Neuer Umweltminister Altmaier: Der neue Liebling

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Er gilt als loyaler Unterstützer von Angela Merkel, auch deshalb hat die Kanzlerin Peter Altmaier zum Nachfolger von Umweltminister Röttgen befördert. Der 53-Jährige wurde in anderen Parteien respektiert, wegen seiner Offenheit. Damit dürfte es jetzt vorbei sein.

dapd

Berlin - Seinen vorletzten Twitter-Eintrag hatte Peter Altmaier sieben Stunden vor der entscheidenden Pressekonferenz verschickt. Dann verkündete Angela Merkel, ihn zum Nachfolger von Bundesumweltminister Norbert Röttgen zu machen. Es war ein knallharter Schachzug der Kanzlerin. Noch nie hatte Merkel von sich aus einen ihrer Minister entlassen.

Der Profiteur dieses ungewöhnlichen Rauswurfs ist nun also Altmaier. Noch am selben Nachmittag gab er vor den Fraktionsräumen der CDU/CSU sein erstes Statement ab. Er freue sich auf "die Herausforderungen, die damit verbunden sind", sei sich der großen Verantwortung bewusst, "die gerade jetzt mit dieser Tätigkeit verbunden ist".

Auch seine Fans im Internet vergaß er nicht. Ihnen twitterte Altmaier: "Danke an Alle für die Glückwünsche zu meiner Berufung als Umweltminister. Ich brauche Ihre/Eure Unterstützung jetzt erst recht! Bis bald!"

Erst im September des letzten Jahres hatte er das Kommunikationsmittel für sich entdeckt. Er benutzt es wie kein anderer in der Fraktion, deren Geschäftsführer er bis zu Röttgens Sturz war. Er zeigte sich begeistert wie ein kleines Kind, das ein neues Spielzeug bekommen hat, er schrieb über das neue Medium in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", traf sich umgehend mit Computerfreaks und Piraten-Anhängern und stritt mit ihnen über Datenschutz und Urheberrecht. Er suchte den Diskurs, die Debatte, den Streit. Es war ein klassischer Altmaier-Aufschlag: aufgeschlossen sein, nicht verbohrt in eine Richtung blicken, mit vielen reden, überzeugen wollen. Und zuhören können. In sein Zuhause, seine Altbauwohnung im Berliner Westen, lud er sich gelegentlich Journalisten ein, kochte mit ihnen und stritt über Politik.

Merkel half beim Aufstieg

Altmaier, bald 54, war nie ein klassischer Konservativer. Allenfalls was ästhetische Dinge angeht: Über moderne, verhunzte Bauten kann er sich furchtbar aufregen und sich darüber ärgern, dass in Berlin die alten Gehwegplatten, auf denen ein Jahrhundert Spuren hinterlassen hat, einfach entsorgt werden. Der Christdemokrat, liberal und tolerant, wirkte lange Zeit wie ein Fremdkörper in der eigenen Partei. Wo viele seiner CDU-Kollegen die Journalisten mit holzschnittartigen Analysen traktierten, konnte Altmaier die Fehler seiner eigenen Partei messerscharf auf den Punkt bringen. Und an ihnen ebenso stark leiden wie daran, dass es mit ihm in der CDU nicht so recht voranzugehen schien.

Der Mann aus dem Saarland hatte zu Zeiten der Kanzlerschaft Helmut Kohls fast ein Alleinstellungsmerkmal: Er war Liebling der linksliberalen Medien, wurde dort zwar gerne mit kritischen Sätzen gegen seine eigene CDU zitiert, aber in der eigenen Partei hatte er eigentlich nicht viel zu sagen. Mit anderen Jüngeren in der Union bemühte er sich in den neunziger Jahren um die Modernisierung des Staatsbürgerschaftsrechts, hielt Kontakt zu Migranten, Flüchtlingsverbänden und den Kirchen. Altmaier und Co, wozu auch Röttgen zählte, holten sich Blessuren in der Kohl-Ära. Sie waren eine kleine Minderheit, trafen sich mit der Opposition und träumten von Schwarz-Grün.

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Karrieresprung für Peter Altmaier: Plötzlich Minister
Es war Merkel, die Frau aus dem Osten, die nicht in der Union sozialisiert worden und damit eine Außenseiterin in der westdeutschen CDU war, die Altmaiers Aufstieg förderte. Erst unter ihr als Partei- und später auch Fraktionschefin ging es mit ihm langsam nach oben. Zu Oppositionszeiten wurde er Justitiar in der Unions-Fraktion, anschließend parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium in der Großen Koalition, schließlich CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer. Altmaier musste sich dafür nicht groß verbiegen. Nicht er, die CDU hatte sich unter Merkel verändert, die Partei wurde gesellschaftlich geöffnet - der einstige Außenseiter Altmaier rückte von nun an in die Mitte.

Ab jetzt im Rampenlicht

Nun ist es das erste Mal, das Altmaier ein Ministerium führen wird. Zugute kommt ihm dabei, dass er Behörden von innen kennt. Er hat jahrelang in der EU-Kommission gearbeitetet, spricht fließend Englisch, Französisch und auch Niederländisch. In Holland trat er schon mal in TV-Sendungen auf - und juxte danach, dort könne er viel freier reden als in Deutschland, schließlich würden die meisten Deutschen ja kein Niederländisch können.

Mit der spielerischen, manchmal selbstverliebten Offenheit wird es als Minister wohl ein Ende haben müssen. Im März, als die Debatte über Röttgens verpatzten Wahlkampfstart in NRW langsam an Fahrt aufnahm, hatte Altmaier in einem Radiointerview erklärt: "Ich bin fest überzeugt, dass wir die offenen Fragen, die es gibt, innerhalb der Union diskutieren und klären werden." Das wurde von Röttgen als Distanzierung begriffen. Noch am selben Abend stand Altmaier auf einem Journalistenfest in Berlin mit Röttgens Sprecherin zusammen. In der Hand hatte er den Ausdruck des gesamten Interviews und erklärte ihr freundlich, wie er es eigentlich gemeint hatte.

Nun sind die offenen Fragen in der CDU, von denen Altmaier damals sprach, geklärt. Röttgen musste gehen, weil Merkel es so wollte. Und Altmaier darf kommen, weil sie es will. Kommende Woche wird er in seinem neuen Amt vereidigt. Ab dann beginnt für ihn eine neue Ära. Umweltschutz war bislang nicht gerade sein Thema, er muss die Energiewende voranbringen. Das sei eine "gesamtgesellschaftliche Herausforderung", von der viel abhänge. Er wolle sich "mit ganzer Kraft und vollem Engagement" darum kümmern, sagt er in Berlin.

Peter Altmaier, bislang Merkels Mann für die zweite Reihe, steht ab jetzt unter Beobachtung.

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