Bundestagsvizepräsident Peter Hintze ist tot

Er war ein enger Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel und zuletzt Bundestagsvizepräsident: Peter Hintze ist im Alter von 66 Jahren an Krebs gestorben.


Der Bundestagsvizepräsident und frühere CDU-Generalsekretär Peter Hintze ist tot. Hintze sei in der Nacht auf Sonntag an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben, teilte eine Sprecherin der nordrhein-westfälischen CDU mit.

Mehrere CDU-Politiker äußerten sich bestürzt. Hintze gehörte dem Bundestag seit 1990 an, von 1992 bis 1998 war er Generalsekretär der CDU.

Mit ihm verliere die Union "eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten", teilte Angela Merkel mit. Hintze habe "die Politik der CDU Deutschlands wie auch unseres Landes über Jahrzehnte in unterschiedlichsten Funktionen maßgeblich geprägt". Er sei "ein Mann des offenen Wortes, aber auch des Ausgleichs" gewesen.

Hintze wurde 1950 in Honnef geboren und studierte Evangelische Theologie in Bonn und Wuppertal. 1979 wurde er Pastor im Hilfsdienst in Königswinter, ab 1980 war er dort drei Jahre lang als Pfarrer beschäftigt.

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Peter Hintze: Pastor und CDU-Wahlkämpfer

Im Dezember 1983 berief der damalige Bundesfamilienminister Heiner Geißler (CDU) Hintze in das Amt des Bundesbeauftragten für den Zivildienst. Nach siebenjähriger Amtszeit kandidierte er erstmals für den Bundestag und wurde im Januar 1991 Parlamentarischer Staatssekretär in dem von Merkel geführten neuen Ministerium für Frauen und Jugend.

Ein Jahr später übernahm Hintze das Amt des CDU-Generalsekretärs von Volker Rühe, der Verteidigungsminister wurde. Für den Machtverlust 1998 wurde Hintze wegen seiner "Rote-Hände"-Kampagne, einer Neuauflage der "Rote-Socken"-Kampagne, mitverantwortlich gemacht. Merkel löste ihn nach der Bundestagswahl im Amt des Generalsekretärs ab.

Doch Hintze überstand den politischen Umbruch. 2005 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, 2007 zusätzlich Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrttechnik, 2013 dann Bundestagsvizepräsident.

Hintze kämpfte unermüdlich für seine Überzeugungen - etwa gegen das Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID). Für den Vater eines Sohnes war es "unbarmherzig", wenn Paare mit sehnlichem Kinderwunsch, aber einer Veranlagung für eine schwere Erbkrankheit, nicht durch Gentests die Chance auf die Geburt eines gesunden Kindes bekommen sollten.

Und mit seiner liberalen Position in der Debatte um Sterbehilfe stellte sich der evangelische Pfarrer nicht nur gegen die Spitze seiner Partei und die Mehrheit seiner Fraktion, sondern auch gegen die eigene und die katholische Kirche.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte Hintze im Namen des Parlaments als "leidenschaftlichen Parlamentarier und einen allseits und über die Fraktionsgrenzen hinaus geschätzten Kollegen. Er habe eine große Begabung gehabt, "Brücken zwischen unterschiedlichen Auffassungen und Interessen zu bauen". Auch sei Hintze "in den letzten 25 Jahren eine der prägenden politischen Persönlichkeiten in der CDU Deutschlands" gewesen.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder teilte mit, Hintze habe die CDU auf verschiedenen Positionen geprägt. "Er war ein leidenschaftlicher Parlamentarier, der in Respekt für die Ansichten anderer leidenschaftlich für seine Sache stritt. Er argumentierte scharfsinnig und baute gleichzeitig Brücken."

cte/dpa



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