Lütjenburg, Idstedt, Seeth.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Albersdorf, Bramstedtlund, Itzehoe, Schleswig.

Stationierung: Künftig 15.300 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 26.000.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 9,2 auf 5,4.
Thüringen
Schließung: Ohrdruf.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Mühlhausen, Suhl.

Stationierung: Künftig 6300 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 9000.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 4,0 auf 2,8.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: