CSU-Veteran Gauweiler über Merkel "Hier wurde eiskalt emotional eskaliert"

Peter Gauweiler gibt Angela Merkel Mitschuld am dramatischen Verlauf des Asylstreits mit Horst Seehofer. Im SPIEGEL wirft der CSU-Veteran der Kanzlerin Prinzipienlosigkeit vor - und nennt sie eine "Wellenreiterin".

Peter Gauweiler
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Peter Gauweiler


CSU-Veteran Peter Gauweiler übt scharfe Kritik am politischen Kurs von CDU-Chefin Angela Merkel. "Wir hatten früher die Metapher von der Partei als 'Leuchtturm'. Die CDU muss aufpassen, dass sie kein Leuchtturm auf Rädern wird", sagte Gauweiler dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

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In der Union müsse weiter ein Platz für die demokratische Rechte sein, mahnte der ehemalige CSU-Parteivize und fügte hinzu: "Als Politiker ist man Wellenbrecher, der sich auch gegen negative Trends stemmen muss. Es sei denn, man heißt Angela Merkel, die ist eine Wellenreiterin, und zwar die beste der Welt. Sie bleibt oben, völlig egal, wo die Welle herkommt und wo sie hingeht."

Gauweiler gibt Merkel eine Mitschuld daran, dass der Asylstreit mit CSU-Chef Horst Seehofer so aus dem Ruder gelaufen ist: "Hier wurde eiskalt emotional eskaliert. Gegenüber einem Mann, der erst vor sechs Monaten einen politischen Teiltod erlitten hatte, der als CSU-Chef in wenigen Wochen eine schwierige Wahl bestehen wird müssen."

Gleichzeitig räumte Gauweiler ein, dass es bei dem Streit auch darum ging, Merkel zu stürzen: "Das hat sicher auch eine Rolle gespielt", so Gauweiler auf eine entsprechende Frage. "Merkels Alternativlosigkeit in ihrer Partei ist ja auch ein Problem. Die CDU wird in Zukunft ein Headhunting im eigenen Laden machen müssen, damit ihr Personal endlich wieder die ganze Breite an Begabungen abbildet."

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rp/ama

insgesamt 102 Beiträge
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beobachter68 20.07.2018
1. Absolut richtig!
Die Platituden, die die Bundeskanzlerin in ihrer heutigen Pressekonferenz verbreitet , sind kaum noch auszuhalten. Merkel schafft es die Audienz richtig einschlafen, weil sie übern eine einzigartige Gabe verfügt: jede Menge Wörtern, um NICHTS zu sagen. Das politische Leben in Deutschland ist der Leidtragender.
gammoncrack 20.07.2018
2. Witzig!
Was soll er denn als Urgestein der CSU auch sonst sagen? Vielleicht: "Herr Seehofer ist ein Tölpen, so wie er hier agiert"? Wohl kaum.
poetnix 20.07.2018
3.
Ein guter Vergleich! Sie ist eine Wellenreiterin, die die Größe der Wellen abwartet, sich dann aufs Board schwingt und sie abreitet oder versteckt im Wellental ausharrt
Poli Tische 20.07.2018
4. Wellen bedeuten Berg und Tal.........
Frau Merkel kennt beides. Wenn sie letztendlich immer wieder innerhalb ihrer eigenen Partei den Berg erklimmt und diesen besetzt, dann nur deshalb, weil ihre Partei sich im Personaltal befindet. Hier müssten sich Menschen qualifizieren, nicht auf Kosten von Merkel sondern durch eine gute Politik. Wer sollte denn Frau Merkel als BundeskanzlerIn aus CDU/CSU ersetzen??? Seehofer - Söder......... - NEIN
haarer.15 20.07.2018
5. Aber Herr Gauweiler ...
Ein bisschen einseitig ist seine Sicht der Dinge schon. Wenn schon austeilen - dann aber auf jede beteiligte Seite. Ja - es wurde eiskalt emotional eskaliert. Aber von wem denn bitte ? Es war doch Herr Seehofer höchstpersönlich mit seinem CSU-Gefolge im Schlepptau. Womit er nur recht hat, ist dass Frau Merkel ohne Prinzipien regiert.
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