Die Sprüche des Peter Struck: "Die kann mich mal"

Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag ist Ex-Verteidigungsminister Peter Struck gestorben. Der Sozialdemokrat war kein gewöhnlicher Politiker. In Erinnerung bleibt ein Mann, der mit seiner Schlagfertigkeit Freund und Feind oft sprachlos machte.

Motorradfahrer Struck (2008): "Ich kenne nichts Entspannenderes" Zur Großansicht
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Motorradfahrer Struck (2008): "Ich kenne nichts Entspannenderes"

Hamburg - Die Autobiografie von Peter Struck trägt den Titel "So läuft das. Politik mit Ecken und Kanten". Und genau so wird der Sozialdemokrat Struck wohl vielen in Erinnerung bleiben: als unverfälschte Persönlichkeit, als ein Politiker, der offene Worte fand - die nicht jedem gefielen.

Am Mittwoch ist Peter Struck im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Er saß 29 Jahre für die SPD im Bundestag, wurde Fraktionschef und später Verteidigungsminister. Zuletzt war er Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Besonders die Soldaten schätzten während seiner Zeit als Verteidigungsminister seine Offenheit. Sein wohl bekanntestes Zitat ist der Satz: "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt." Dieser Satz fiel im Februar 2002, spontan, wie er später erklärte.

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Peter Struck: Mit Leib und Seele Sozialdemokrat
Selbst Politikern anderer Parteien gefiel Strucks Art. Helmut Kohl hat ihn einmal seinen "Lieblingssozi" genannt. Die Menschen hätten Struck "für seine Offenheit, Geradlinigkeit und für seine klaren Ansagen" gemocht, sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch. Sie habe ihn als "einen hart argumentierenden, dabei jedoch stets verlässlichen Partner kennen- und schätzen gelernt", sagte Kanzlerin Angela Merkel zum Tode Strucks.

Peter Struck über die Arbeit im Bundestag und die lieben Kollegen:

"Kein Gesetz verlässt den Bundestag so, wie es eingebracht wurde."

Struck als Fraktionschef im Jahr 1999

"Diskussionsfreude finde ich gut. Eine stumme Partei ist 'ne dumme Partei."

SPD-Fraktionschef Peter Struck 2007 über die Debatten in seiner Fraktion

"Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten."

Struck 2007 zum SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach

"Jede Fraktionssitzung ist jetzt ein kleiner Parteitag."

Struck würdigt 1999 die neue Diskussionskultur in der SPD, nachdem Gerhard Schröder Parteichef geworden ist.

"Ein bisschen traurig bin ich schon."

Struck über seinen Abschied als Minister 2005

"Jetzt bei der Bundeswehr habe ich ungefähr 220 Generäle, so viele habe ich in der Fraktion auch - da ist jeder Generalin oder General. Ich werde damit schon fertig."

Verteidigungsminister Struck 2005 über seine künftige Rolle als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion

"Das Wahlprogramm heißt: Im Himmel ist Jahrmarkt."

Struck als SPD-Fraktionschef bei einer Parteiveranstaltung in Bad Homburg, 2008

Über Merkel, Kauder und die Union:

"Die kann mich mal."

Struck als SPD-Fraktionschef 2008 an die Adresse der CDU, die forderte, er solle sich entschuldigen. Struck hatte Hessens Ministerpräsident Roland Koch unterstellt, über eine U-Bahn-Attacke ausländischer Jugendlicher auf einen Rentner froh zu sein.

"Mir hat manchmal schon ein Basta à la Schröder gefehlt."

SPD-Fraktionschef Peter Struck 2006 bei N24 über den Regierungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

"Es ist schon ein hartes Brot, mit diesen Schwarzen da in Berlin zu regieren, das kann ich euch sagen!"

SPD-Fraktionschef Struck über die sozialpolitischen Forderungen der Linken

"Sie kann mich nicht leiden und ich sie nicht."

Struck über Kanzlerin Merkel, 2009

"Wir trinken einen zusammen - öfter, als Sie denken."

Struck 2006 in einer Generalaussprache im Bundestag über die Zusammenarbeit mit dem Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder

"Die CDU ist wie eine Tanne, die im Winde schwankt, die SPD ist eine Eiche und die Grünen sind wie eine Pappel, die manchmal zittert."

Struck im Jahr 2000 über den Zustand der Fraktionen

"Dafür hätte er nicht nach Amerika fahren müssen. Es sei denn, er hat Wert auf die Fotos am Times Square gelegt."

Struck im Jahr 2009 zu den Ergebnissen der Gespräche von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors in den USA

"Wir haben uns in den letzten Wochen zu sehr mit uns selbst beschäftigt. Da darf man sich nicht wundern, dass die SPD als größte Selbsterfahrungsgruppe der Republik wahrgenommen wurde."

Struck 2008 in der "Welt am Sonntag"

"Wenn ein Politiker Präsident eines Fußballvereins wird, ist er ein Selbstmörder."

Struck, Wirtschaftsratsmitglied bei Borussia Dortmund, im Deutschlandfunk auf die Frage, ob er nach seinem Ausscheiden aus der Politik 2009 BVB-Präsident werden wolle.

Über seine Leidenschaft fürs Motorradfahren:

Struck war leidenschaftlicher Motorradfahrer - auch zur Freude seiner Personenschützer. Als Minister mit Maschine sei er "das beliebteste Kommando" für die Beamten des Bundeskriminalamts gewesen, sagte Struck einst dem Magazin "Motorrad".

Denn:

"Die waren mit uns auch in Urlaub, Motorradfahren in Kalifornien, durch das Death Valley, in Colorado und in Südafrika. Wenn ich die heute treffe, da schwärmen die immer noch von - na ja, mit Hans Eichel mussten sie immer wandern gehen."

Zu seinem Motorrad-Hobby sagte er 2009:

"Ich kenne nichts Entspannenderes. Wenn ich freitags nach einer harten Sitzungswoche über die B5 aus Berlin rausfahre, fällt spätestens in Friesack der ganze Stress von mir ab. Offenes Visier, die kurvenreichen Landstraßen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die verträumte Landschaft mit ihrem spröden Charme, die kleinen Dörfer - da lebe ich auf."

vme/kgp

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Kurzporträts der SPD-Spitze
Parteivorsitzender: Sigmar Gabriel
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Mit 51 Jahren wurde Gabriel, Jahrgang 1959, jüngster Parteichef seit Willy Brandt. In der Großen Koalition war er bis Herbst 2009 Umweltminister und profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen die Atomkraft. Nach dem Wahldesaster der Sozialdemokraten griff er entschlossen nach dem Parteivorsitz. Nach einem starken Start hat seine Autorität zuletzt im Streit um Thilo Sarrazin und die Migrantenquote Schaden genommen. Als natürlicher Kanzlerkandidat gilt er inzwischen nicht mehr.

Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist mit einer Zahnärztin verheiratet.
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Manuela Schwesig schaffte in nur sechs Jahren den Aufstieg von der Finanzbeamtin zur SPD-Vizechefin. Frank-Walter Steinmeier pries die 1974 geborene Schwesig einst als "strahlenden Nordstern der SPD". Im Präsidium ist sie für Familienpolitik zuständig und katapultierte sich vor allem während der Verhandlungen um die Hartz-IV-Reform in die Schlagzeilen.

Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann nach Schwerin. Dort engagierte sie sich zunächst in der Kommunalpolitik, bevor sie im Oktober 2008 ins Schweriner Kabinett eintrat - als bundesweit jüngste Landesministerin. Sie ist Mutter eines Sohnes.
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Kraft, 1961 geboren, ist SPD-Landeschefin und Ministerpäsidentin von Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte Juli 2010 führt sie eine rot-grüne Regierung in Düsseldorf - die ersten beiden Jahre als Minderheitsregierung, seit der Landtagswahl im März 2012 mit einer deutlichen Mehrheit.

Die gelernte Bankkauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin sieht sich selbst als Pragmatikerin, die keinem SPD-Flügel angehört. Auch ohne den typischen Stallgeruch und die übliche Ochsentour machte sie im größten SPD-Landesverband schnell Karriere - zunächst als Europa- und dann bis Mai 2005 als Wissenschaftsministerin. Später wurde sie Fraktionschefin in Düsseldorf. Kraft ist verheiratet und hat einen Sohn.
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Regierender Bürgermeister von Berlin und schon seit neun Jahren an der Spitze einer rot-roten Koalition. Gilt deshalb - für nicht wenige in der SPD irrtümlich - als Linker sowie als Wegbereiter einer bundesweiten Öffnung zur Linkspartei.

Wowereit, Jahrgang 1953, ist der Senior innerhalb der SPD-Spitze. Gelernter Jurist, passionierter Partygänger, Skat- und Golfspieler. Lebt mit einem Arzt zusammen. Bekanntester Satz, immer noch: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so."
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Bis Herbst 2009 war Scholz, geboren 1958, Bundesarbeitsminister. Aber auch jetzt ist er wieder gut beschäftigt: Im Februar 2011 holte er bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg die absolute Mehrheit und ist seitdem Erster Bürgermeister in der Hansestadt.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht hat in der SPD schon viele Karrierestationen hinter sich: Innensenator in Hamburg, SPD-Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Scholz ist verheiratet mit einer Hamburger SPD-Politikerin.
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Die Hamburgerin, Jahrgang 1967, mit türkischen Wurzeln hat einen steilen Aufstieg in der SPD hinter sich. Seit 2009 sitzt sie im Bundestag, im Dezember 2011 übernahm sie einen der Posten als Bundes-Vize. Vorher arbeitete sie unter anderem als Intergrationsbeauftragte der SPD-Fraktion. Für Aufsehen sorgte sie 2010 mit dem Appell, die Is­lam­kon­fe­renz von Bun­desin­nen­mi­nis­ter Hans-Pe­ter Friedrich (CSU) zu boy­kot­tie­ren. Sie hatte dem Minister vorgeworfen, einen pauschalen Terrorverdacht gegen Muslime zu unterstellen. Özoguz ist mit einem Hamburger SPD-Politiker verheiratet und lebt in Oldenfelde sowie einer Berliner Dienstwohnung.
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Nahles, geb. 1970, ist schon lange bei der SPD aktiv. Vor ihrer Wahl zur Generalsekretärin war Nahles stellvertretende SPD-Vorsitzende. Einst war sie Chefin der Nachwuchsorganisation Jusos und für kurze Zeit schon einmal als Generalsekretärin vorgesehen: 2005, gegen den Willen von Franz Müntefering, der deshalb nicht mehr Parteichef sein wollte.

Nahles stammt aus Rheinland-Pfalz, sie ist Germanistin und bekennende Katholikin. Liiert ist sie mit einem Bonner Kunsthistoriker.